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Body Positivity? Ach bitte, machen wir uns doch nichts vor

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14.12.2025
3 Min.

Wir alle sind gleich schön, oder etwa doch nicht? Die Body-Positivity-Bewegung lässt uns das glauben, doch die Realität sieht anders aus. Warum Body Neutrality vielleicht besser wäre.

Wir sehen uns selbst viel zu kritisch. Mehr Selbstakzeptanz wäre wünschenswert. (Foto: witedaemon via pixabay)

Jemand, der Wert auf das eigene Erscheinungsbild legt, wirkt immer attraktiver als jemand, der das nicht tut. Diese Realität prägt unser Denken über Schönheit, Wert und Sichtbarkeit stärker, als es uns oft bewusst ist. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich Body Positivity.

Body Positivity ist in den Medien in aller Munde, fast täglich kommen wir damit in Berührung. Eine scheinbar perfekte Bewegung, die unser Selbstbewusstsein heben will, aber wie gut funktioniert das eigentlich?

Anfänge in den 1960er Jahren

Die Initiative basiert auf dem Fat-Acceptance-Movement und der Black-is-Beautiful-Bewegung aus den 60er-Jahren der USA und besagt, dass alle Körper schön sind, egal, wie sie aussehen. In den 2000er- und 2010er-Jahren wurde sie durch Social Media wieder zu einem weltweiten Phänomen und ist bis heute relevant.

Intentionen

Die Bewegung wollte ursprünglich reine Selbstakzeptanz bewirken, inzwischen geht sie aber weit darüber hinaus und setzt sich ebenso für Diversität und soziale Gerechtigkeit ein. Vor allem durch die unerreichbaren Schönheitsstandards von Apps wie Instagram oder TikTok gewinnt sie immer mehr Anhänger, meist Frauen, die nicht als „konventionell attraktiv“ gelten.

Sie fühlen sich zunehmend aus dem gesamten Zirkus von Social Media ausgeschlossen, unter anderem dadurch, dass unter jedem Foto Hasskommentare stehen und viele Creators, die den Schönheitsidealen entsprechen, erfolgreicher sind als sie. Und dies ist vollkommen verständlich. Wer möchte schon mit ekelhaften Beleidigungen und manchmal sogar Morddrohungen konfrontiert werden, nur weil jemand eine zu große Nase, eine andere Hautfarbe oder Übergewicht hat?

Nein, lieber sollen alle schön sein. Der eigene Körper soll akzeptiert und gefeiert werden. Eine Bewegung, die die Inklusion aller will.

Die Nachteile

Sie erreicht dieses Ziel jedoch nicht. Die zunehmende Kommerzialisierung von Body Positivity bewirkt sogar eher das Gegenteil. Immer mehr Konzerne wollen mit ihr Geld verdienen und zeigen in Werbekampagnen Models mit leichten Abweichungen von Schönheitsidealen.

Dies zieht Kritik nach sich. Und zwar nicht nur an den Firmen, sondern auch an der Initiative selbst. Auch auf Social Media zeigt sich in ihren Kreisen eine starke Fokussierung auf das Körperbild, und selbst wenn alle Körper akzeptiert werden, wirkt jemand, der keine Mühe in Schönheit steckt, immer noch weniger wert. Denn wir können die Standards nicht einfach ausschalten.

Und dies lastet schwer auf vielen Menschen. Vor allem Teenager und Frauen in ihren Zwanzigern kämpfen mit ihrem Selbstwert, und dieser wird geschwächt, wenn sie nicht ihr ideales Selbst darstellen, ein Selbst, das sich scheinbar mit etwas Make-up und der richtigen Kleidung erreichen ließe. Der permanente Druck, ideal zu sein, wird auch diese Bewegung nicht verlassen, egal, wie gut ihre Absichten sind.

Body Neutrality

Deswegen bevorzuge ich die Body-Neutrality-Bewegung. Bei ihr spielt das Aussehen keine Rolle, denn jeder Mensch ist gleich viel wert. Der Druck, perfekt zu sein, fällt weg, denn selbst wenn jemand nicht so hübsch ist wie ein Instagram-Model, bleibt der Wert derselbe.

Diese Initiative entstand aus der Body-Positivity-Bewegung und will sie zu ihren Wurzeln zurückführen: der Akzeptanz und Gleichbehandlung aller Menschen, unabhängig von ihrem Aussehen.

Mir persönlich gefällt sie deutlich besser. Ich fühle mich nicht immer schön, wie vermutlich jeder Mensch. Bei Body Positivity denke ich dann oft, ich hätte persönlich versagt, weil ich mich nicht hübsch finde, oder ich würde „konventionell unattraktive“ Menschen nicht wertschätzen. Bei Body Neutrality ist es anders. Ich kann über mein Aussehen denken, was ich will, ebenso wie über das anderer Menschen. Ob ich eine Person schön finde oder nicht, ich weiß, dass ich sie respektvoll behandeln muss. Und darum sollte es gehen. Nicht um unsere Äußerlichkeiten, sondern um das, was in uns steckt.

Wenn euch Body Positivity mehr zusagt, ist das vollkommen in Ordnung. Alles, was uns als Menschen hilft, uns selbst und andere zu lieben und respektvoll zu behandeln, ist gut für uns.

 




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