„Du wirst es nicht schaffen, such dir lieber was anderes aus“, war einer der ersten Sätze, die ich zu hören bekam, als ich mein Ziel äußerte, als Mädchen eine HTL zu besuchen. Im Gegensatz zu den anderen Jugendlichen unterstützten mich meine Lehrer*innen mit 14 Jahren nicht. Auch manche Klassenkameraden machten sich ständig über meine Entscheidung lustig. Obwohl diese Späße wahrscheinlich nicht ernst gemeint waren, störten sie mich. In dieser Zeit unterstützten mich meine Eltern und mein Umfeld sehr, damit ich die Meinungen von anderen nicht ernst nehmen würde. Trotz negativer Kommentare verfolgte ich weiter mein Ziel.
Am ersten Schultag, als ich in die Klasse kam, trat eine kurze Stille ein oder vielleicht kam es nur mir so vor. Nachdem ich einen Platz ganz vorne gewählt hatte, klebten meine Augen nur noch an der Tür. Jedes Mal, wenn ein neuer Klassenkamerad eintrat, schwanden meine Hoffnungen. Dann kam der Lehrer und las alle Namen der Schüler und Schülerinnen vor, die in dieser Klasse sein sollten. Außer mir stand kein einziges Mädchen auf der Liste.
Nach ein paar Tagen in der neuen Schule bemerkte ich, die HTL war nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mit meinen Klassenkameraden konnte ich keine enge Verbindung aufbauen. Den Jungs erschien es wohl seltsam, mit dem einzigen Mädchen in der Klasse zu reden. Auch mit Mädchen aus anderen Klassen hatte ich anfangs keinen Kontakt. Jeder wollte sich zuerst in der eigenen Klasse zurechtfinden. Trotzdem wollte ich nicht aufgeben, denn maturieren war mein Traum.
Keine Freund*innen zu haben und mich gleichzeitig in einer neuen Schule zurechtfinden zu müssen, war eine große Belastung. Von den Unterrichtsfächern bis zum Stundenplan gab es große Unterschiede zur Mittelschule. Am Anfang fühlte sich alles zu viel an und als würde sich nichts verändern. Mein einziges Ziel bestand darin, die Schule zu schaffen. Trotz negativer Noten, allein verbrachter Pausen und fehlender Unterstützung gab ich nicht auf.
Mit der Zeit änderte sich alles. Eine technische Schule ist anspruchsvoll, aber nicht unmöglich. Trotz hoher Anforderungen und Schwierigkeiten blieb ich dran. Heute spreche ich Unklarheiten und Probleme an. Durch viel Mühe hörte ich von mehreren Lehrer*innen Sätze wie „Ich bin sehr stolz auf dich“ oder „Ich höre nur Positives über Sie von Lehrern und Lehrerinnen“. Heute beschreibt mich mein Klassenvorstand als engagiert, pflichtbewusst und mutig. Mutig, weil ich mich traute, als einziges Mädchen in einer Klasse, voll mit Jungs, zu bleiben und an mich glaubte. Auch andere Mädchen sprechen mich an.
Die Zeit, die ich an der HTL verbringe, ist wertvoll. Meine Lehrer*innen geben mir viel Unterstützung. Angelika Lindner, meine Deutschlehrerin, startete sogar einen Workshop mit dem Namen „girls@htlsteyr“. Dort können sich Mädchen vernetzen und gegenseitig stärken. Niemand soll sich allein fühlen oder erleben, was ich am Anfang erlebt habe. Zu Schulbeginn habe ich sogar die Pausen gehasst, denn allein in der Aula zu sitzen und mit dem Handy zu spielen, während ich das Lachen von Freundesgruppen hörte, hat nie Freude gemacht. Heute ist es anders. Jetzt bin ich eine von denen, die mit ihren Freundinnen in der Pause Spaß haben.
Inzwischen besuche ich die dritte Klasse der HTL und bin stolz auf mich. Mit meiner Erfahrung will ich zeigen, alle können machen, was sie möchten, wenn sie an ihren Zielen festhalten. Wenn Mädchen Angst vor einem technischen Beruf haben, will ich ihnen Mut machen. Entscheidend ist nicht die Meinung anderer, sondern der eigene Weg. Das Wichtigste ist, an sich selbst zu glauben, und wenn du denkst, du wirst deine Ziele nicht erreichen können, dann lies meine Geschichte noch einmal durch. Bist du wirklich bereit, deinen Traum einfach aufzugeben?
Kommentare
Dein Text hat mich voll motiviert danke das du das geteilt hast, das hat mir echt geholfen!!!