Mein Klassenkollege Alex fährt den orangefarbenen Corsa durch den 22. Wiener Bezirk. Die Gänge lassen sich unauffällig wechseln, beim Lenken hören wir kein Klacken. Beschleunigung, Motorgeräusch und Federung passen für mich während unserer Fahrt. Nur die Klimaanlage fällt unangenehm auf: Sie kühlt, stinkt dabei aber.
Unsere Besichtigung liegt etwa drei Wochen zurück, die Probefahrt dauert ungefähr fünfzehn bis zwanzig Minuten. Der Händler bietet den fünftürigen Benziner für 4.200 Euro an. Im Inserat stehen 86.000 Kilometer und September 2011 als Erstzulassung. Mich interessiert an diesem Wagen vor allem, ob er als erstes Auto für den Alltag taugt. Zum Angeben würde ich mir diesen Corsa kaum aussuchen.
Benutzt, aber noch bequem
Außen fallen uns einige Kratzer und Dellen auf. Rost entdecken wir bei unserer Besichtigung keinen. Damit ist der Wagen noch lange nicht an jeder Stelle überprüft, der sichtbare Zustand macht auf mich aber einen ordentlichen Eindruck.
Im Innenraum zeigen besonders die vorderen Sitze Gebrauchsspuren. Hinten wirkt alles besser erhalten. Auch die glänzenden Klavierlackflächen haben an einigen Stellen gelitten. Wer einen gebrauchten Kleinwagen ansieht, muss entscheiden, welche Spuren ihn stören und welche für ihn zum bisherigen Autoleben gehören.
Die Sitze empfinde ich trotzdem als bequem. Das beschreibt den Corsa für mich gut: Man sieht die Nutzung, kann auf unserer kurzen Fahrt dennoch ordentlich sitzen. Luxuriösen Komfort vermittelt mir dieser Wagen insgesamt kaum. Für ein Urteil über längere Autobahnfahrten war unsere Runde zu kurz.
Eine unauffällige Runde durch Wien
Bei ungefähr 50 km/h fällt uns kein Ziehen zur Seite auf. Auch eine kräftige Bremsung hinterlässt einen guten Eindruck. Während der Fahrt leuchtet keine Warnlampe auf. Zusammen mit der unauffälligen Schaltung spricht das für einen gelungenen ersten Eindruck, gemessene Bremswerte oder eine technische Prüfung können wir damit jedoch keineswegs ersetzen.
Den Motor sehen wir uns auch im Stand an. Optisch wirkt er auf uns in Ordnung, sein Lauf gibt uns bei dieser Besichtigung keinen besonderen Anlass zur Sorge. Über seinen inneren Zustand und die nächsten Jahre sagt dieser kurze Blick entsprechend wenig aus.
Der Wagen gehört zur Generation Corsa D, die Opel von 2006 bis 2014 baute. Laut Inserat hat sein Benzinmotor 1.229 Kubikzentimeter Hubraum und 51 kW, in der Anzeige mit 69 PS angegeben. Für unsere Fahrt durch den Bezirk empfand ich die Beschleunigung als ausreichend. Einen Verbrauch haben wir dabei nicht gemessen, entsprechend können wir über die tatsächlichen Spritkosten noch wenig sagen.
Kühle Luft mit einem Haken
Bei der Klimaanlage wäre mein erster Gedanke gewesen: Filter wechseln, Problem erledigt. So einfach lässt sich die Ursache aus dem Geruch allein aber kaum bestimmen. Der ÖAMTC erklärt: „Von der Klimaanlage ausgehende, unangenehme Gerüche werden meist von einem verunreinigten Verdampfer verursacht.“ Dieses Bauteil kühlt die Luft ab.
Für unseren Corsa ist das eine mögliche Erklärung, keine festgestellte Diagnose. Vor einem Kauf würde ich die Anlage prüfen und den Mangel fachgerecht beheben lassen. Die funktionierende Kühlung ist erfreulich, den Geruch würde ich trotzdem beanstanden. Eine verlässliche Reparatursumme liegt uns bisher ebenfalls noch nicht vor.
Für mich ein Kandidat, noch kein belegtes Schnäppchen
Ich würde diesen Corsa grundsätzlich kaufen. Sein schlichter Eindruck stört mich wenig, solange die Technik passt. Die orangefarbene Lackierung fällt auf, der Rest wirkt auf mich vor allem zweckmäßig. Wer von einem Auto in erster Linie erwartet, von A nach B zu kommen, könnte damit ähnlich zufrieden sein wie ich bei unserer Probefahrt.
Ob die 4.200 Euro ein guter Preis sind, entscheidet sich auch an der Wartung und möglichen anstehenden Reparaturen. Wie vollständig die Serviceunterlagen sind, bleibt für uns offen. Das Inserat führt ein Pickerl an, nennt in den vorliegenden Angaben aber kein Ablaufdatum. Den Prüfbericht würde ich mir vor einem Kauf zeigen lassen.
Zusätzlich empfiehlt der ÖAMTC für Gebrauchte eine unabhängige Kaufüberprüfung. Auch ein gültiges Pickerl ersetzt diese umfassendere Zustandskontrolle keineswegs. Unser positiver Fahreindruck wäre für mich ein Grund, den Wagen näher prüfen zu lassen, noch kein Grund, auf diese Prüfung zu verzichten.
Für uns als junge Käufer bleibt außerdem die Rechnung nach dem Kauf: Versicherung, Treibstoff, Wartung und mögliche Reparaturen gehören ins Budget. Der Preis beim Händler wäre also erst der Anfang. Mit den abgenutzten Oberflächen könnte ich bei diesem Corsa leben. Bei der Luft aus der Klimaanlage wäre meine Geduld kürzer: Frische Luft zählt für mich auch in einem schlichten Auto zur Grundausstattung.
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