Vielleicht habt ihr schon davon gehört: Die Freiheitlichen haben aus ihren Abschiebefantasien unter einem „Volkskanzler Kickl“ einen Sommerhit mit eingängigem Refrain und einer fröhlichen Popmelodie gemacht. Am vergangenen Sonntag, dem 14. Juni 2026, veröffentlichte das Parteimedium FPÖ TV auf seinem YouTube-Kanal das offizielle Musikvideo zum KI-Song Airbert One - Der Remigrationssong. Ist es doch nur ein harmloser Sommerhit? Oder steckt mehr dahinter? Und wie gefährlich ist die Verharmlosung rechtsextremer Ideologien durch eingängige Musik?
Nicht das erste FPÖ-Parteiprogramm zum Mitträllern
Der Song ist aber nicht das erste musikalische Experiment der Freiheitlichen, das erschreckend gut gelungen ist. Vielleicht erinnert ihr euch noch: Bereits Anfang des Jahres stürmte die FPÖ-Hausband John Otti Band mit dem Titel Immer vorwärts FPÖ eine Woche lang die offiziellen Ö3 Austria Top 40. Die Parteihymne wurde sogar als eine auf 45 Sekunden gekürzte Version von Ö3 gespielt.
Doch nur ein harmloser Sommerhit?
In dem KI-generierten Video steigen Frauen dunklerer Hautfarbe mit Kopftüchern in einen blauen Jet mit der Aufschrift Airbert One. Beim Abflug sehen wir, wie blonde Kinder und Frauen mit perfektem Körperbau hinterherwinken. Auch ganze Familien- vom Opa bis zum Enkel- strahlen und winken. Natürlich entsprechen auch sie dem FPÖ-Idealbild einer „deutsch-österreichischen Ethnie“.
Zwischendurch sehen wir Bilder wie aus der Österreich-Werbung: Wachau, Kufstein und Hallstatt sind nur drei von zahlreichen Urlaubsdestinationen. Musikalisch wird das Ganze nicht nur von einer eingängigen Popmelodie, sondern auch von einer KI-generierten Männerstimme umrahmt.
„Zu den Kriminellen sagen wir Bye, Bye. Airbert One hebt ab, die Problemfälle sind dabei. Der Flieger hebt ab – leicht und frei“, sind nur einige der mehr als hinterfragenswürdigen Textzeilen. Und dann, um die KI-Propaganda als „harmlosen“ Sommerhit zu tarnen für alle zum Mitgröhlen: „Remigration. Lalala. Österreich ist frei. Alles gut.“
Warum das Ganze definitiv mehr als nur ein Sommerhit ist
Durch die Weitergabe rechtsextremer Propaganda über Songs wird vor allem das emotionale Gehirn angesprochen. Denn es springt sofort, wie bei euren Lieblingssongs, auf die eingängige Melodie an. Die Popmusik senkt Hemmschwellen. Und das Nachdenken schaltet erstmal ab. Weil Unterhaltung bewusst als politisches Werkzeug genutzt wird, fällt es uns nicht einmal auf, in welchen politischen Milieus wir gerade unterwegs sind.
Bei der FPÖ wird generell stark auf Emotionalisierung gesetzt. Doch in diesem Fall erschreckend intensiv. Denn rechtsextreme Ideologien werden als cool, witzig, modern und harmlos dargestellt. Besonders deutlich zeigt sich das am zentralen Begriff des Songs: „Remigration“.
Der Begriff „Remigration“ – wirklich ein wissenschaftlicher Fachbegriff?
Die Freiheitlichen verwenden ja bekannterweise den laut ihnen wissenschaftlichen Fachbegriff „Remigration“ in ihren Parlamentsreden, Wahlprogrammen etc. Und ja, eines vorweg: Ausnahmsweise haben sie recht. „Remigration“ ist tatsächlich ein Fachbegriff. Ursprünglich kommt er aus der Migrationsforschung und bezeichnet den Teil eines Migrationsprozesses, bei dem Menschen nach einer beträchtlichen Zeitspanne in einem anderen Land oder einer anderen Region in ihr Herkunftsland oder ihre Herkunftsregion zurückkehren.
Doch die FPÖ verwendet ihn nicht im wissenschaftlichen Sinn. Sondern hat ihn zu ihrem Vorteil umdefiniert. Der Kampfbegriff „Remigration“, der vor allem von rechten Parteien wie der FPÖ oder AfD verwendet wird, bezeichnet laut dem Londoner Institute for Strategic Dialogue eine „Zwangsabschiebung von Minderheiten“. Diese sei als „weiche Form der ethnischen Säuberung“ einzuordnen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die FPÖ versucht, die Forderungen nach einer starken Hand und Massendeportationen zu normalisieren. Dazu greift sie auch zu Unterhaltungsmitteln, damit ihre Propaganda unter dem Volk bekannt wird. Und, so ehrlich muss ich sein: Selbst während ich diese Kolumne geschrieben habe, hat sich mir der rechtsextreme Refrain eingeprägt.
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