Eigentlich war der Plan ganz normal. Wir wollten zu Rossmann, ein paar Kosmetik- und andere Drogerieartikel einkaufen. Nichts Besonderes. Einfach durch den Laden gehen, das holen, was wir brauchen, und wieder nach Hause.
Doch kaum waren wir im Laden, hatte sich unser Plan plötzlich verändert. „Wir müssen unbedingt Squishies suchen!“ Und auf einmal war das unsere wichtigste Mission. Noch bevor wir überhaupt richtig überlegt hatten, welche Sachen wir eigentlich kaufen wollten, liefen wir durch den Laden und hielten nach Squishies Ausschau. Jeder war sofort begeistert. Plötzlich ging es nur noch darum, ob wir welche finden würden und welche am besten aussahen.
Wir waren alle komplett obsessed. Doch irgendwann kam mir eine Frage: Wären wir eigentlich genauso begeistert von Squishies, wenn sie gerade nicht wieder im Trend wären?
Würden wir sie wirklich so unbedingt haben wollen? Oder fanden wir sie genau deshalb plötzlich so interessant, weil sie wieder überall auftauchen? Vielleicht liegt genau darin die Macht von Trends.
Nichts verschwindet wirklich
Vielleicht ist das die merkwürdigste Eigenschaft von Trends: Sie verschwinden oft nicht wirklich.
Sie machen Pause. Das gilt für Kleidung genauso wie für Musik, Spielzeug oder bestimmte Lebensstile. Dinge, die vor einigen Jahren überall waren, verschwinden irgendwann aus den Geschäften und aus unseren Feeds. Neue Trends übernehmen ihren Platz.
Und dann passiert etwas. Plötzlich taucht das Alte wieder auf. Bei Kleidung sieht man das besonders deutlich. Mode, die lange als veraltet galt, wird wieder getragen. Auch die Jahre zwischen 2016 und 2020 erleben gerade ein Comeback: Bestimmte Styles, Accessoires und die allgemeine Ästhetik dieser Zeit tauchen wieder auf. Beobachter sprechen inzwischen sogar von einer neuen Nostalgie für diese Jahre.
Aber warum passiert das?
Forscher haben das Muster untersucht
Die Vorstellung, dass Mode immer wieder zurückkommt, ist nicht nur ein Spruch von Eltern, die sagen: „Das habe ich früher auch schon getragen.“
Forschende der Northwestern University haben sich mit genau dieser Frage beschäftigt. Sie analysierten rund 37.000 historische Modeabbildungen und untersuchten mathematisch, wie sich bestimmte Stilmerkmale über lange Zeit verändern.
Das Ergebnis: Modetrends können tatsächlich zyklisch verlaufen. Bestimmte Stile werden populär, verschwinden wieder und tauchen später erneut auf. In der Mode wird häufig von einem ungefähren 20-Jahres-Zyklus gesprochen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass man einfach 20 Jahre warten muss und plötzlich wieder alle dasselbe tragen.
Trends sind komplizierter.
Denn ein Trend muss auffallen, aber offenbar auch nicht zu fremd wirken. Genau dieses Zusammenspiel aus Anderssein und Dazugehören kann erklären, warum bestimmte Ideen erfolgreich werden.
Heute geht vielleicht alles schneller
Und genau hier kommen wir ins Jahr 2026.
Denn wenn man sich umschaut, hat man nicht unbedingt das Gefühl, dass wir gerade nur Trends aus der Zeit vor 20 Jahren zurückbekommen.
Wir sehen auch Dinge wieder, die gerade einmal ungefähr zehn Jahre zurückliegen.
Ein Modeexperte sagte gegenüber dem Magazin GQ über aktuelle Entwicklungen: Was früher eine Nostalgieschleife von etwa 20 Jahren gewesen sei, könne sich heute eher wie eine von zehn Jahren anfühlen. Gerade Trends aus dem Jahr 2016 seien wieder stärker sichtbar.
Das könnte auch mit sozialen Medien zusammenhängen.
Früher musste ein Trend vielleicht langsam durch Zeitschriften, Geschäfte und das Fernsehen wandern. Heute reicht manchmal ein Video.
Jemand postet einen alten Look.
Andere erinnern sich daran.
Wieder andere entdecken ihn zum ersten Mal.
Und plötzlich ist etwas wieder da.
Das Gefühl ist manchmal wichtiger als das Produkt
Doch warum freut man sich eigentlich so sehr über etwas, das es früher schon gab?
Die Antwort könnte Nostalgie sein. Die Psychologin Krystine Batcho beschäftigt sich wissenschaftlich mit Nostalgie. Sie untersucht, warum Menschen sich nach vergangenen Zeiten sehnen und welche psychologische Bedeutung Erinnerungen haben können.
Auch andere Forschungen beschäftigen sich mit der Wirkung von Retro-Produkten. Sie zeigen, dass Dinge aus der Vergangenheit oder Produkte, die an vergangene Zeiten erinnern, eine Verbindung zwischen früher und heute herstellen können. Vielleicht war unser Squishy also nie nur ein Squishy. Vielleicht war es auch eine Erinnerung. Ein Gefühl. Ein kleines Stück Vergangenheit, das plötzlich wieder im Regal lag.
„Das gab es doch schon!“ – Genau deshalb ist es interessant
Das Spannende an einem Comeback ist: Nicht alle erleben es gleich. Für manche ist ein Trend eine Erinnerung. Sie sehen etwas und denken: „Oh mein Gott, das hatte ich früher!“ Für andere ist derselbe Trend komplett neu.
Sie sehen einen Squishy, einen bestimmten Kleidungsstil oder ein altes Accessoire zum ersten Mal bewusst und denken: „Oh mein Gott, das ist ja cool!“ Eine Trendwelle kann deshalb zwei verschiedene Generationen gleichzeitig begeistern. Die einen erinnern sich. Die anderen entdecken. Und genau dazwischen entsteht ein neuer Trend.
Die Soziologin Monika Kritzmöller erklärt dazu, dass ein alter Trend bei seinem Comeback nicht einfach identisch zurückkehrt. Die Gesellschaft verändert sich – und deshalb verändert sich auch die Bedeutung eines Trends. Ein alter Stil wird neu interpretiert und bekommt einen Platz in der Gegenwart.
Auch ein Lifestyle kann ein Comeback erleben
Dasselbe lässt sich nicht nur bei Klamotten oder Spielzeug beobachten. Auch bestimmte Lebensstile werden immer wieder neu entdeckt.
Gesunde Ernährung, Sport und Bewegung sind natürlich nichts Neues. Trotzdem gibt es Zeiten, in denen diese Themen besonders stark im Mittelpunkt stehen. Dann geht es überall um Routinen, Ernährung, Bewegung und darum, bewusster zu leben.
Eine Zeit lang wird weniger darüber gesprochen. Dann kommt das Thema wieder zurück – mit neuen Begriffen, neuen Videos und neuen Trends.
Vielleicht ist das der Unterschied zwischen etwas, das wirklich verschwindet, und etwas, das nur seine Form verändert. Denn manchmal kehrt nicht der Trend selbst zurück, sondern das Bedürfnis dahinter.
Die eigentliche Frage ist: Wollen wir das wirklich?
Und jetzt komme ich wieder zurück zu unserem Rossmann-Besuch. Wir waren wirklich begeistert von den Squishies. Aber ich frage mich immer noch: Hätten wir sie auch gesucht, wenn sie gerade nicht wieder überall auftauchen würden? Vielleicht hätten wir sie gesehen und wären einfach weitergegangen. Vielleicht hätte niemand gesagt: „Wir brauchen unbedingt einen!“
Oder vielleicht hätten wir sie trotzdem gekauft. Und genau das ist wahrscheinlich das Faszinierende an Trends. Sie können uns etwas zeigen, von dem wir gar nicht wussten, dass wir es vermisst haben. Sie können aus einem alten Gegenstand etwas Neues machen.
Und manchmal merken wir erst dann, wie stark uns ein Trend beeinflusst, wenn wir eigentlich nur ein paar Drogerieartikel kaufen wollten – und plötzlich eine Gruppe Jugendlicher durch Rossmann läuft, weil ausgerechnet Squishies wieder die wichtigste Sache der Welt sind.
Vielleicht kommt also wirklich alles wieder. Die Frage ist nur: Was suchen wir beim nächsten Mal?
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