„Mich nerven vor allem das Umsteigen, die langen Wartezeiten und wie voll alles ist“, sagt Simon, 17. Er fährt regelmäßig vom Praterstern nach Wien Mitte. Bisher war das eine kurze Fahrt mit der S Bahn. Während der Sperre muss er sich eine andere Verbindung suchen. Stefan, 18, mein Klassenkamerad, fährt von Floridsdorf zum Rennweg. Auch für ihn wird aus einer einfachen Strecke eine Fahrt mit Umstieg. „Bei den Straßenbahnen kommt im Sommer noch die Hitze dazu. Viele haben keine Klimaanlage“, sagt er.
Wenn die Schule beginnt, wird es voll
Die ÖBB empfehlen Fahrgästen, die Morgenspitze zwischen 7 und 8 Uhr möglichst zu meiden. Für viele Schülerinnen und Schüler ist das kaum eine Option. Wer um 8 Uhr im Unterricht sitzen muss, fährt oft ausgerechnet in dieser Stunde. Dazu kommen Berufstätige und Studierende. Auf der Stammstrecke sind an normalen Werktagen rund 250.000 Fahrgäste in etwa 700 Zügen unterwegs. Ein Teil davon weicht während der Sperre auf U Bahn und Straßenbahn aus. Simon und Stefan werden also vermutlich mit vielen anderen gleichzeitig nach neuen Wegen suchen.
Wien schickt zusätzliche Öffis
Die Wiener Linien wollen die zusätzlichen Fahrgäste mit dichteren Intervallen auffangen. Mehrere U Bahn Linien fahren in der Früh häufiger, auf der Linie O sollen Langzüge eingesetzt werden und die Linie 18 wird bis zum Stadion verlängert. Für Simon bleibt trotzdem ein Umstieg zwischen Praterstern und Wien Mitte. Stefan muss auf seinem Weg von Floridsdorf zum Rennweg ebenfalls neu planen. Besonders unangenehm kann das an warmen Tagen werden. Laut Wiener Linien sind 64 Prozent der U Bahnen und Straßenbahnen klimatisiert. In einem vollen, ungekühlten Fahrzeug merkt man jede zusätzliche Station.
Der Kabelbrand kam noch vor der Baustelle
Eigentlich sollte die große Sperre erst im September starten. In der Nacht auf den 13. August brannte jedoch ein Kabel bei einem Stellwerk im Bereich Praterstern. Rund 20 Kilometer Kabel wurden beschädigt. Die Reparatur dauert bis zum Beginn der ohnehin geplanten Bauarbeiten. Damit mussten Fahrgäste schon Wochen früher mit Einschränkungen leben. Bis Anfang September läuft zusätzlich die Sommersperre zwischen Floridsdorf und Praterstern.
Warum die Strecke so lange gesperrt bleibt
Bis Ende Oktober 2027 wird an der Stammstrecke gebaut. Brücken und Viadukte werden erneuert, Bahnsteige verlängert und technische Anlagen modernisiert. Später sollen längere Züge fahren und die S Bahnen dichter hintereinander unterwegs sein. Für uns liegt dieser Vorteil noch weit weg. Zuerst kommt ein komplettes Schuljahr, in dem eine der wichtigsten Bahnverbindungen Wiens fehlt.
Der Schulweg wird Teil der Baustelle
Auf einem Netzplan sieht die Sperre nach einem fehlenden Stück zwischen zwei Stationen aus. Für Simon bedeutet sie morgens einen zusätzlichen Umstieg auf einer Strecke, die bisher unkompliziert war. Für Stefan zieht sich der Umweg von Floridsdorf bis zum Rennweg durch einen großen Teil seines Weges. Beide nennen dieselben Dinge, die sie daran stören: volle Öffis, Wartezeiten und häufigeres Umsteigen.
Am 7. September werden sie trotzdem losfahren müssen. Simon Richtung Wien Mitte, Stefan Richtung Rennweg. Wahrscheinlich irgendwo zwischen 7 und 8 Uhr, also in jener Stunde, die Fahrgäste laut ÖBB möglichst meiden sollen.
Kommentare