„Wenn die Republikaner gewinnen, gewinnt ihr mit uns und erhaltet 5000 Dollar.“ Mit diesem Satz sorgte Donald Trump beim Parteitag der Republikaner in Dallas für Aufsehen. Die Bedingung: Seine Partei müsse am 3. November das Repräsentantenhaus und den Senat behalten. Erst dann solle die sogenannte „Trump-Dividende“ fließen – zur wirtschaftlichen Stärkung des Landes, wie Trump laut einem Bericht von cash.ch erklärte. Eine weitere Bedingung: Das Geld müsse in den USA ausgegeben werden.
Eine Billion Dollar, die keiner hat
Die Zahlen dahinter sind gewaltig. Nach Berechnungen von AP und CBS News würde die Auszahlung an rund 245 Millionen Wahlberechtigte mehr als eine Billion Dollar kosten. Laut dpa entspricht das etwa dem gesamten US-Verteidigungshaushalt. Andere Schätzungen, etwa jene der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, gehen von bis zu 1,35 Billionen Dollar aus, wenn die Zahlung an rund 270 Millionen erwachsene US-Bürger gehen würde.
Zum Vergleich: Die USA haben bereits mehr als 40 Billionen Dollar Schulden, das jährliche Defizit liegt bei knapp 1,8 Billionen Dollar. Trump selbst kann eine solche Milliardensumme nicht per Dekret freigeben. Der Kongress müsste zustimmen – und genau das gilt unter Beobachtern als äußerst unwahrscheinlich.
Ganz neu ist die Idee nicht. Schon im November 2025 hatte Trump eine „Dividende“ von 2000 Dollar pro Person ins Spiel gebracht, finanziert aus den Einnahmen seiner Zollpolitik. Damals reagierte selbst sein eigener Finanzminister Scott Bessent überrascht, wie Gulf News unter Berufung auf AP berichtete. Erica York, Vizepräsidentin für Steuerpolitik bei der Denkfabrik Tax Foundation, äußerte sich gegenüber AP skeptisch, ob die Rechnung hinter dem Plan überhaupt aufgeht.
Legal, aber unrealistisch?
Die entscheidende Frage ist auch, ob ein solches Versprechen rechtlich als Stimmenkauf gelten könnte. Der von AP zitierte Jurist John Day stuft es als legales Wahlversprechen ein, weil das Geld bedingungslos an alle fließen soll – unabhängig vom individuellen Wahlverhalten. Direkter Stimmenkauf wäre in den USA strafbar, ein allgemeines Wahlversprechen dagegen nicht.
Kompliziert wird es an anderer Stelle: Ein Teil der Trump-Zölle, aus denen frühere Dividenden-Pläne finanziert werden sollten, gilt seit einem Urteil eines US-Berufungsgerichts vom August 2025 als rechtswidrig. Der Supreme Court muss darüber noch endgültig entscheiden.
Die politische Konkurrenz sieht in dem Versprechen vor allem Wahlkampftaktik. Ken Martin, Vorsitzender der Demokratischen Partei, bezeichnete den Parteitag in Dallas gegenüber CBS News als „verzweifelten Versuch der Republikaner, die Realität zu ignorieren“. Nach seiner Einschätzung werden gefährdete republikanische Kandidaten im November ohnehin verlieren.
Der Druck auf die Republikaner ist real. Bei Zwischenwahlen verliert die Partei des amtierenden Präsidenten historisch gesehen fast immer Sitze im Kongress. Trumps Beliebtheitswerte sind zuletzt gesunken, unter anderem wegen gestiegener Lebenshaltungskosten durch seine eigenen Zölle.
Auch in Österreich keine Seltenheit
Geld kurz vor einer Wahl zu versprechen, ist kein rein amerikanisches Phänomen. Der österreichische Fiskalrat, das unabhängige Gremium zur Überwachung der Staatsfinanzen, hat sogenannte „Wahlzuckerl“ seit 2008 untersucht. Ergebnis: Solche Maßnahmen rund um Nationalratswahlen belasten den heimischen Haushalt allein bis 2024 mit 4,1 Milliarden Euro.
Der Unterschied zu Trumps Plan: In Österreich handelt es sich meist um kleinere Einzelmaßnahmen wie Pensionserhöhungen oder Einmalzahlungen, nicht um eine einzelne Summe für die gesamte erwachsene Bevölkerung. Das Prinzip dahinter bleibt ähnlich. Ökonomen sprechen vom politischen Budgetzyklus: Regierungen erhöhen vor Wahlen die Ausgaben, um Stimmen zu gewinnen, auch wenn das langfristig die Staatsfinanzen belasten kann.
Für junge Erstwähler und Erstwählerinnen, die in Österreich ab 16 Jahren wahlberechtigt sind, ist das eine Erfahrung, die sich wiederholen wird. Wahlversprechen mit einem konkreten Geldbetrag klingen greifbar und verlockend. Ob sie sich am Ende tatsächlich ausgehen, zeigt sich meist erst nach der Wahl.
Ob die „Trump-Dividende“ jemals ausgezahlt wird, hängt von mehreren Unbekannten ab: dem Wahlausgang am 3. November, der Zustimmung eines möglicherweise weiter gespaltenen Kongresses und einem noch ausstehenden Supreme-Court-Urteil zur Rechtmäßigkeit der Zölle.
Bis dahin bleibt es bei einem Satz auf einer Parteitagsbühne in Dallas: „Ihr bekommt 5000 Dollar.“
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