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Achtung! Auf TikTok locken Nebenjobs: 10 Euro verdienen, 4.000 Euro verlieren

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
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30.08.2026
4 Min.

Auf TikTok werben Kriminelle mit angeblichen Nebenjobs für zu Hause. Kleine Auszahlungen und einfache Aufgaben schaffen Vertrauen, danach fordern die Täter immer höhere Einzahlungen. In Österreich verursachte diese Masche 2025 laut Bundeskriminalamt rund 6,5 Millionen Euro Schaden.

Falsche Nebenjobangebote können beim Scrollen auftauchen. Kleine Auszahlungen sollen Vertrauen schaffen, bevor die Täter mehr Geld verlangen. (Foto: chen pincheng/Pexels)

Ich sitze zu Hause auf der Couch und scrolle durch TikTok. Zwischen den Videos erscheint Werbung für einen Nebenjob von zu Hause aus. Produkte würden zugeschickt, Vorkenntnisse brauche man keine, das Gehalt sei hoch. Das kann nicht stimmen, denke ich. Wenn ich online nach einem Nebenjob suche, nutze ich etablierte Jobportale wie StepStone und überprüfe das Unternehmen. Eine TikTok-Anzeige mit viel Geld für wenig Arbeit wirkt auf mich unglaubwürdig.

Die erste Auszahlung kauft Vertrauen

Meine Anzeige ähnelt einer Betrugsmasche, vor der das österreichische Bundeskriminalamt seit Juli 2026 verstärkt warnt. Kriminelle werben auf TikTok, Instagram oder Facebook mit angeblicher Heimarbeit. Interessierte sollen Kugelschreiber zusammenbauen, Perlen sortieren, Produkte bewerten oder Beiträge liken.

Die Watchlist Internet untersuchte im Juni mehrere solcher Angebote. Angebliche Firmen versprachen, Material nach Hause zu schicken und die fertigen Produkte wieder abzuholen. Nach der Anmeldung änderten sich die Aufgaben. Aus Handarbeit wurden Produktbewertungen, Likes und Testkäufe. Für neue Aufträge sollten die vermeintlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter plötzlich eigenes Geld einzahlen.

Anfangs können sogar kleine Beträge auf dem Konto landen. Als ich darüber nachdenke, entdecke ich auch bei mir eine Schwachstelle: Würde mir der angebliche Arbeitgeber nach der ersten Aufgabe zehn Euro überweisen, fände ich das Angebot glaubwürdiger. Mit dieser ersten Überweisung kaufen sich die Täter Vertrauen.

Danach wechseln viele Gespräche zu WhatsApp oder Telegram. Dort kommen Betroffene in Gruppen mit angeblichen Betreuern und weiteren Beschäftigten. Spätestens bei Telegram würde ich misstrauisch werden. Ich verbinde die Plattform bereits mit verdächtiger Wettwerbung. In den Betrugsgruppen entsteht jedoch der Eindruck einer aktiven Firma, in der alle dieselben Aufgaben erledigen und Geld verdienen.

Fünf Euro werden zu 4.000

Wie wirksam dieser Aufbau sein kann, zeigt ein Fall der Arbeiterkammer Tirol vom Juni 2026. Eine junge Tirolerin fand auf TikTok einen angeblichen Nebenjob. Sie sollte Videos ansehen und bewerten. Ihre erste Einzahlung auf ein ausländisches Konto betrug fünf Euro.

Danach verlangten die Täter weitere Überweisungen. Als sie bereits rund 200 Euro eingezahlt hatte, wollte sie aufhören und ihr Geld zurück. Angebliche Mitglieder der Arbeitsgruppe setzten sie unter Druck. Ohne weitere Zahlung würden auch sie ihr Geld verlieren, behaupteten die Personen im Chat.

Die junge Frau überzog schließlich ihr Gehaltskonto und lieh sich Geld von Freunden und Bekannten. Innerhalb eines Tages verlor sie laut AK Tirol rund 4.000 Euro. Während ihres Beratungsgesprächs bei der Arbeiterkammer trafen weitere Zahlungsaufforderungen auf ihrem Handy ein.

Auch zwei Frauen aus Kärnten erhielten bei ähnlichen Online-Jobs anfangs kleine Beträge. Später sollten sie Geld überweisen, um besser bezahlte Aufgaben freizuschalten. Eine Frau verlor durch Überweisungen und Kryptowährungen mehrere Tausend Euro, die andere mehrere Hundert, berichtete der ORF im Juni.

Millionenverlust durch falsche Jobs

Das Bundeskriminalamt beziffert den österreichweiten Schaden durch diese Form des Betrugs für 2025 mit rund 6,5 Millionen Euro. Mitte Juli lag der bekannte Schaden für 2026 bereits im niedrigen einstelligen Millionenbereich.

Hinter dieser Summe stehen Ersparnisse, überzogene Konten und geliehenes Geld. Die Täter behaupten häufig, ein Fehler habe das virtuelle Guthaben gesperrt. Eine weitere Zahlung oder ein sogenannter „Reparaturauftrag“ soll es wieder freischalten. So wächst der Druck mit jedem bereits überwiesenen Euro.

Mich schockiert vor allem diese gezielte Manipulation. Ich glaube, viele junge Betroffene würden aus Scham lange schweigen. Wir schämen uns manchmal schon für kleine Fehler. Bei verlorenen Tausenden Euro wird ein Gespräch mit Eltern oder Freunden noch schwerer. Dieses Schweigen verschafft den Tätern weitere Zeit.

Warum solche Werbung online bleibt

TikTok verbietet laut seinen eigenen Werberichtlinien falsche Jobangebote und Werbung für Betrugsmaschen. Trotzdem landen entsprechende Clips zwischen gewöhnlichen Videos. Auch ich bekam einen solchen Inhalt auf die Couch geliefert, ohne danach gesucht zu haben.

Die Arbeiterkammer und der europäische Verbraucherverband BEUC meldeten zwischen Dezember 2025 und März 2026 knapp 900 problematische Finanzanzeigen auf Meta, TikTok und Google. Laut AK entfernten die Plattformen nur 27 Prozent davon. Bei dieser Untersuchung ging es um betrügerische Finanzwerbung allgemein. Fake-Jobs bildeten keine eigene Kategorie. Die Ergebnisse zeigen jedoch, wie lückenhaft das Löschen verdächtiger Anzeigen funktionieren kann.

Ein echter Arbeitgeber verlangt kein Geld

Hohe Bezahlung ohne Erfahrung, fehlende Unternehmensdaten, Zeitdruck und der Wechsel zu Telegram bilden eine gefährliche Kombination. Weitere Warnzeichen sind Vorauszahlungen, Kryptowährungen, Ausweiskopien oder die Aufforderung, Geld auf fremde Konten zu überweisen.

Auch auf bekannten Jobportalen können betrügerische Inserate auftauchen. Vor einer Bewerbung lohnt sich deshalb ein Blick auf die offizielle Website, das Impressum und die dort veröffentlichten Stellen. Die Arbeiterkammer formuliert die wichtigste Regel klar: „Ein seriöser Jobanbieter wird nie eine Vorauszahlung verlangen.“

Wer bereits Geld überwiesen hat, sollte den Kontakt abbrechen und sofort die Bank oder den verwendeten Zahlungsdienst informieren. Chatverläufe, Telefonnummern, Kontodaten, Wallet-Adressen und Zahlungsbelege können später als Beweise dienen. Das Bundeskriminalamt rät außerdem zu einer Anzeige bei der Polizei.

Meine erste Frage an eine betroffene Person wäre gewesen: „Warum hast du daran geglaubt?“ Nach den Fällen aus Tirol und Kärnten klingt eine andere Frage fairer: „Wie haben die Täter dein Vertrauen aufgebaut?“

Die Anzeige auf meiner Couch dauerte nur wenige Sekunden. Eine echte Zehn-Euro-Auszahlung hätte mein Misstrauen bereits verkleinert. Auf diesen Moment arbeiten die Täter hin.


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