Normalerweise gehört Sport für mich einfach zum Alltag. In der Sportklasse verbringe ich viel Zeit mit Bewegung, dazu kommen meine Eishockey- und Tennisvereinstrainings. Ich bin es gewohnt, regelmäßig zu trainieren und mich auszupowern. Eine Woche lang jeden Tag eine andere Sportart auszuprobieren, sollte deshalb eigentlich keine allzu große Herausforderung sein.
Eigentlich.
Denn für meinen Selbstversuch wollte ich nicht einfach herausfinden, welche Sportart am anstrengendsten ist. Mich interessierte etwas anderes: Welche Sportarten fordern mich auf eine ganz andere Art, als ich es gewohnt bin? Wo muss ich mich plötzlich auf Fähigkeiten verlassen, die in meinen üblichen Trainings kaum im Mittelpunkt stehen?
Sieben Tage, sieben Sportarten.
Auf geht’s!
Tag 1: Joggen, der Klassiker
Zum Auftakt starte ich mit einer Sportart, die wohl fast jeder kennt: Joggen.
Ich schnüre meine Laufschuhe, starte die Uhr und laufe los. Die ersten Minuten fühlen sich leicht an. Der Rhythmus stimmt, die Atmung ist ruhig und die Beine sind noch frisch. Doch nach und nach wird aus dem lockeren Start ein gleichmäßiges Arbeiten.
Mein Ziel ist diesmal nicht, eine Bestzeit aufzustellen. Ich möchte ungefähr 120 Minuten in einem konstanten Tempo laufen und beobachten, wie sich eine Sportart anfühlt, bei der ich vollkommen auf mich allein gestellt bin.
Genau das ist ungewohnt. Beim Eishockey oder Tennis gibt es Gegner, Mitspieler, schnelle Situationen und ständig etwas, worauf man reagieren muss. Beim Laufen gibt es nur den Weg vor mir.
Und genau deshalb wird der Kopf plötzlich genauso wichtig wie die Beine.
Nach ungefähr 120 Minuten stoppe ich meine Uhr. Ich bin ordentlich warmgelaufen, aber noch nicht komplett am Limit.
Mein Eindruck: 6/10 Anstrengung.
Joggen ist für mich weniger eine Frage der Technik als der Disziplin. Niemand sagt mir, wann ich schneller laufen oder wann ich weitermachen soll. Wenn es anstrengend wird, muss ich selbst entscheiden, ob ich durchhalte.
Guter Einstieg, aber sieben Tage hintereinander ausschließlich laufen? Das wäre mir dann doch etwas zu eintönig.
Tag 2: Klettern, wenn Kraft allein nicht reicht
Am zweiten Tag steht Klettern auf dem Programm.
Schon nach den ersten Routen merke ich: Meine allgemeine Fitness hilft mir, aber sie bringt mich nicht automatisch nach oben. Beim Klettern muss ich plötzlich ganz anders denken.
Ich stehe vor einer Route und überlege, welcher Griff als Nächstes dran ist. Der eine ist zu weit entfernt, der andere sieht zwar einfacher aus, bringt mich aber in eine ungünstige Position. Also noch einmal zurück, Gewicht verlagern, Fuß umsetzen und weiter.
Es fühlt sich fast ein bisschen wie ein Rätsel an, das man mit dem ganzen Körper lösen muss.
Anstrengung: 8/10.
Vor allem meine Unterarme machen sich nach mehreren Routen bemerkbar. Trotzdem ist genau das der Reiz. Wenn ich an einer Stelle zunächst hängen bleibe und es beim nächsten Versuch plötzlich klappt, ist die Freude größer, als ich erwartet hätte.
Beim Eishockey brauche ich Schnelligkeit und Reaktion, beim Tennis Timing und Präzision. Beim Klettern muss ich dagegen vor allem vorausschauen und meinen Körper möglichst effizient einsetzen.
Als ich wieder unten stehe, kommt die Frage: „Noch eine Runde?“
Meine Unterarme sagen nein. Mein Kopf sagt ja.
Ich entscheide mich schlussendlich doch für eine weitere Route.
Klettern ist definitiv eine der Sportarten, die ich nach dieser Woche noch einmal ausprobieren würde.
Tag 3: Mountainbiken, Ausdauer trifft Technik
Am dritten Tag geht es raus aufs Mountainbike.
Nach zwei Tagen Sport merke ich die Belastung bereits ein wenig. Trotzdem freue ich mich auf die Abwechslung. Statt einer Halle oder eines Spielfelds habe ich heute Waldwege, Anstiege und Abfahrten vor mir.
Schon beim ersten längeren Anstieg merke ich, dass meine Beine nicht mehr ganz so frisch sind wie am ersten Tag. Ich trete weiter und versuche, einen Rhythmus zu finden.
Bergauf geht es vor allem um Ausdauer. Bergab verändert sich das Ganze: Plötzlich muss ich mich konzentrieren, den Untergrund beobachten und meine Fahrweise anpassen. Eine Wurzel, ein engerer Abschnitt oder ein steiniger Untergrund, schon kleine Veränderungen können einen Unterschied machen.
Anstrengung: 8/10.
Besonders gefällt mir, dass Mountainbiken nicht nur körperlich fordert. Man ist ständig damit beschäftigt, was als Nächstes kommt. Dadurch fühlt sich die Belastung weniger monoton an als beim Joggen.
Nach der Tour bin ich ziemlich fertig. Meine Beine hätten wahrscheinlich nichts gegen eine Pause.
Tag 4: Fußball, Tempo, Technik und Entscheidungen
Am vierten Tag wird es lustig.
Fußball steht auf dem Programm und damit eine Sportart, bei der ich mein Tempo nicht selbst bestimmen kann.
Beim Joggen kann ich langsamer werden, wenn ich müde werde. Beim Fußball geht das nicht ganz so einfach. Gerade noch bin ich locker unterwegs, im nächsten Moment muss ich einem Ball hinterher sprinten.
Anstrengung: 9/10.
Was mich besonders beeindruckt, ist die Geschwindigkeit der Entscheidungen. Ein Pass kommt, ich muss mich sofort orientieren. Wo stehen die Mitspieler? Wo ist der Gegner? Laufe ich weiter oder passe ich?
Dazu kommen kurze Sprints, Richtungswechsel und immer wieder Phasen, in denen man versucht, kurz Luft zu holen.
Nach dem Spiel bin ich deutlich müder als nach meinem Lauf am ersten Tag. Trotzdem fühlt es sich anders an.
Die Zeit ist nämlich viel schneller vergangen.
Vielleicht ist genau das eine der großen Stärken von Teamsport: Wenn man gemeinsam spielt, konzentriert man sich nicht die ganze Zeit darauf, wie anstrengend etwas gerade ist. Man ist einfach mitten im Spiel.
Tag 5: Fitnessstudio, kontrolliert statt Vollgas
Am fünften Tag geht es ins Fitnessstudio.
Krafttraining ist für mich nichts völlig Neues. Gerade deshalb möchte ich nicht einfach möglichst schwere Gewichte bewegen. Stattdessen konzentriere ich mich auf eine saubere Ausführung und darauf, die Übungen kontrolliert zu machen.
Der Unterschied zu den Tagen davor wird schnell deutlich.
Beim Fußball bin ich ständig unterwegs. Beim Mountainbiken bewegt sich die Landschaft an mir vorbei. Hier bleibe ich meistens an derselben Stelle und kann trotzdem ordentlich ins Schwitzen kommen.
Anstrengung: 7/10.
Das Interessante ist, dass sich die Belastung viel gezielter anfühlt. Eine Übung kann zunächst relativ einfach wirken, doch nach mehreren Wiederholungen merkt man plötzlich, wie die einzelnen Muskeln arbeiten.
Für mich ist das eine gute Erinnerung daran, dass Sport nicht immer spektakulär aussehen muss, um anstrengend zu sein.
Tag 6: Schwimmen, entspannend sieht anders aus
Sechs Tage sind geschafft. Heute geht es ins Wasser.
Nach den bisherigen Sportarten wirkt Schwimmen zunächst fast wie eine Erholung. Keine harten Untergründe, keine Sprints über ein Spielfeld, keine steilen Anstiege.
Nach einigen Bahnen ändert sich dieser Eindruck allerdings ziemlich schnell.
Anstrengung: 8/10.
Was mir besonders auffällt, ist die Bedeutung der Technik. Im Wasser merkt man sofort, wenn eine Bewegung nicht effizient ist. Jeder unnötige Bewegungsablauf kostet Energie.
Gleichzeitig fühlt sich die Belastung anders an als beim Laufen oder Fußball. Meine Gelenke und Beine werden nicht auf dieselbe Weise beansprucht, während trotzdem der ganze Körper arbeitet.
Nach mehreren Bahnen bin ich überrascht, wie anstrengend eine Sportart sein kann, die von außen oft so ruhig aussieht.
Tag 7: Badminton, kleiner Schläger, großes Tempo
Letzter Tag!
Sieben Tage, ebenso viele Sportarten und langsam wird es Zeit für den Abschluss. Ich nehme den Badmintonschläger in die Hand und denke zunächst: Das wird im Vergleich zu den letzten Tagen wahrscheinlich ziemlich entspannt.
Dieser Gedanke hält ungefähr bis zum ersten längeren Ballwechsel.
Der Federball fliegt hin und her. Ein Schritt nach vorne, zurück, seitlich, plötzlich muss ich reagieren. Dann ein schneller Schlag nach hinten und sofort wieder zurück in die Ausgangsposition.
Anstrengung: 8/10.
Badminton überrascht mich vor allem durch das Tempo. Auf dem relativ kleinen Spielfeld muss man ständig aufmerksam sein. Ein einziger ungenauer Schritt kann reichen, um den nächsten Ball nicht mehr zu erreichen.
Am meisten Spaß machen mir die längeren Ballwechsel. Wenn beide Seiten gut reagieren, entsteht ein richtiges Duell, bei dem man die Anstrengung fast vergisst.
Fast.
Denn als die letzte Runde vorbei ist, bin ich ordentlich außer Atem.
Sieben Tage. Sieben Sportarten. Geschafft!
Und was bleibt?
Nach einer Woche habe ich zwar nicht plötzlich meine neue Lieblingssportart entdeckt, dafür sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Sportarten zu groß.
Beim Joggen ging es vor allem um Ausdauer und Durchhaltevermögen. Beim Klettern musste ich Kraft, Koordination und Köpfchen miteinander verbinden. Das Mountainbike kombinierte Kondition mit Technik und Reaktion. Fußball brachte Tempo, Teamwork und schnelle Entscheidungen zusammen. Im Fitnessstudio konnte ich Belastungen gezielt steuern, während beim Schwimmen vor allem Technik und Ganzkörpereinsatz gefragt waren. Und Badminton zeigte mir, wie schnell ein scheinbar einfaches Spiel werden kann.
Was mich am meisten überrascht hat, war nicht, dass die Woche anstrengend war. Damit hatte ich gerechnet.
Überrascht hat mich vielmehr, wie unterschiedlich sich Anstrengung anfühlen kann.
Als jemand, der durch Sportklasse, Eishockey und Tennis ohnehin viel Bewegung gewohnt ist, dachte ich zunächst, dass mich die Woche körperlich kaum überraschen würde. Aber jede Sportart hatte ihre eigene Herausforderung. Mal waren es die Beine, mal die Unterarme, mal die Konzentration und manchmal sogar alles gleichzeitig.
Und genau das nehme ich aus meinem Selbstversuch mit:
Sport muss nicht immer bedeuten, schneller, stärker oder besser zu werden. Manchmal geht es einfach darum, etwas auszuprobieren, das man noch nicht kennt, und herauszufinden, welche Art von Bewegung einem selbst am meisten Spaß macht.
Nach sieben Tagen bin ich deshalb vor allem eines: Glücklich!
Ich habe auch Lust bekommen, die eine oder andere Sportart noch einmal auszuprobieren.
Vielleicht werden aus sieben Tagen ja bald schon acht.
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