Bei uns am Attersee gehört der Kampf um die Parkplätze zum Sommer wie die Hitze. Wer hier wohnt, sieht es jeden Tag: Ab dem Vormittag stehen die Autos bis in die Wohnstraßen, viele stellen ihr Auto auch dort ab, wo ein Schild es verbietet. Die Strände sind voll, die Live-Tafeln der Attersee-Bäder stehen auf Rot, oft schon am frühen Nachmittag. Und es werden jedes Jahr mehr.
Wer heute zum See will, schaut vorher am Handy nach, wie voll es ist. Die Anzeige zeigt in Echtzeit, wie viele Gäste schon im Bad sind und wie viele Parkplätze frei sind. Daneben steht ein Hinweis: „Im Sommer ist viel los. Kauf dir dein Ticket vorab.“ Am Seebad Schönauer in Schörfling kostet die Stunde 1 Euro, der Tag höchstens 6 Euro. Am Ostufer gilt seit der Sommersaison 2025 ein Nachtparkverbot.
Die Gratis-Parkplätze sind an heißen Tagen früh voll. Das liegt am Andrang – und an der begrenzten Zahl der Plätze.
Warum es voller wird
Zwei Dinge treiben den Andrang. Zuerst die Hitze. Die Sommer werden heißer, zuletzt kletterte das Thermometer auf fast 40 Grad. Wer Abkühlung sucht, fährt zum See. Dazu kommt Social Media. Ein Holzsteg, türkises Wasser, Berge im Hintergrund – fertig ist das perfekte Foto. Viele wollen dasselbe Bild und fahren deshalb an dieselben Stellen.
Am Wasser treffen dann zwei Gruppen aufeinander. Urlauber haben oft ein Hotel oder eine Ferienwohnung mit eigenem Zugang gebucht und gehen jeden Tag an denselben Steg. Tagesgäste kommen früh mit Bus oder Auto, bleiben ein paar Stunden und teilen sich die wenigen öffentlichen Badestellen. Sie sind es, die am Vormittag durch die Straßen kurven und ihr Auto abstellen, wo gerade Platz ist. Dort staut sich der Andrang, während der private Steg nebenan halb leer bleibt.
Wem das Ufer gehört
Warum es so wenige öffentliche Plätze gibt, zeigt ein Blick auf die Besitzverhältnisse. Am Wörthersee sind 82 Prozent der Fläche in privater Hand, am Attersee 76 Prozent. Diese Zahlen nannte SPÖ-Umweltsprecherin Julia Herr im Ö1-Morgenjournal. Von zehn Metern Attersee-Ufer sind damit fast acht privat. Wer bei uns am Ufer entlanggeht, sieht es an den Schildern: „Privatstrand“, dahinter Villen, Hotels und Zäune, dazwischen immer wieder ein schmaler öffentlicher Zugang.
Wie weit das gehen kann, zeigt der Mondsee. Er misst rund 14 Quadratkilometer, etwa 2.000 Fußballfelder, und gehört einer einzigen Person. Anna Mathyl übernahm den See vor rund einem Jahr von ihrer Mutter und kündigte im Sommer 2025 alle Miet- und Pachtverträge für Stege, Bojen und Hütten. Baden bleibt erlaubt, der See fällt unter den Gemeingebrauch. Doch rund um einige öffentliche Badeplätze mussten die Gemeinden erst mit der Eigentümerin verhandeln.
Der Streit ums Wasser
An diesem Punkt setzt die Politik an. Die SPÖ fordert ein Recht auf freien Seezugang in der Verfassung. Julia Herr schlägt ein Vorkaufsrecht für Länder und Gemeinden vor, ein Verkaufsverbot für öffentliche Seegründe und einen zehn Meter breiten Uferstreifen, den keine Zäune sperren dürfen. Als Vorbild nennt sie den Bodensee: Dort hält ein Landesgesetz einen zehn Meter breiten Streifen rund um das Wasser für alle frei. Auch das Regierungsprogramm sieht vor, die Seen einer breiteren Bevölkerung zu öffnen.
Widerspruch gibt es trotzdem. Freier Zugang heißt oft nur ein schmaler Pfad zum Wasser. Uferland ist teuer, und die Eigentümer verweisen auf ihr Recht am Grund.
Zwei Antworten
Auf denselben Druck reagieren die Seen unterschiedlich. Am Attersee verteilen die Gemeinden den knappen Platz über Gebühren und Verbote: bezahltes Parken, Nachtparkverbot, Live-Anzeigen zur Auslastung. Zugleich entsteht neuer öffentlicher Zugang. Auf einer rund 8.000 Quadratmeter großen Fläche, die die ÖBB gekauft haben, soll noch heuer ein Seezugang öffnen.
Kärnten geht den anderen Weg und kauft öffentliche Zugänge dazu. Eine Seeuferkommission finanziert das aus der Motorbootabgabe, mehr als 30 solcher Stellen gibt es dort bereits.
Und der nächste heiße Samstag kommt bestimmt. Dann stehen die Live-Tafeln bei uns wieder auf Rot, die Autos bis in die Wohnstraßen. Und im Jahr darauf werden es wieder mehr.
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