Ein Gericht im US-Bundesstaat New Mexico hat Meta zu weitreichenden Änderungen bei Instagram und Facebook verpflichtet. Minderjährige sollen die Plattformen höchstens 90 Stunden pro Monat nutzen können. Das Urteil vom 6. August gilt zunächst nur in New Mexico. Meta hat angekündigt, Berufung einzulegen.
90 Stunden und strengere Regeln
Richter Bryan Biedscheid ordnete neben dem Zeitlimit weitere Schutzmaßnahmen an. Like-Zahlen sollen bei Accounts Minderjähriger standardmäßig verborgen werden. Kontakte zwischen Erwachsenen und jungen Nutzerinnen und Nutzern sollen stärker eingeschränkt werden, wenn zuvor keine Verbindung zwischen den Accounts bestand. Auch Benachrichtigungen während der Nacht und zu Schulzeiten sollen begrenzt werden.
Zusätzlich muss Meta seine Alterskontrollen verbessern. Auch die eigenen KI-Chatbots sind betroffen. Sie sollen mit Minderjährigen keine sexualisierten oder romantischen Gespräche führen. Potenziell nackte Bilder sollen für junge Nutzerinnen und Nutzer automatisch unkenntlich gemacht werden.
90 Stunden im Monat: das klingt erst einmal nach einer klaren Grenze. Aber wäre so ein Limit auch bei uns sinnvoll? Oder wäre es zu stark in den Alltag von Jugendlichen eingegriffen? Die Frage ist nicht ganz einfach: Social Media gehört für viele junge Menschen selbstverständlich zum Leben dazu, gleichzeitig verbringen manche damit sehr viel Zeit.
567 Millionen Dollar für Jugendhilfe
Das Gericht ordnete außerdem eine Zahlung von 567 Millionen Dollar an. Davon sollen 420 Millionen Dollar in Behandlungsangebote für junge Menschen fließen. Der übrige Betrag ist unter anderem für Prävention, Aufklärung und weitere Hilfsangebote vorgesehen.
Bereits in einem früheren Teil des Verfahrens hatte eine Jury Meta zu 375 Millionen Dollar verurteilt. Zusammen ergeben beide Entscheidungen eine Belastung von 942 Millionen Dollar. Im Verfahren ging es unter anderem um psychische Belastungen junger Nutzer und den Schutz Minderjähriger vor sexueller Ausbeutung auf den Plattformen.
Meta will Berufung einlegen
Meta weist zentrale Vorwürfe zurück und verweist auf bestehende Schutzfunktionen für Jugendliche. Der Konzern will gegen die Entscheidung vorgehen. Damit steht noch offen, ob alle angeordneten Maßnahmen in dieser Form bestehen bleiben.
Das Gericht ging zugleich weniger weit, als der Bundesstaat gefordert hatte. Vorgaben zur Veränderung der Empfehlungsalgorithmen oder ein Verbot des endlosen Scrollens wurden nicht angeordnet. Der Richter verwies dabei unter anderem auf technische und rechtliche Probleme.
Auch Österreich steht unter Zugzwang
Instagram spielt auch im Alltag österreichischer Jugendlicher eine große Rolle. Laut Jugend Internet Monitor 2026 nutzen 64 Prozent der 11- bis 17-Jährigen Instagram. Unter den Nutzerinnen und Nutzern öffnen 77 Prozent die Plattform täglich. TikTok kommt ebenfalls auf 64 Prozent.
Auch in der EU wird derzeit an stärkeren Alterskontrollen gearbeitet. Die Europäische Kommission stellte im April 2026 ein System vor, mit dem Nutzer ihr Alter bestätigen können, ohne Plattformen sämtliche persönlichen Daten übermitteln zu müssen. Mitgliedstaaten können die Technik für eigene Lösungen verwenden.
Ein Urteil mit Folgen über New Mexico hinaus
Die Entscheidung gilt vorerst nur in einem US-Bundesstaat. Ihre Bedeutung könnte trotzdem größer werden. Vergleichbare Verfahren laufen bereits aus über 40 US-Bundesstaaten und rund 1.300 Schulbezirken gegen Social-Media-Unternehmen.
Ob die 90-Stunden-Grenze tatsächlich dauerhaft umgesetzt wird, hängt nun auch vom Berufungsverfahren ab. Das Urteil zeigt jedoch bereits, wie weit Gerichte beim Schutz von Jugendlichen und beim Umgang mit Plattformen gehen können: Es geht inzwischen nicht nur um problematische Inhalte, sondern auch darum, wie viel Zeit junge Menschen online verbringen und wie viel Verantwortung soziale Netzwerke dafür übernehmen müssen.
Kommentare