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Brauchen wir den Führerschein in Zukunft noch?

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Volontär · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
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03.09.2026
6 Min.

Öffis, Fahrräder und E-Scooter verändern unsere Wege, selbstfahrende Autos versprechen eine noch bequemere Zukunft. Trotzdem halten die meisten jungen Menschen in Österreich den B-Führerschein weiterhin für notwendig. Ich mache ihn gerade selbst – und möchte auf diese Freiheit nicht verzichten.

Der Führerschein steht noch immer für Freiheit und Selbstständigkeit. Doch brauchen Jugendliche ihn auch dann noch, wenn Öffis und selbstfahrende Autos immer wichtiger werden? (Foto: Steffen L. - Pixabay)

Nach einem Treffen bei Freunden stehe ich an einem Samstag kurz nach 22 Uhr am Bahnhof Lenzing. Ich möchte nach Vöcklabruck, doch die letzte 561 ist bereits um 20.37 Uhr abgefahren. Einen Nachtbus gibt es auf dieser Strecke nicht. Ein Taxi wäre mir zu teuer, also muss ich jemanden anrufen und um eine Abholung bitten. In diesem Moment merke ich, warum ich den Führerschein machen will: Ich möchte selbst entscheiden können, wann ich nach Hause fahre.

Für mich ist das gerade keine ferne Zukunftsfrage. Ich bin bereits dabei, meinen Führerschein zu machen. Trotzdem frage ich mich: Brauche ich diese Karte in ein paar Jahren überhaupt noch? Vielleicht fährt dann überall ein Bus. Vielleicht bestellt sich jeder per App ein selbstfahrendes Auto. Vielleicht steht das eigene Auto irgendwann nur noch nutzlos vor der Haustür.

Trotzdem ist meine Antwort klar: Ja, ich will den Führerschein unbedingt machen. Und ich glaube, dass er auch für Jugendliche in Zukunft wichtig bleibt. Nicht, weil jeder täglich allein mit dem Auto fahren sollte. Sondern weil ein Führerschein Möglichkeiten öffnet, die andere Verkehrsmittel nicht immer bieten.

In der Stadt: Viele Wege ohne Auto

In einer Großstadt kann ein Leben ohne Auto gut funktionieren. U-Bahn, Straßenbahn und Bus fahren regelmäßig. Kurze Strecken lassen sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem E-Scooter zurücklegen. Wer in Wien wohnt und in der Nähe einer Station lebt, vermisst ein Auto im Alltag vielleicht kaum.

Ein konkretes Beispiel zeigt den Unterschied: Wer an einem Samstag um ein Uhr nachts vom Karlsplatz Richtung Seestadt fahren will, kann weiterhin die U2 nehmen. Laut den Wiener Linien verkehren die U-Bahnen in den Nächten vor Samstagen, Sonntagen und Feiertagen durchgehend im 15-Minuten-Takt.

Auf dem Land: Freiheit beginnt dort, wo der Fahrplan endet

Außerhalb großer Städte sieht die Situation anders aus. Ein Bus, der nur einige Male am Tag fährt, hilft wenig, wenn der Unterricht länger dauert, die Arbeit früh beginnt oder am Abend Training ist. Auch Freunde, Nebenjob und Freizeit halten sich nicht immer an einen Fahrplan. Fällt die letzte Verbindung aus oder fährt sie zu früh, bleibt oft nur die Bitte an Eltern oder Freunde: „Kannst du mich abholen?“

In Lenzing zeigt das die Buslinie 561 besonders deutlich. Im Fahrplan des OÖVV liegen die spätesten eingetragenen Abfahrten am Bahnhof Lenzing je nach Wochentag und Fahrtrichtung bei 20.37 beziehungsweise 21.49 Uhr. Um ein Uhr nachts fährt die Wiener U-Bahn also noch alle 15 Minuten, während der letzte Bus dieser Linie in Lenzing längst weg ist.

Genau diese Abhängigkeit möchte ich später vermeiden. Mit einem Führerschein kann ich selbst entscheiden, wann ich losfahre und wie ich nach Hause komme. Ich könnte außerdem jemanden abholen, bei einem Umzug helfen oder in einer Situation einspringen, in der ein Auto gebraucht wird. Dafür muss ich nicht einmal sofort ein eigenes Auto besitzen. Auch ein geliehenes Fahrzeug oder Carsharing bringt wenig, wenn die Fahrerlaubnis fehlt.

Die meisten Jugendlichen wollen den Führerschein

Der Führerschein scheint für junge Menschen keineswegs aus der Mode zu kommen. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit befragte im Mai 2026 insgesamt 1.000 Personen zwischen 16 und 24 Jahren. 67 Prozent hatten bereits einen B-Führerschein, weitere 26 Prozent wollten noch einen machen.

Zusammen sind das 93 Prozent. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass alle 93 Prozent den Führerschein ausdrücklich für notwendig halten. Sicher sagen lässt sich: Sie besitzen ihn bereits oder planen, ihn zu erwerben.

Gleichzeitig erwarten viele Befragte, dass öffentliche Verkehrsmittel in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen. Das ist kein Widerspruch. Ein Führerschein und gute Öffis müssen keine Gegner sein. Ich kann für den täglichen Schul- oder Arbeitsweg den Zug nehmen und trotzdem am Wochenende ein Auto brauchen. Entscheidend ist, für jeden Weg das passende Verkehrsmittel wählen zu können.

Zur Freiheit gehört auch Verantwortung. Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KFV, warnt in derselben Aussendung: „Die Gefahren durch Unaufmerksamkeit und Ablenkung werden nicht nur von Erwachsenen massiv unterschätzt, sondern auch schon von jungen Menschen.“

Ein Führerschein ist teuer

So viel Freiheit kostet allerdings einiges. Eine Erhebung der Arbeiterkammer Oberösterreich aus dem Jahr 2026 untersuchte ausschließlich Fahrschulen in Oberösterreich. Dort kosteten die verglichenen B-Ausbildungen zwischen 1.580 und 2.177 Euro. Im Durchschnitt waren es 1.932 Euro. Zusätzliche Fahrstunden oder Wiederholungen können den Betrag weiter erhöhen. Die Zahlen lassen sich deshalb nicht automatisch auf ganz Österreich übertragen.

Auch danach entstehen Kosten. Ein eigenes Auto braucht Versicherung, Treibstoff oder Strom, Wartung und einen Parkplatz. Für viele Jugendliche ist deshalb nicht der Führerschein das größte Problem, sondern das Fahrzeug danach.

Öffentliche Verkehrsmittel können günstiger und entspannter sein. Während der Zugfahrt kann ich lesen, Musik hören oder noch etwas für die Schule erledigen. Beim Autofahren muss meine Aufmerksamkeit auf der Straße bleiben. Außerdem verursachen Bus und Bahn pro Fahrgast meist weniger Verkehr und benötigen weniger Platz als viele einzelne Autos.

Deshalb möchte ich meinen Führerschein haben, aber nicht jede Strecke automatisch mit dem Auto fahren. Freiheit bedeutet für mich nicht, immer das Auto zu nehmen. Freiheit bedeutet, überhaupt eine Wahl zu haben.

Fahrrad und E-Scooter als Alternativen

Für kurze Wege sind Fahrrad und E-Scooter praktisch. Sie brauchen wenig Platz, sind flexibel und können die Lücke zwischen Haustür und Haltestelle schließen. Bei gutem Wetter würde ich für einen kurzen Weg lieber auf das Fahrrad steigen, als erst einen Parkplatz zu suchen.

Ihre Grenzen zeigen sich aber schnell. Starker Regen, Schnee, weite Strecken oder schweres Gepäck machen die Fahrt unangenehm. Auch mehrere Personen lassen sich damit nicht transportieren. Als Ergänzung sind diese Fahrzeuge sinnvoll. Einen Führerschein ersetzen sie für mich nicht vollständig.

Rettet das selbstfahrende Auto uns die Prüfung?

Die spannendste Zukunftsidee ist ein Auto, das ganz ohne Fahrer ans Ziel kommt. Dann könnten auch Menschen ohne Führerschein einsteigen, eine Adresse auswählen und sich fahren lassen. In dieser Welt wäre die klassische Fahrprüfung vielleicht wirklich überflüssig.

So weit ist Österreich jedoch noch nicht. Automatisierte Fahrzeuge dürfen hier unter bestimmten Bedingungen getestet werden. Laut oesterreich.gv.at muss bei vielen Testfahrten weiterhin eine speziell geschulte Person eingreifen können.

Für die angekündigte Erweiterung gibt es nun auch eine eigene Quelle: Das österreichische Mobilitätsministerium kündigte im April 2026 einen erweiterten Testbetrieb und neue Modellregionen an. Ab 2028 sollen dort Flotten automatisierter Fahrzeuge erprobt werden. Vollautomatisierte Busse sollen bis 2030 unter Aufsicht im echten Linienbetrieb getestet werden.

Auch neue Autos übernehmen bereits einzelne Aufgaben. Sie halten Abstand, warnen vor Ablenkung oder bremsen in Gefahrensituationen. Das macht Autos sicherer und bequemer. Es macht sie aber noch nicht zu Fahrzeugen, in denen jeder ohne Führerschein schlafen kann, während der Computer durch Österreich fährt.

Selbstfahrende Autos werden unsere Mobilität wahrscheinlich verändern. Wann sie zuverlässig auf jeder Landstraße, bei Schnee und in unübersichtlichen Baustellen allein fahren können, bleibt offen. Darauf möchte ich meine eigene Zukunft nicht aufbauen.

Mein Führerschein bleibt - mein Auto vielleicht nicht

Ich glaube nicht, dass der Führerschein bald verschwindet. Dafür sind die Unterschiede zwischen Stadt und Land zu groß. Öffis können viele Wege übernehmen, Fahrräder und E-Scooter ergänzen sie. Selbstfahrende Autos könnten später noch mehr verändern. Trotzdem wird es Situationen geben, in denen selbst fahren die einfachste Lösung ist.

Darum mache ich meinen Führerschein. Ich möchte nicht bei jedem späten Termin den Fahrplan prüfen oder darauf hoffen, dass mich jemand abholt. Gleichzeitig muss der Führerschein für mich nicht bedeuten, jeden Morgen allein im eigenen Auto zu sitzen.

Vielleicht ist das die wirkliche Zukunft: Jugendliche brauchen weiterhin einen Führerschein, aber nicht mehr unbedingt ein eigenes Auto. Die Plastikkarte bleibt in der Geldbörse - und das Auto öfter stehen.


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