Jugendliche zählen ihre Sexualpartner und sprechen dabei von "Bodycount". Was für ein Unsinn!

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13.01.2026
2 Min.

„Hey, wie viele hattest du schon?“ Ein Satz, der heute in WhatsApp-Gruppen, auf Social-Media-Plattformen oder in Schulpausen immer wieder fällt. Für viele Jugendliche und junge Erwachsene ist die Anzahl ihrer Sexualpartnerinnen, oft als „Bodycount“, bezeichnet, wichtig. Dabei sagt eine Zahl allein noch gar nichts aus.

Ein Zahl sagt nichts über Erfahrung mit Menschen aus. (Foto: Andrej Lišakov/unsplash)

In der Pause scrollen Jugendliche durch Social Media, ein Video geht viral, und plötzlich fällt ein Begriff, der für Gesprächsstoff sorgt: der Bodycount. Gemeint ist damit die Anzahl der Sexualpartnerinnen, die eine Person bisher hatte. Eine einheitliche Definition gibt es nicht, in der Regel werden jedoch Vaginal-, Oral- und Analverkehr mitgezählt.

Expertinnen betonen, dass diese Zahl keine Bewertung darstellt, denn es gibt weder einen „richtigen“ noch einen „falschen“ Bodycount. Vielmehr spiegelt er individuelle Lebenswege, Erfahrungen und persönliche Einstellungen wider. Thomas K., 17 Jahre alt, erzählt: „Ich höre oft vom Bodycount, vor allem auf Social Media. Deshalb habe ich mich beim ersten Date manchmal direkt danach erkundigt.“

Was als „hoch“ gilt, ist kulturell und sozial unterschiedlich. Studien aus Deutschland und den USA zeigen, dass im Jugend- und jungen Erwachsenenalter häufig fünf bis zehn Sexualpartner*innen als hoch wahrgenommen werden, eine Einschätzung, die jedoch stark subjektiv geprägt ist.

Macht ein hoher Bodycount unattraktiv?

Forschung und Expertinnenmeinungen zeigen eindeutig, dass ein hoher Bodycount nichts über Persönlichkeit, Bindungsfähigkeit oder Attraktivität aussagt. Laut der Sexualwissenschaftlerin Dr. Sandra Koch beeinflussen Werte, Kommunikation und gegenseitiger Respekt die Qualität von Beziehungen wesentlich stärker als die Anzahl früherer Partner*innen.

Fabian K., 18 Jahre alt, sagt dazu: „Manche behaupten, Menschen mit vielen Partnern seien schwer zu halten. Ich halte das für Unsinn, entscheidend ist, wie man miteinander umgeht.“ Dennoch hält sich das Stigma hartnäckig, vor allem in sozialen Medien, wo der Bodycount häufig kommentiert und bewertet wird. Das kann insbesondere bei Jugendlichen zu Verunsicherung führen.

Warum zählen wir mit?

Die Gründe dafür sind vielfältig. Manche vergleichen sich aus Neugier mit Freundinnen, andere sehen die Zahl als eine Art Statussymbol oder nutzen sie als Gesprächsthema auf Partys oder in Chats. Studien zeigen jedoch, dass diese Fixierung auf Zahlen eher Druck und Stress erzeugt, als echte Orientierung zu bieten. Psychologin Dr. Lena Müller erklärt: „Wenn junge Menschen ihren Selbstwert an den Bodycount knüpfen, kann das ihr Selbstbild verzerren. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Partnerinnen, sondern wie Sexualität erlebt wird.“

Eine Zahl ist nicht alles

Die eingangs geschilderte Szene wiederholt sich: Im Pausenhof fragt eine Freundin erneut nach einer Zahl. Auch wenn solche Fragen für viele mittlerweile normal erscheinen, sagt der Bodycount wenig über Attraktivität, Reife oder Beziehungsfähigkeit aus. Für die meisten Jugendlichen sind Respekt, Vertrauen und das eigene Wohlbefinden deutlich wichtiger. Leon P. bringt es auf den Punkt: „Jede/r sollte selbst entscheiden, was zählt, nicht irgendeine Zahl.“


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