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WM Auftakt der ÖFB-Elf: Beim Public-Viewing gibt es frühen Kaffee und ein 3:1

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17.06.2026
4 Min.

Nach 28 Jahren ohne WM-Teilnahme erlebt Österreich einen emotionalen Auftakt in das Turnier. Bereits in den frühen Morgenstunden versammeln sich hunderte Fans am St.-Ulrichs-Platz in Wien, um das erste Gruppenspiel gegen Jordanien gemeinsam zu verfolgen. Große Anspannung und Aufregung begleiten den Fußballmorgen, Campus a war live dabei.

Public Viewing mal anders: auch um 6:00 Uhr morgens lassen sich die ÖFB-Fans die Stimmung nicht vermiesen (Foto: Dalia Eisl)

„Ich dachte das Aufstehen wird schwieriger, aber ich bin schon um 1:00 in der Früh aufgewacht und dachte mir, passt gemma“, erzählt Benjamin im Österreich-Trikot. „Mein Puls ist auf 180 um 6:00 in der Früh, der Weltmeisterschaft steht nichts mehr im Wege“, sagt er. Er steht mit über 350 anderen Fußballfans kurz vor sechs Uhr morgens im siebten Wiener Gemeindebezirk, vor den Bildschirmen bei Ulrich & Erich. Österreich spielt sein erstes WM-Spiel seit 28 Jahren, und die Fans wollen diesen Moment gemeinsam erleben.

Die frühe Anstoßzeit schreckt die wenigsten ab. Manche haben ihren Schlafrhythmus sogar komplett an das Spiel angepasst. „Bevor ich verschlafe, gehe ich lieber gar nicht schlafen“, sagt Johannes im Gespräch mit campus a.

Wien schaut Fußball

Während sich die ersten Fans mit Kaffee versorgen, ziehen immer wieder Regenschauer über den St.-Ulrichs-Platz im siebten Wiener Gemeindebezirk. Trotz der sommerlichen Temperaturen spannen die Mitarbeiter der Veranstalter Schirme auf, wer nicht darunter passt, zieht eine Kapuze über. Die Stimmung ist gut, wer hier ist, der ist echter Fußballfan. „Für sechs Uhr morgen ist die Stimmung schon krass, aber das könnt ihr Österreicher“, sagt Felix aus Deutschland. Er sei mit österreichischen Freunden hier, sagt er.

Nicht alle finden einen Sitzplatz, dafür ist es zu voll. Das Lokal bietet eigens ein Frühstückspaket an, das gleichzeitig als Eintrittskarte zum Fußballmorgen dient. Zur Auswahl steht eine Schinken-Semmel oder eine vegetarische Variante mit Gebäck, Kräutertopfen und Radieschen. Dazu gibt es ein Pain au Chocolat, ein Nöm-Joghurt sowie Kaffee und weitere Getränke. Kostenpunkt: 19,90 Euro. Für diesen Preis erhält man nicht nur Frühstück, sondern vor allem das Privileg, das Spiel im Sitzen verfolgen zu dürfen, ein Luxus, der an diesem regnerischen Vormittag gefragt ist.

Mit dem Anpfiff wird es deutlich ruhiger unter den grölenden Fußballfans. Die Aufmerksamkeit richtet sich vollständig auf die Bildschirme. Eine gewisse Anspannung bleibt trotzdem.

Führung und erste Hoffnung

Und dann trifft Romano Schmid in der 20. Minute zum 1:0 und die Anspannung entlädt sich mit einem Schlag. Hinter einem Fan fliegt ein Stuhl um als er zum Jubel aufspringt, bei einem anderen fliegt beinahe der Kaffee vom Tisch. Überall fallen sich Fremde jubelnd in die Arme, alle hier brechen in Ekstase aus. Nach den nervösen ersten Minuten macht sich erstmals das Gefühl breit, hier könnte tatsächlich etwas möglich sein.

Mit dem Vorsprung geht es in die Pause. Während die Spieler in den Kabinen verschwinden, verschwinden über dem St.-Ulrichs-Platz auch die Wolken und die Sonne bricht durch. Da bildet sich auch vor der Bar sich wieder eine Schlange, die Fans bekommen Durst. Einige holen sich noch einen Kaffee, andere bestellen bereits das erste Bier des Tages. Sie alle disktutieren. Über das Tor, über vergebene Chancen und darüber, wie lange Österreich die Führung halten kann.

Jubel auf Widerruf

Wenige Minuten nach Wiederanpfiff kippt die Stimmung dann aber schon. Jordanien erzielt den Ausgleich, und die Erleichterung der ersten Halbzeit verschwinden schlagartig. Viele verschränken die Arme, andere starren regungslos auf die Bildschirme. Das Spiel, das zur Pause noch in die richtige Richtung zu laufen schien, ist plötzlich wieder völlig offen.

Mit jeder Minute wächst die Nervosität. Es wird lauter, nicht nur auf dem Platz sondern auch hier beim Public-Viewing, bei jedem Fehlpass ein kollektives Stöhnen. Als Stürmer Marko Arnautović den Ball in der 67. Minute im Tor unterbringt, explodiert die Stimmung auf dem Platz erneut. Doch der Jubel hält nur wenige Sekunden. Der Treffer wird vom Video Assistant Referee (VAR), aberkannt, wegen eines Handspiels von Abwehrspieler Stefan Posch zählt der Treffer nicht. Das freut niemandem auf dem St.-Ulrichs-Platz.

Ein Eigentor und die Erlösung

Nach einer Ecke fällt wenig später das 2:1 durch ein Eigentor von Yazan Al-Arab. Danach stabilisiert sich Österreich wieder, die Sicherheit im Spiel nimmt sichtbar zu.

In der Schlussphase erlöst Marko Arnautović die österreichischen Fans endgültig. Nach einem Handspiel zeigt der Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt. Arnautović tritt an, verwandelt sicher und stellt vor rund 68.000 Zuschauer in San Francisco auf 3:1.

Jubel und Erleichterung

Um 8:00 Uhr Wiener Zeit ist die Erleichterung auch am St.-Ulrichs-Platz deutlich zu spüren. Der Schiedsrichter pfeift nach zehn Minuten Nachspielzeit ab. „Die WM ist ein Ausnahmezustand, da ist man immer dabei“, sagt Stefan, einer der Fans. Für Nicole überwiegt nach dem Schlusspfiff vor allem die Begeisterung über den gemeinsamen Fußballmorgen: „Die Stimmung war einfach grandios.“

Schon wenige Minuten nach dem Schlusspfiff rollen die Zuschauer ihre Fahnen ein, ziehen sich ihre Jacken über und gehen heim, oder zur Arbeit, oder in die nächste Bar. Während auf den Bildschirmen noch die ersten Analysen laufen, leert sich der Platz schnell. Für die meisten beginnt nun ein gewöhnlicher Mittwochmorgen, nur mit etwas besserer Laune als sonst.