Sprachen sind wissenschaftlich gesehen, ein komplexes System aus Zeichen und Regeln, welche zur Kommunikation und zum Ausdruck von Gedanken und Gefühlen dienen. Diese müssen allerdings auch einige Kriterien erfüllen, damit sie als Sprache gelten.
Man teilt sie grob in zwei große Gruppen: Die natürlichen Sprachen, und die Künstlichen. Die natürlichen Sprachen sind die, die wir alle kennen: Deutsch, Englisch, Spanisch, Mandarin, aber auch die Gebärdensprachen. Sie entwickelten sich mit der Zeit. Die künstlichen Sprachen sind weitgehend weniger bekannt, die meisten fiktional. Bekannt sind Klingonisch, Elbisch, aber auch Esperanto: Das berühmteste der vielen Projekte, eine Weltsprache zu schaffen.
Wie entstehen Sprachen?
Das ist eine etwas schwierigere Frage. Bei einer Studie der Universität Leipzig untersuchten Forscher, wie neue Sprachen eben entstehen könnten. Sie ließen Kinder per Skype telefonieren, allerdings mit ausgeschaltetem Mikrofon. Sie fingen an, Gebärden zu entwickeln. Zuerst einfaches wie pantomimisches „Essen“ für die Gabel, doch mit der Zeit kamen schwierigere Begriffe. Die Kleinen entwickelten sogar eine kleine Grammatik. Dies zeigt uns: Kommunikation kann sehr schnell eintreten, mit der Zeit wird daraus eine Sprache. Diese entsteht demnach aus dem Bedürfnis, sich miteinander zu verständigen.
Wie und warum verändern sich Sprachen?
Dem Wissenschaftler Peter Polenz nach kann ein Sprachwandel durch vier verschiedene Hauptfaktoren beeinflusst werden:
- Sprachökonomie: Die Sprache wird vereinfacht oder bequemer.
- Innovation: Neue Wörter durch neue Ideen. „Googlen“ hat man zu Mozarts Zeit noch nicht verwendet, da es damals eben noch kein Google gab.
- Variation: In der Schule sagst du eher: „Guten Morgen, Frau Professorin Müller!“, zu deinen Freunden dann: „Was geht?“ Das führt langfristig zu Veränderungen in der Sprache.
- Soziokulturelle Einflüsse: Gesellschaftliches durch Kulturen oder Werte. Englische Wörter wie „Handy“ werden hier dazugezählt. Doch auch genderneutrale Sprache ändert vieles.
Wir merken: Sprachwandel ist ganz natürlich, und Sätze wie „Also, wie die Jugend heute spricht!“ wurden schon immer gesagt. Es ist kein geplanter Prozess, sondern ist und bleibt beständig.
Aber, wie könnte die deutsche Sprache in 100 Jahren aussehen? Diese Frage ist ebenfalls gar nicht so leicht zu beantworten, einige Vermutungen tauchen dennoch hier und da auf:
Wir lassen uns inspirieren: Das erste haben sich die meisten sicher schon gedacht, aus dem Arabischen, Türkischen und auch den Südslawischen Sprachen kommen viele neue Wörter und Redewendungen! Wörter wie Habibi (حبيبي( und wallah (والله) sind allseits bekannt, ebenso wie die leckeren Cevapčići! Und mit der Zeit könnten es sogar wahrlich deutsche Wörter werden! Ihr glaubt mir nicht? Das beste Beispiel ist das allseits bekannte Büro. Das war eigentlich ein französisches Wort! Mit der Zeit wurde es im deutschsprachigen Raum immer öfter verwendet, und heute ist es aus keinem Wörterbuch wegzudenken!
Der Dativ ist dem Genitiv sein Endgegner: Der Genitiv (2. Fall) wird immer öfter durch den Dativ (3. Fall) ersetzt. Beispielsweise wird das grammatikalisch korrekte „Wegen des tanzenden Zebras regnet es Konfetti.“ umgangssprachlich öfter durch „Wegen dem tanzenden Zebra regnet es Konfetti.“ ausgetauscht. Im Extremfall könnte der Genitiv sogar irgendwann komplett verschwinden! Doch falls so etwas jemals passieren sollte, braucht es einige Zeit.
Dialekte verschwinden, Jugendsprache prägt: In Österreich werden immer weniger Dialekte gesprochen, vor allem durch Social-Media tritt Standarddeutsch immer stärker in das Rampenlicht. Dafür kommt Jugendsprache mit vielen Abkürzungen (kA, LOL und fr).
Das Ganze ist natürlich nur Theorie, aber jede Generation prägt die Sprache. Schauen wir mal, was wird!
Ausgestorbene beziehungsweise tote Sprachen
Spätestens wenn ihr euch mit Latein auseinandersetzen müsst, sollte euch der Begriff Tote Sprache bekannt sein. Aber was bedeutet das überhaupt? Wie kann eine Sprache tot sein, wenn wir sie doch heute noch in der Schule lernen?
Man unterteilt solche in ausgestorbene und tote Sprachen. Als ausgestorben gelten sie, sobald keine Sprecher mehr existieren. Eine tote Sprache hat zwar keine Muttersprachler, aber dennoch noch Menschen, die diese verstehen. Das Lateinische spricht heute beispielsweise kein Mensch mehr als Muttersprache, doch aus dem Vulgärlatein (eine umgangssprachliche Form des Lateins, welches im Alltag des antiken Roms verwendet wurde) entstanden letztendlich romanische Sprachen wie Italienisch, Spanisch und Französisch.
Doch wie kann eine Sprache überhaupt aussterben? Dafür gibt es natürlich nicht nur einen Grund, sondern mehrere Möglichkeiten. Zum Beispiel verschiedene Einflüsse, welche die Sprecher verdrängen oder gar auslöschen (Naturkatastrophen, Dürren, Vernichtungen von indigenen Völkern oder sogar Krieg), allerdings auch kulturelle, Urbanisierung, Unterdrückung und weitere Faktoren.
Es gibt hier andere Sprachen als Deutsch?
Wie viele Sprachen gibt es in Österreich? Und nein, damit meine ich nicht die Nachbarin aus Guatemala und den Bäcker aus Australien. Ich meine die offiziell anerkannten. In Österreich spricht man nämlich nicht nur Deutsch, sondern auch einige Minderheiten – das sind Sprachen, die nur kleine Volksgruppen sprechen und teils auch nur in Österreich vertreten sind. Dazu zählen:
- Ungarisch
- Slowenisch
- Burgenländisch-Kroatisch
- Tschechisch
- Slowakisch
- Romani
Doch wie kann eine Sprache wie „Burgenländisch-Kroatisch“ entstehen? Kroatische Flüchtlinge kamen vor allem während des Türkenkriegs zur Österreich-Ungarischen Grenze. Das Kroatische veränderte sich, doch sie behielten ihren alten Dialekt. So wirkt Burgenländisch-Kroatisch für Menschen aus dem Balkan wie eine uralte Varietät, was es eigentlich auch ist! Doch leider werden auch diese Minderheiten immer kleiner, es gibt immer weniger Sprecher. Deshalb ist es unglaublich wichtig, jegliche Sprachen zu schützen.
Wahrscheinlich fragt man sich jetzt auch, was „Romani“ ist. Dieses ist eine alte indoarische (Indien) Sprache, die vor etwa 700 Jahren nach Europa kam und seitdem von den Roma und Sinti gesprochen wird.
Andere Sprachen zuhause?
Viele Kinder in Österreich sprechen heutzutage zuhause andere Sprachen als in der Schule. Eine Statistik aus dem Jahr 2021/22 der Stadt Wien zeigt, dass rund 53% der Wiener Schüler:innen im Alltag mehrsprachig sind. Etwa 12% waren es bei BKS (Bosnisch, Kroatisch, Serbisch), 10% gaben Türkisch an. Rund 31% sprachen andere Sprachen im Alltag. Dies zeigt schon: Die Wiener Kinder sind sehr bunt gemischt, und das ist unfassbar großartig!
Abschließend lässt sich sagen: Sprachen sind etwas Unglaubliches – nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern auch ein Teil unserer Identität. Deshalb ist es auch unfassbar wichtig, dass man allen Menschen ans Herz legen sollte, sich nicht zu schämen. Also: Zeigt der Welt, wie viel Schönes hinter jeder einzelnen Sprache steckt und feiert mit uns den internationalen Tag der Sprachen!
Kommentare
Nächstes Jahr möchte ich auch mein erstes eigenes Buch veröffentlichen. Halte mir die Daumen! :)
LG
Teo