Altersforschung: „Wir wollen verstehen wie die Kraftwerke in unseren Zellen funktionieren.“

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Volontärin · BG / Borg Liebenau
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15.07.2026
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Corina Madreiter-Sokolowski, Professorin für Molekulares Altern an der Medizinischen Universität Graz, im campus a college Interview über Jungbleiben für Jugendliche, die Rolle von Red Bull und Vapes dabei und über das Frausein in der Wissenschaft.

"In der Jugend legen wir den Grundstein für gesundes Altern", so Corina Madreiter-Sokolowski im Interview mit campus a college (Foto: Anna-Katharina Patsch)

Sie versuchen, die Mechanismen des Alterns zu entdecken. Wie genau?

Madreiter-Sokolowski: Wir forschen an Zellen und Fadenwürmern. Dabei sollen Wirkstoffe für gesundes Altern entstehen.

Was können wir Jugendliche schon jetzt tun, um später den Zerfall unserer Zellen zu verhindern?

Madreiter-Sokolowski: In der Jugend legen wir den Grundstein für gesundes Altern. Einerseits für die kardiovaskuläre Gesundheit, also für das Herz-Kreislauf-System, ihr prägt aber auch gerade euer gesamtes System durch in der Jugend erlernte Gewohnheiten. Regelmäßiges Training und viel Bewegung in der Jugend verbessert die Gesundheitsparameter im Alter, dafür gibt es gute Studien. Zum Beispiel erhöht sich die Knochendichte.

Was würden Sie uns aus Ihrer Sicht als Forscherin also raten?

Madreiter-Sokolowski: Täglich Sport machen, am besten einen Mix aus Ausdauer- und Kraftsport. Idealerweise in einer Gruppe, das ist wichtig für die psychische Gesundheit. Dazu ausgewogene Ernährung, vorwiegend pflanzlich. Stark verarbeitete Lebensmittel, Alkohol und Tabak vermeiden, denn all das beschleunigt die Zellalterung. Und: Soziale Kontakte pflegen.

Madreiter-Sokolowski warnt vor zu wenig Schlaf: "Eine durchgemachte Nacht kann man schon am MRT sehen."Anna-Katharina Patsch


Frauen waren in der Wissenschaft lange benachteiligt.

Madreiter-Sokolowski: Es ist nach wie vor schwierig, das muss man schon sagen. Am Anfang gibt es in Biologie und Medizin mehr Studentinnen als Studenten. Mit der Zeit ändert sich das. Beim Doktorat ist das Verhältnis dann schon 50:50. Dramatisch wird es nach dem Postdoc, da gibt es verhältnismäßig nur noch wenige Frauen. In wissenschaftsrelevanten Führungspositionen sitzen auch nach wie vor eher Männer, die sich Studien zufolge wiederum eher mit Männern als mit Frauen verbünden. Ich persönlich hatte Glück mit meinen Vorgesetzten, welche mich als Frau immer gleich wie meine männlichen Kollegen behandelt haben.

Die Jugend denkt viel über Work-Life-Balance nach, besonders bei der Jobsuche. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Madreiter-Sokolowski: Wir ForscherInnen haben mehr oder weniger Gleitzeit. Ich kann mein kleines Kind betreuen und am Abend die Papers schreiben. Aber man kann als Wissenschaftler oder Wissenschaftlerin nicht aufhören zu denken und nimmt alles aus dem Labor überall mit hin. Vor allem ist es kein Job, in dem man erfolgreich sein kann, wenn man nur ein paar Stunden am Tag arbeitet.

Forscherin und Mutter, geht das überhaupt?

Madreiter-Sokolowski: Klar – aber es braucht Unterstützung bei der Betreuung und auch frühzeitig in der Karriereplanung. Unsere Dienstverträge sind als Postdocs meist auf drei bis vier Jahre begrenzt. Eine Unsicherheit in der Lebensplanung, die besonders für Mütter oftmals nicht tragbar ist. Hier müssen also Perspektiven geschaffen werden, wenn wir angehende Gruppenleiterinnen im System halten wollen. Außerdem dürfen Frauen aus arbeitssicherheitstechnischen Gründen während der Schwangerschaft einige Sachen im Labor gar nicht machen. Hier braucht es also zusätzliche Arbeitskräfte, welche vorübergehend diese Tätigkeiten im Labor übernehmen. Gute Arbeitgeber erkennen das Potenzial frühzeitig und stellen hier, wie in meinem Fall, eine labortechnische Assistenz zur Seite.

Auf Social Media kursieren viele Anti-Aging-Trends wie „Don't Die" des Milliardärs Brian Johnson. Er rät zu Plasmatransfusionen und mehr als hundert Pillen am Tag.

Madreiter-Sokolowski: Oft fehlen hier die klinischen Studien. Bei Nahrungsergänzungsmitteln gibt es nicht mal eine Vorschrift, dass sie eine Wirkung haben müssen.

Was können wir uns von der Altersforschung noch erwarten?

Madreiter-Sokolowski: Wir möchten in den nächsten Jahrzehnten Wirkstoffe identifizieren, welche uns länger gesund halten. Konkret wollen wir in meinem Labor verstehen, wie wir unsere Mitochondrien (die kleinen Kraftwerke in unseren Zellen, Anmerkung der Redaktion) so finetunen, dass sie uns länger gesund halten. Für Personen, die tendenziell vielleicht früher sterben würden, weil sie genetisch vorbelastet sind, suchen wir ganz speziell nach Interventionen oder Wirkstoffen, die sie länger gesund halten.

Wie wirken sich Schlaf und Schlafmangel auf die Alterung aus?

Madreiter-Sokolowski: Die empfohlene Schlafmenge liegt etwa bei 7 bis 9 Stunden. Die Folgen eines Mangels sind gravierend. Eine durchgemachte Nacht kann man schon am MRT sehen. (MRT steht für Magnetresonanztomografie und ist ein bildgebendes Untersuchungsverfahren, das mithilfe von Magnetfeldern und Radiowellen detaillierte Aufnahmen des Körperinneren erstellt. Anmerkung der Redaktion) Glücklicherweise sind sie aber reversibel. Auch Stress ist ein Faktor beim Altern, aber da kommt es ganz auf das Individuum an. Stress wirkt auf uns alle anders.

Jugendliche konsumieren einiges an Tabak. Gibt es dann einen Unterschied, ob es eine klassische Zigarette oder eine Vape ist?

Madreiter-Sokolowski: Das ist eine viel diskutierte Sache. Tendenziell denke ich, dass Vapes etwas besser sind, auf der anderen Seite kennt man noch keine Langzeitfolgen der Stoffe. Als Altersforscherin ist es immer schade, Leute rauchen oder sich schlecht ernähren zu sehen. Das verringert die Lebensspanne so sehr. Rauchen kostet 10 Lebensjahre im Schnitt.

Energydrinks sind bei unserer Jugend sehr beliebt. Wie wirken sie sich auf unseren Körper aus?

Madreiter-Sokolowski: In Energydrinks ist erst mal viel Zucker, durch den sich weißes Fett bilden kann. Dieses Fett beschleunigt Entzündungsprozesse, die viel mit Alterung zu tun haben. Zucker-Ersatzstoffe sind nicht immer besser, da wir noch immer nicht alle Langzeitfolgen kennen. Auch zugesetzte vermeintlich gute Vitamine machen die Sache nicht besser. Ein Überschuss an manchen Vitaminen kann sogar das Krebsrisiko erhöhen.

Wenn Sie uns Jugendlichen einen Tipp für unsere Gesundheit geben können, welcher wäre es?

Madreiter-Sokolowski: Am wichtigsten ist wohl Bildung. Da geht es nicht darum, wie viele Titel wir sammeln oder wie viel Geld wir verdienen, sondern um Interesse und Neugier. Damit ist oft eine gute Gesundheitskompetenz verbunden und diese kann uns ganz viele Lebensjahre bringen.






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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Medizinische Universität Graz.

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