Als wäre nichts passiert

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Volontärin · GRG10 Laaerberg Gymnasium
23.09.2026
3 Min.

Manchmal erlebt man eine Situation, die eigentlich nur ein paar Minuten dauert, aber noch lange im Kopf bleibt. Heute war es ein betrunkener Mann in der Straßenbahn. Eigentlich hätte ich ihn nach ein paar Minuten wieder vergessen können. Stattdessen habe ich mich danach gefragt, warum mich sein Verhalten so beschäftigt hat – und warum die anderen Menschen um mich herum scheinbar ganz anders darauf reagiert haben.

Alkohol verändert die Wahrnehmung. (Foto: Unsplash: thom masat )

Als ich an diesem Tag aus der Schule kam, hatte ich früher aus, weil eine Konferenz war. Ich wollte einfach nur nach Hause fahren. Bei der Schrankenberggasse stieg ich in die Straßenbahn 6 ein und setzte mich hin.

Schon vorher war mir ein Mann aufgefallen. Er stand bei einer Ampel und pinkelte neben einen Ampelmasten. Das fand ich komisch. Kurz danach sah ich ihn noch mit einem Schüler reden, dann ging er weg.

Als ich in der Straßenbahn saß, war zuerst alles normal. Viele Schülerinnen und Schüler unterhielten sich oder schauten auf ihr Handy.

Nach einer Weile stieg plötzlich derselbe Mann ein. Wahrscheinlich war er ca. 40 Jahre alt. Er hatte eine orange Jacke an und es sah bisschen wie eine Sicherheitsjacke. Außerdem sah er sehr ungepflegt aus. Er stellte sich ganz nach vorne bei die Tür.

Zuerst achtete ich nicht auf ihn. Aber dann begann er laut zu reden und andere Menschen zu beschimpfen. Außerdem roch er stark nach Alkohol.

Veränderte Stimmung

Die Stimmung in der Straßenbahn veränderte sich sofort. Einige Leute wurden still. Manche gingen weiter nach hinten oder wechselten ihren Platz. Niemand wollte mit dem Mann reden.

Auch ich sagte nichts. Ich wollte nicht, dass er mich anspricht. Ehrlich gesagt fühlte ich mich etwas unwohl.

Es war komisch, dass so viele Menschen in der Straßenbahn waren, aber niemand etwas sagte. Alle taten so, als wäre nichts passiert.

Nach einiger Zeit wurde mir die Situation zu unangenehm. Deshalb stieg ich schon bei der Absberggasse aus und fuhr mit der Straßenbahn 11 weiter.

Ein Moment bleibt in Erinnerung

Dort war es viel ruhiger. Auf dem Heimweg dachte ich noch länger über das Erlebnis nach. Vor allem fand ich interessant, wie die anderen Menschen reagiert hatten. Obwohl der Mann laut war und andere beschimpfte, ignorierten ihn fast alle.

Ich fragte mich auch, warum eigentlich niemand etwas gesagt hatte – auch ich nicht. Vielleicht waren die Leute müde oder wollten einfach keinen Streit anfangen. Andere hatten vielleicht ihre Kinder in den Kindergarten gebracht, waren gerade vom Einkaufen gekommen oder mussten schwere Sachen tragen. Manche ältere Menschen wollten vielleicht einfach ihre Ruhe haben. Wahrscheinlich hatte niemand Lust auf einen Streit, vor allem weil der Mann betrunken war und sich deshalb vielleicht nicht richtig verhalten konnte.

Die Situation war zwar unangenehm, aber sie dauerte nicht sehr lange. Vielleicht wollten die meisten Menschen einfach keinen Streit anfangen. Der Mann war betrunken, und niemand wusste, wie er reagieren würde. Deshalb haben viele wahrscheinlich lieber Abstand gehalten und gewartet, bis er wieder aussteigt.

Nichts wie weg

Ich selbst habe es genauso gemacht. Ich wollte einfach so schnell wie möglich nach Hause und meine Ruhe haben. Ich wollte keinen Streit anfangen und wusste auch nicht genau, was ich machen sollte. Später habe ich gemerkt, dass es nicht so einfach ist, in so einer Situation etwas zu sagen. Vielleicht ging es den anderen genauso. Jeder hatte vielleicht einen eigenen Grund, warum er nichts gesagt hat.


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