Apple oder Android? Ein kritischer Vergleich macht unsicher

Schoko oder Vanille, E-Auto oder Verbrenner, iOS oder Android: Was davon besser ist, spaltet die Gemüter, auch im Forum des STANDARD. Dabei bieten iPhones und Android-Smartphones unterschiedliche Features, die auch unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Wir stellen die beiden Konzepte gegenüber.

Apple oder Android (Foto: Say thanks to zerotake)

Eigentlich ist zu der Diskussion bereits alles gesagt, aber die zahlreichen Kommentare bei der letzten Apple-und-Android-Geschichte zeigen, dass die Leserinnen und Leser noch immer einiges zur Thematik zu sagen haben. Warum? Weil Apple und da vor allem das iPhone aufgrund seines Erfolgs stark polarisiert, und jeder eine Meinung hat.

Natürlich ist ein iPhone in der Regel teuer, aber Kunden zahlen hier ja auch für das Betriebssystem, und das bekomme sie nicht auf einem Samsung Fold 6 oder einem Honor V2. Schade, denn ich würde mir mehr Auswahl bei der Hardware wünschen und nicht nur die zwischen Low- und Highend.

Goldener Käfig mit Vorteilen

Der vielzitierte "goldene Käfig" bei iOS hat auch seine Vor- und Nachteile. Ich selbst bin in der Apple-Welt "gefangen", hatte aber nie großes Verlangen auszubrechen. Hat man Macbook, iPad und iPhone, dann harmonieren so viele Dinge und Arbeitsschritte, dass man diesen Komfort nicht missen möchte. Hinzu kommt, dass mit fast jedem iOS-Update, so auch beim kommenden, weitere Features ergänzt werden, um die Gitterstäbe noch ein wenig dicker, dafür aber glänzender zu gestalten.

Das kann mich stören, wenn ich nicht gewillt bin, Apple so viel Geld zu zahlen, oder ich freue mich einfach über die Alternative zu einem Dschungel an Android-Geräten. Vor allem deshalb, weil Konkurrenz das Geschäft belebt. Dank länger ausgelieferter Updates von Google, Samsung und Co beziehungsweise der mutigen Ausritte mit Falt- und Biegmodellen wird sich Apple nie ausruhen können.

Und ja, die Geräte sind teuer, aber ich habe mein Macbook jetzt mehr als sechs Jahre und mein iPad ebenso. Gut, beim iPhone bessere ich öfter mal nach, auch aus beruflichen Gründen, aber ein iPhone kann man auch sehr gut wiederverkaufen – im Gegensatz zu den meisten Android-Geräten.

Bedienbarkeit

Apple macht bei weitem nicht alles richtig, etwa die Greenwashing-Aktion mit "Wir liefern keine Netzteile mehr mit iPhones mit" war schon sehr frech und wurde natürlich sofort auch bei anderen Herstellern nachgemacht. Zumindest sorgen neue Regulierungen dafür, dass das Monopol in Sachen Apple Store zuletzt aufgebrochen werden musste, und so können jetzt auch andere Betreiber einen Shop am iPhone anbieten.

Und weil viele Kollegen und auch einige im Forum über die Bedienbarkeit von iOS gemäkelt haben: Es ist wirklich sehr einfach, wenn man ein iPhone mal länger als fünf Minuten benutzt hat. Nein, man braucht keinen Zurück-Button, und bald wird ja auch die Fixierung von Icons am Bildschirm aufgelockert. Aufatmen.

Ab und zu schaue ich aber trotzdem in Richtung Android, etwa bei neuen Falt-Flagships. Aber die kosten dann in der Regel ähnlich viel wie ein neues iPhone Pro Max, und dann fühl ich mich im goldenen Käfig doch irgendwie sicherer.

Aber hier nun eine zweite Meinung:

Android

Egal, wie oft ich über die Apfel-Geräte von Bekannten drüberwische, ich werde einfach nicht mit iPhones warm. Klar: Die Hardware ist spitze und die Software eigentlich auch. Dennoch sind am Apple-Buffet monoton dieselben angebissenen Äpfel aufgeschichtet, immer wieder, so weit das Auge reicht. Der Eintrittspreis ist unverschämt und die Türen öffnen sich nur nach innen. Im Vergleich dazu kommen Android-Geräte in jeder Preis- und Ausstattungsvariante daher. Jede Nische wird bedient.

Bei Android wird außerdem viel mehr experimentiert: Wer ein Faible für LED-Weihnachtsketten hat, greift zu einem Nothing Phone mit den "Glyph"-Lichtern auf der Rückseite. Klapphandy-Feeling kommt bei Samsungs Fold- und Flip-Reihe auf. Und wer nicht immer den E-Book-Reader auf Reisen mitnehmen will, greift einfach zu einem Smartphone mit E-Ink-Display.

Doch man muss nicht unbedingt auf Smartphone-Safari gehen (etwa im gleichnamigen Browser der Konkurrenz), um von flexibler Hardware zu profitieren: Wer nicht unbedingt 200 Euro Aufpreis für 200 GB mehr Speicher zahlen will, erwirbt ein Smartphone mit SD-Karten-Einschub. Den bietet Apple längst nicht mehr an, aber gleich mehrere Android-Hersteller wie Sony, Samsung oder One Plus.

Denn was Apple nicht berücksichtigt: 500 Euro aufwärts für ein Smartphone können bei weitem nicht alle ausgeben. In den Diskussionen, welches Modell das bessere, definitiv in der Realität bemerkbare Benchmark-Ergebnis liefert, wird selten das Preis-Leistungs-Verhältnis angesprochen. Es gibt schlicht kein funktionstüchtiges iPhone, das unter 200 Euro erhältlich wäre.

Nicht eingesperrt sein

Doch es geht nicht nur um die Hardware, die Android so vielseitig macht. Auch in Sachen Software hat man als Android-User bei weitem mehr Möglichkeiten als in Apples Ökosystem: Offensichtlich sind die zig alternativen Launcher, mit denen man das eigene Betriebssystem so minimal oder Drogentrip-mäßig gestalten kann, wie man möchte. "Alternativ" ist außerdem das richtige Stichwort bei der Herkunft der Apps: Was in Google Play nicht verfügbar ist, kann aus beliebiger Quelle nachgeladen werden (diese muss aber vertrauenswürdig sein, sonst landet schnell Malware am Smartphone).

Weniger offensichtlich ist die Versorgung mit Updates, die bei Android zwar unter Umständen früher endet, aber mit etwas Mühe verlängert werden kann: Wer es wagt, in die Welt des Rooten einzutauschen, kann sich Administratorrechte verschaffen und sogenannte Custom ROMs installieren. Dahinter steckt eine eifrige Community, die aktuelle Android-Versionen auf ältere Hardware zuschneidert. Damit konnte ich etwa mein Samsung Galaxy S2 bis 2017 nutzen. Möglich ist das nur, weil Android im Kern Open Source ist. Da hat Apple jedenfalls Nachholbedarf.





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