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45 Euro für eine Stunde Mathe: Was ich an Schule ändern würde

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
21.08.2026
4 Min.

Ich sitze vor einer Matheaufgabe und komme nicht weiter. Wenig später erklärt mir ein Nachhilfelehrer den Stoff, für 45 Euro pro Stunde. Rund jedes dritte Schulkind in Österreich bekommt inzwischen Nachhilfe. Für mich zeigt das, wo Schule besser werden kann: Hilfe sollte dort verfügbar sein, wo wir sie brauchen.

Rund jedes dritte Schulkind in Österreich bekommt Nachhilfe. Für eine Stunde Mathe habe ich selbst 45 Euro bezahlt. Für mich zeigt das, warum kostenlose Lernhilfe stärker in die Schule gehören sollte. (Foto: Preply.com Images / Wikimedia Commons)

Vor mir liegt eine Matheaufgabe. Ich lese sie noch einmal, rechne ein paar Schritte und merke, dass ich wieder an derselben Stelle hängen bleibe. In der nächsten Stunde wird mir jemand erklären, was ich im Unterricht nicht verstanden habe. Diese Stunde kostet 45 Euro.

Nachhilfe hat mir geholfen. Manchmal brauchte ich einfach jemanden, der einen Rechenweg noch einmal anders erklärt oder sich länger mit einer Frage beschäftigt. Gleichzeitig dachte ich während solcher Stunden immer wieder daran, wie teuer diese zusätzliche Hilfe eigentlich ist. Zehn Stunden zu meinem damaligen Preis kosten bereits 450 Euro.

Damit war ich keineswegs eine Ausnahme. Laut dem aktuellen Nachhilfebarometer der Arbeiterkammer bekommen 338.000 Kinder und Jugendliche in Österreich Nachhilfe. Das entspricht 32 Prozent aller Schülerinnen und Schüler. 19 Prozent nutzen bezahlte Nachhilfe. Familien geben dafür durchschnittlich 720 Euro pro Kind und Jahr aus, insgesamt rund 144 Millionen Euro.

Für mich führt diese Zahl zu einer einfachen Frage: Warum müssen so viele Familien zusätzlich Geld ausgeben, damit Schülerinnen und Schüler beim Schulstoff mitkommen?

Hilfe gehört in die Schule

Mathematik ist laut Nachhilfebarometer mit 66 Prozent das häufigste Nachhilfefach. Bei mir war es ebenfalls Mathe. Eine aktuelle Erhebung der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt, wie teuer Einzelunterricht werden kann. Auf 60 Minuten gerechnet liegen die Preise zwischen rund 25 und 66 Euro.

Meine 45 Euro lagen damit ungefähr in der Mitte. Bei einer Stunde pro Woche wären daraus innerhalb eines Monats 180 Euro geworden.

Ich würde deshalb an jeder Schule fixe kostenlose Lernzeiten anbieten. Dort könnten Lehrkräfte schwierigen Stoff wiederholen und Fragen beantworten. Auch ältere Schülerinnen und Schüler könnten jüngere unterstützen.

An meiner Schule gab es mit „Schüler hilft Schüler“ bereits so ein Modell. Ich fand daran gut, dass Hilfe innerhalb der Schule verfügbar war. Wer in einem Fach gut war, konnte jemandem helfen, der dort Probleme hatte. Solche Angebote würde ich ausbauen und fest in den Schulalltag integrieren.

Mehr Zeit für eine Frage

In einer Klasse lernen viele Menschen gleichzeitig, aber eben nicht im selben Tempo. Eine Person versteht einen Rechenweg nach dem ersten Beispiel, eine andere braucht drei weitere.

Im Unterricht bleibt dafür oft wenig Zeit. Der Stoffplan läuft weiter, die nächste Prüfung kommt und irgendwann sitzt jemand am Nachmittag bei einer Nachhilfestunde.

Genau dort würde ich Schule verändern. Vor größeren Prüfungen wünsche ich mir mehr Wiederholungsstunden und bei schwierigen Themen kleinere Lerngruppen. Schülerinnen und Schüler könnten dort gezielt Fragen stellen, ohne dass währenddessen bereits das nächste Kapitel beginnt.

Auch Eltern würde das entlasten. Laut Nachhilfebarometer helfen bei 76 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Eltern zumindest gelegentlich beim Lernen oder Üben. Bei 23 Prozent passiert das praktisch täglich.

Wenn Unterricht allein nicht reicht

Besonders interessant finde ich einen weiteren Wert aus der AK-Erhebung. Bei 28 Prozent der bezahlten Nachhilfefälle nannten Eltern Probleme im Unterricht als Grund, etwa unzureichend vermittelten Stoff oder ausgefallene Unterrichtsstunden.

Die Arbeiterkammer rechnet diesem Bereich rund 40 Millionen Euro an privaten Nachhilfekosten zu.

Natürlich kann Schule nicht jede Nachhilfestunde verhindern. Manche wollen sich gezielt auf Prüfungen vorbereiten oder brauchen in einem bestimmten Fach intensivere Unterstützung. Problematisch wird es für mich dort, wo zusätzliche Hilfe fast zur Voraussetzung wird, um im normalen Unterricht mitzuhalten.

Schule fürs Leben

Eine zweite Sache würde ich ebenfalls verändern: Ich wünsche mir mehr Unterricht über Dinge, die uns nach der Schule tatsächlich begegnen.

Wie lese ich meinen ersten Gehaltszettel? Was steht in einem Mietvertrag? Wie funktionieren Steuern, Kredite und Versicherungen? Was passiert, wenn ich einen Einkauf in Raten bezahle? Welche Rechte habe ich bei einem Onlinekauf?

Viele von uns beschäftigen sich damit spätestens mit 18 oder 19 Jahren.

Im April 2026 wurden erstmals 87 Schulen aus allen neun Bundesländern mit „Ready4Finance“ ausgezeichnet. Das Programm soll Wirtschafts und Finanzbildung stärker im Schulalltag verankern. Bildungsminister Christoph Wiederkehr sagte bei der Verleihung: „Schülerinnen und Schüler wünschen sich mehr Wirtschafts- und Finanzbildung an Schulen.“

Ich würde daraus möglichst wenig Theorie und möglichst viele echte Situationen machen. In Mathematik könnten wir Kreditkosten und Zinsen berechnen. Im Wirtschaftsunterricht könnten wir einen Mietvertrag ansehen oder ein Monatsbudget planen. Ein Gehaltszettel wäre für mich hilfreicher als manche Definition, die nach einer Prüfung wieder vergessen ist.

Zurück zur Matheaufgabe

Die Nachhilfestunde für 45 Euro hat mir damals geholfen. Genau deshalb geht es mir auch nicht darum, Nachhilfe schlechtzureden. Gute individuelle Unterstützung kann unglaublich viel bringen.

Ich würde nur gern einen Teil davon schon vorher bekommen.

Wenn ich heute wieder vor so einer Matheaufgabe sitzen würde, hätte ich gern eine einfache Möglichkeit, am nächsten Tag in der Schule jemanden zu fragen und gemeinsam noch einmal durch den Rechenweg zu gehen. Die 45 Euro könnten dann für zusätzliche Hilfe ausgegeben werden, wenn ich sie wirklich möchte und nicht, weil ich ohne sie beim Stoff kaum weiterkomme.


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