Wir alle kennen das Gefühl, unsere Freunde würden uns in Wahrheit gar nicht mögen. Es ist eine grauenhafte Erfahrung, und so ziemlich jeder Mensch macht sie im Leben.
Woher kommt dieses Gefühl?
Das ist für jeden von uns anders, dennoch gibt es gewisse Punkte, die oft vorkommen. Nicht zu Feiern oder einfachen Treffen eingeladen werden, nicht im Group-Chat dabei sein, auf Exkursionen immer mit anderen im Zimmer schlafen müssen, weil der Rest sich nicht aufteilen will, sind klare Indikatoren, unwillkommen zu sein.
Aber auch kleinere Dinge geben uns ein schlechtes Gefühl. Kein „Gute Besserung“, wenn man in der Schule nicht da ist, ein schneller Themenwechsel, sobald man dazukommt, oder am Gehsteig immer hinter den anderen hergehen fühlt sich ebenso grauenhaft an. Warum? Weil die anderen ein klares „wir wollen dich hier nicht“-Signal schicken, sie sich aber immer mit einem „so war das nicht gemeint“ oder „du überreagierst“ herausreden können.
Verschiedene Typen
Diese Dinge können absichtlich sein oder auch nicht. Wenn sie absichtlich sind, dann ist mehr oder weniger dieselbe Reaktion angebracht wie bei den schlimmeren Handlungen. Denn diese Freunde sind genauso toxisch, genauso ignorant, genauso schlecht für die mentale Gesundheit. Das ist die einfache Variante.
Die schwierigere ist die, bei der Freunde solche Dinge unabsichtlich machen. Ich kann nicht sagen, wieviele das Gefühl kennen, aber ich habe mit so vielen dieser Menschen zu tun gehabt.
Ich war nicht von Anfang an die Außenseiterin. Zu Beginn war die Freundschaft ausbalanciert und sehr, sehr eng. Aber dann kam ein riesiger Streit, und ich wurde langsam, aber sicher außen vorgelassen. Ich wurde nicht zu gemeinsamen Treffen eingeladen, ging am Gehsteig hinter den anderen, kannte Geheimnisse erst Ewigkeiten später. Aber die anderen handelten immer noch gleich.
Es ist okay, wenn Freundschaften nicht mehr passen
Das ist das Problem. Denn manchmal passen Freundschaften nicht mehr, und das ist absolut ok. Aber dann muss das anders behandelt werden. Entweder wird direkt gesagt, dass die Freundschaft beendet werden soll, oder man entfernt sich langsam. Kein schönes Gefühl, klar, aber niemand sollte gezwungen werden, zu bleiben.
Aber wenn das nicht passiert, sollte das Problem angesprochen werden. Und das habe ich getan, wieder und wieder. Aber ich wurde entweder ignoriert oder für jedes einzelne Problem verantwortlich gemacht. Und ja, ich hatte meine Probleme. Aber ich sagte ja, ich habe Fehler gemacht, ich will mich ändern, aber ihr müsst auch was tun. Aber keine Verantwortung wurde übernommen. Und nach einer langen Zeit habe ich endlich die Dynamik verstanden.
„Aus den Augen, aus dem Sinn“ oder Schönwetterfreundschaften
In der Schule, auf Geburtstagsfeiern, auf Ausflügen hatten wir den Spaß unseres Lebens. Unterhaltungen waren unheimlich lustig, Inside-Jokes ohne Ende, alles in allem wunderschön an der Oberfläche. Aber sobald es zu Klassenfahrten kam, gab es Streit. Zuviel Zeit, die zusammen verbracht wurde, wurde zum Feind.
Und das ist eine häufige Dynamik. Schönwetterfreundschaften. Wundervoll, wenn alles passt, aber sobald auch nur das kleinste Problem aufkommt, wird nicht mehr miteinander geredet. Absolut unschön.
Und dann noch „Aus den Augen, aus dem Sinn“. In der Schule ist alles ok, aber es wird so gut wie nie miteinander geschrieben, kein „Gute Besserung“ gewünscht, nicht mal miteinander zu Mittag gegessen. Und irgendwann musste ich das akzeptieren.
Viele tun es nicht aus Bösartigkeit, sondern aus Ignoranz. Sie wollen nicht akzeptieren, Fehler gemacht zu haben. Wenn man irgendwelche Probleme anspricht, werden sie nur wütend, weil sie nicht wollen, dass die Dynamik sich verändert, was meiner Erfahrung nach vor allem unterbewusst passieren. Die Missstände der Freundschaft können sich mehr oder weniger gar nicht verändern, da dies bedeuten müsste, dass die Verantwortung für Misskalkulationen übernehmen müssten und das Chaos, dass dadurch entstehen würden, aufarbeiten müssten.
Nicht genug
Deshalb fühlen wir uns oft so, als würden wir unseren Freunden nicht passen, nicht reichen. Wir würden zu wenig tun, um uns mit ihnen zu verstehen, machen zu viele Fehler. Sobald wir nicht perfekt sind, können wir sie nicht kritisieren. So kommen wir in eine Spirale, die unser Selbstwertgefühl langsam schwinden lässt und in schlimmen Fällen zu Depressionen oder ähnlichen Krankheiten führen kann.
Wir ziehen uns immer mehr zurück und verhindern so, andere Menschen kennen zu lernen. Wir werden sozusagen abhängig von unseren „Freunden“, um Freude zu spüren, und wollen ihnen alles recht machen — was uns nur noch mehr runterzieht. Ein richtiger Teufelskreis.
Echte Freunde
Aber nicht alle Menschen sind so. Viele, viele Leute wollen nur, dass es ihren Freunden gut geht, und würden Dinge wie noch jung zu sein zwar als Grund, aber nicht als Entschuldigung für Fehler verwenden.
Irgendwann findet man richtige Freunde. Die, die einem Aufgaben schicken, sobald man nicht da ist, gemeinsame Fotos machen, nicht neidisch auf Erfolge sind, einen immer miteinbeziehen. Ich habe meine gefunden, und ich könnte nicht glücklicher über sie sein.
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