Vorurteile der Tierhaltung
In Schulen und in den Medien wird oft von den skrupellosen Taten der Tierhaltung gesprochen: von Massentierhaltung bis hin zum Entzug der Kälber von ihren Müttern findet man alles. Dabei entsteht häufig das Bild vom gefühllosen oder rückständigen Bauern, der angeblich keine Ahnung hat. Doch vor allem in einem Land wie Österreich, das kulturell und wirtschaftlich stark von der Landwirtschaft geprägt ist, sollten solche Vorurteile nicht leichtfertig ausgesprochen werden. Natürlich müssen Massentierhaltung und andere Missstände gestoppt werden. Doch genau deshalb sollten wir uns zusammenreißen und lokale Bauern, die sich bemühen, diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, unterstützen und genauer hinsehen. Bauern wird oft vorgeworfen, sie seien gewalttätig gegenüber Tieren. Doch wer kennt seine Tiere besser als jemand, der täglich mit ihnen arbeitet? Man sieht immer wieder, wie Kleinbauern jedes Tier beim Namen kennen und sich intensiv um ihre Herde kümmern.
Politik hält sie zurück
Zusätzlich fühlen sich viele Kleinbauern von Staat und Wirtschaftsunion zunehmend unter Druck gesetzt. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Gesetze verabschiedet, die sich auf kleine Betriebe auswirken. Dazu zählt unter anderem die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU, ein Fördersystem, das vor allem auf ausreichende Nahrungsmittelproduktion abzielt. Dabei wird häufig stärker auf Fläche und Produktivität geachtet als auf Kultur, Nachhaltigkeit und regionale Strukturen. Zwar gibt es derzeit noch stärkere Förderungen für kleinere Betriebe, doch viele befürchten, dass sich die Situation in den kommenden Jahren verschlechtern könnte. Auch bürokratisch sind Aufwand und Probleme stark gestiegen. Ständige Kontrollen und immer strengere Zertifizierungsregeln machen es schwieriger, die Betriebe finanziell zu erhalten und gleichzeitig nachhaltig sowie tierfreundlich zu wirtschaften. Wer behält da noch den Überblick? Menschen, die ohnehin früh aufstehen und oft bis spät arbeiten? Politische Information ist daher entscheidend, denn es gibt durchaus Politiker und Organisationen, die sich für Entlastungen von Kleinbauern einsetzen, etwa die ÖBV (Österreichische Berg- und Kleinbäuer:innen Vereinigung – Via Campesina Austria).
Preise
Doch eines der größten Probleme sind wir selbst. Immer mehr Menschen regen sich über steigende Preise auf, beschweren sich bei Kleinbauern und übersehen dabei die enorme Arbeit, das Risiko und die Investitionen, die hinter landwirtschaftlicher Produktion stehen. Über die Jahre sind die Kosten für kleine Betriebe stark gestiegen. Düngemittel, Diesel, Energie und Futter sind in den letzten zwei Jahren teilweise um bis zu dreißig Prozent teurer geworden. Gleichzeitig wirkt sich der Klimawandel immer stärker aus. Veränderte Wetterbedingungen führen zu geringeren Ernteerträgen und erschweren auch die Produktion von Tierfutter. Es ist daher nachvollziehbar, dass Preise steigen, wenn Betriebe wirtschaftlich überleben wollen. Müssen wir immer die Kleineren verantwortlich machen? Können wir nicht auch anerkennen, dass unser eigenes Konsumverhalten eine Rolle spielt?
Wir müssen beginnen, Dinge zu verändern. Ist es wichtiger, möglichst günstig einzukaufen und alles strikt nach kurzfristigen Marktmechanismen auszurichten, oder wollen wir hart arbeitende Menschen unterstützen und regionale Strukturen bewahren? Veränderungen beginnen im Kleinen – und genau dort können wir heute ansetzen.
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