campus a college: Wann und in welcher Region warst du im Iran?
Sam: Ich war in meiner Heimatstadt Rascht, das ist die größte Stadt an der iranischen Küste des Kaspischen Meeres. Eigentlich sollten wir erst nächsten Sonntag zurück nach Österreich fliegen. Dann sind wir doch schon am Donnerstag in die Türkei geflogen, weil mein Vater meinte, im Iran ist es zu gefährlich. Soweit ich weiß, war unser Flugzeug das letzte internationale Flugzeug, das den Iran verlassen hat. Wir hatten Glück.
campus a college: Was hat sich im Iran im Vergleich zu früher verändert?
Sam: In den vergangenen 47 Jahren gab es öfter Proteste, aber dieses Mal hatte ich das Gefühl, dass es anders ist. Alle wollen wieder ein freies Land.
campus a college: Wie groß ist die Angst der Menschen, rauszugehen oder über Politik zu sprechen?
Sam: Alle auf der Strae wissen, dass ihnen Gefängnis droht oder grausame Strafen wie Blendung. Dennoch gehen die Menschen raus und protestieren. Sie sagen laut, dass sie Freiheit brauchen. Das ist das Wichtigste. Wenn ich im Iran das gesagt hätte, was wir hier reden, wäre ich wahrscheinlich ins Gefängnis gekommen.
campus a college: Wie stark ist die staatliche Präsenz in den Städten?
Sam: Polizeit und Militär sind viel unterwegs. Vor allem in Teheran oder anderen Großstädten. Doch die Protestierer sind klar in der Überzahl. Das macht den Staat ein Stück weit hilflos. Häufig warten die Sicherheitskräfte, bis jemand allein ist, und gehen dann gezielt gewalttätig vor, um der restlichen Bevölkerung Angst zu machen.
„Überall sind Leute draußen“
campus a college: Hattest du Angst?
Sam: Sicher. Am dritten Tag hat mein Vater mich angerufen und mir gesagt, dass ich aufpassen und am Abend nicht rausgehen soll. In Teheran sind ein paar Tage davor Menschen am Abend protestieren gegangen und dort kann es gefährlich werden. In Rascht war vor einer Woche noch nicht viel los, jetzt sind überall, in jedem Bundesland und in jeder Stadt, Leute draußen. Jeder protestiert für die Freiheit. Einmal sind wir nachts rausgegangen und haben ungefähr vierzig Regierungsleute gesehen. Alle hatten etwas zum Schlagen dabei. Wenn sie uns gesehen hätten, hätten sie uns wahrscheinlich angeschossen oder so. Zum Glück ist uns nichts passiert.
campus a college: Wie vergleichst du die heutigen Proteste mit den Protesten der vergangenen Jahre?
Sam: Sie sind deutlich schlimmer. In einigen Medien ist von etwa 550 Todesopfern die Rede. Die Bilder aus dem Iran und die nach außen dringenden Berichte vermitteln aber den Eindruck, dass es tatsächlich über 12.000 und möglicherweise sogar bis zu 20.000 sind.
campus a college: Wer protestiert? Junge? Alte?
Sam: Das ist auch ein Unterschied zu den Protesten früher. Jetzt ist jeder auf der Straße, egal ob jung oder alt, Frau oder Mann, arm oder reich. Alle wollen Freiheit.
campus a college: Der Staat kontrolliert die Medien und das Internet. Wissen die Menschen im Iran, was gerade passiert? Und hast du auch hier in Österreich Kontakt zu deinen Freunden dort?
Sam: Es gibt zwar seit fünf Tagen kein Internet, aber die Menschen wissen, was passiert. SMS funktioniert auch nicht, Strom und Anrufe nicht immer. Die meisten benutzen VPN, zum Beispiel für Instagram, Telegram und YouTube. Fast jeder im Iran hat einen VPN-Zugang, das bringt aber ohne Internet auch nichts. Mit meinen Freunden habe ich aktuell keinen Kontakt. Manche Menschen im Iran haben Starlink von Elon Musk und können Nachrichten rausbringen, meine Freunde aber nicht. Ich hoffe, ihnen geht es gut.
campus a college: Die Medien berichten von steigenden Lebensmittelpreisen, wie hast du das wahrgenommen?
Sam: Wir waren 13 Tage im Iran. Am Ende dieser 13 Tage war alles deutlich teurer als am Anfang. Jetzt ist es noch teurer als vor einer Woche. Menschen, die keinen guten Job haben, können sich nicht mehr viel leisten.
„Donald Trump ist im Moment unsere einzige Hoffnung“
campus a college: Donald Trump, der deutsche Kanzler Friedrich Merz und viele andere kritisieren die Machthaber im Iran.
Sam: Trump trug einmal eine Kappe mit der Aufschrift „Make Iran Great Again“. Er will unser Land wieder besser machen. Viele europäische Staaten halten sich jedoch zurück oder unternehmen wenig. Irans Nachbarländer wie die Türkei, Saudi-Arabien, Oman oder Katar reagieren kaum. Trump ist im Moment unsere einzige Hoffnung. Wir müssen ihm vertrauen, denn er ist der einzige Mensch, der die Macht hat, etwas gegen die Regierung zu tun.
campus a college: Wie geht es deiner Meinung nach weiter?
Sam: Ich hoffe, dass es besser wird. Das geht nur, wenn die Menschen weiter protestieren. Ich möchte, dass es keine Toten mehr gibt und alle wieder in einem freien Iran leben können. Niemand sollte mehr Angst haben.
campus a college: Möchtest du noch etwas erwähnen?
Sam: Iran hat eine der reichsten Geschichten der Welt hat. Zum Beispiel hat das Persische Reich die Menschenrechte schriftlich festgehalten. Iran war ein sehr reiches und freies Land. Es war egal, welche Religion jemand hatte oder ob jemand ein Kopftuch trug oder nicht. Unser Reisepass war vor fünfzig Jahren der zweitmächtigste der Welt. Seit der „falschen Revolution“ und den schlimmen Regierungen kämpfen wir immer wieder um die Freiheit.
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