Arzu verlor ihren Vater, als sie noch ein kleines Mädchen war. Um nicht allein zu sein, heiratete ihre Mutter den Onkel. Ein Mann, der das Haus führen sollte, aber es stattdessen zerstörte. Er verbrachte Nächte im Casino und verspielte alles, was eine Familie zum Leben braucht.
Möbel verschwanden, Geld verschwand und irgendwann verschwanden auch die Grenzen, die ein Mädchen hätten schützen müssen. Das Mädchen selbst war klug und gebildet, ebenso wie ihre Mutter. Doch Armut drückt schwer, und manchmal glauben Eltern, Geld würde die Zukunft retten.
Ein Mann bot Geld an und eine Verlobung. Die Mutter hoffte, diese Verlobung würde ein besseres Leben für ihre Tochter bringen.
Das Mädchen protestierte. "Ich kenne ihn nicht. Ich will das nicht‘,‘ aber niemand hörte ihr zu. Sie wurde verlobt, obwohl sie Nein gesagt hatte.
Einige Monate nach der Verlobung wurde der junge Mann verhaftet. Seine Familie erklärte, dass er früher aus dem Gefängnis käme, wenn die Hochzeit sofort stattfände, denn verheiratete Männer erhalten vor Gericht oft eine mildere Strafe.
Als Arzus Mutter von der Forderung erfuhr, ging sie zu ihrer Tochter und sagte, nächste Woche ist deine Eheschließung (Nikah). Du musst ihn heiraten.
Arzu war verzweifelt. "Wie soll ich jemanden heiraten, den ich nicht kenne? Ich habe ihn nicht einmal während der Verlobung richtig gesehen. Wenn ich jetzt heirate, ist mein Leben vorbei." Doch statt Verständnis kam noch mehr Druck. Ihr Vater und ihre Brüder sagten: ,,Du musst ihn heiraten. Er ist dein Verlobter, und die Hochzeit passiert sowieso irgendwann, es ist besser, du machst es jetzt. Es ist deine Pflicht, ihm zu helfen. Du gehörst ab jetzt zu seiner Familie. Du beschmutzt unsere Ehre."
Als ihre Mutter an diesem Tag zur Arbeit ging, blieb Arzu allein zu Hause. In diese Einsamkeit, ohne irgendeinen Ausweg zu sehen, übergoss Arzu sich mit Benzin und zündete sich an.
Kurz Zeit später kehrte ihre Mutter zurück. Sie hatte ein schlechtes Gefühl gespürt, etwas, das sie als Mutter nicht ignorieren konnte.
Ich habe all das mit meinen eigenen Augen gesehen und natürlich auch gehört. Bei der Beerdigung stand ihre Mutter unter Tränen vor der Bahre ihrer Tochter. Sie sprach zu ihr, als könnte sie sie noch hören, und sagte mit zitternder Stimme:
Ich habe gesehen, was du durchgemachen musstet. Ich dachte, ich tue das Richtige. Ich wünschte, mir wäre etwas passiert nicht dir. Ich wollte dich schützen, und ich habe es nicht geschafft.
Die letzte Nachricht über diese Familie ist traurig: die Mutter ist vor 3 Jahren gestorben, das Haus wurde verkauft, und der Vater musste mit den übrigen Kindern wegziehen.
Kommentare
Die Frauen haben dort leider offiziell die Rechte verloren, ich werde hoffentlich auch meinen Beitrag über die Situation in Afghanistan fertig schreiben.
Guter Text!