Er steht schwarz lackiert bei Automobile Aspern, kostet 3.490 Euro und wirkt auf den ersten Blick stabil. Doch ist er es auch? Wir haben den Polo getestet, Baujahr 2009, 60 PS, Schaltgetriebe, 90.000 Kilometer am Tacho, eines der günstigsten Autos, die sich aktuell in Wien finden lassen. Angesehen haben wir uns den Wagen zu zweit, Diego und ich.
Die Eckdaten
Der Polo dieser Generation heißt VW-intern 9N und war der meistverkaufte Kleinwagen seiner Zeit im deutschsprachigen Raum. Der Dreizylinder-Motor gilt laut Übersicht von AutoScout24 als sparsam und robust, mit einem klaren Nachteil: Bei 60 PS und knapp über einer Tonne Gewicht stößt der Motor auf der Autobahn an seine Grenzen.
Der Zustand vor Ort
Eine Probefahrt war bei diesem Fahrzeug nicht möglich, die Batterie war ausgebaut. Laut Sasa Nezatovic, der bei Automobile Aspern verkauft, sollte sie sich dadurch beim Stehen nicht entladen. Aus demselben Grund ließ sich auch der Kofferraum nicht öffnen, die Zentralverriegelung braucht Strom.
Der Innenraum war in gutem Zustand. Der Lack sah dagegen an mehreren Stellen ausgebessert aus. Das sagt aber wenig darüber aus, ob Getriebe, Lichtmaschine, Bremsen oder Lenkung in Ordnung sind. Ohne Probefahrt oder Werkstattcheck lässt sich das schwer beurteilen.
Ein Pluspunkt: Die Reifen halten noch eine Weile, der Wagen kommt vierfach bereift, mit Winterreifen. Wer einen Gebrauchtwagen mit abgefahrenen Reifen kauft, zahlt für einen neuen Satz schnell 400 bis 600 Euro extra, hier fällt dieser Posten weg.
"Das Auto ist in gutem Zustand", versichert Sasa Nezatovic gegenüber campus a college. Service und Pickerl sind demnach im Preis von 3.490 Euro bereits enthalten und werden vor der Übergabe gemacht. Besonders am Wagen sei die Klimaauomatik, ein Ausstattungsdetail, das man bei einem Auto dieser Preisklasse nicht erwartet.
Bekannte Schwachstellen der Baureihe
Karosserie und Antrieb dieser Polo-Generation gelten als langlebig. In Auflistungen bekannter Schwachstellen finden sich bei Fahrzeugen dieses Alters vor allem Probleme an der Elektrik, etwa bei Fensterhebern oder der Zentralverriegelung, dazu Verschleiß an Lagern und Fahrwerksteilen nach mehr als 100.000 Kilometern.
Bei 90.000 Kilometern liegt dieser Polo noch vor dieser kritischen Marke, aber nicht mehr weit davon entfernt.
Der versteckte Kostenfaktor
3.490 Euro sind nur der Kaufpreis. Dazu kommt die Versicherung, und die trifft Fahranfänger*innen in Österreich besonders hart. Wer zum ersten Mal ein Auto anmeldet, startet automatisch in der teuersten Bonus Malus Stufe 9, wie die Preisvergleichsplattform Durchblicker erklärt. Erst jedes unfallfreie Jahr bringt eine Stufe nach unten und damit einen günstigeren Beitrag.
Für ein Auto mit 60 PS wie diesen Polo kostet allein die Haftpflicht in Stufe 9 laut Durchblicker-Vergleich ab rund 54 Euro im Monat, macht über das Jahr gerechnet mehr als 650 Euro. Viele Versicherer verlangen bei Lenker*innen unter 23 Jahren zusätzliche Aufschläge. In Summe kann die Jahresprämie damit schnell über 1.000 Euro liegen. Schon nach etwas mehr als drei Jahren hat man an Versicherung so viel bezahlt wie für den Polo selbst.
Dazu kommt die motorbezogene Versicherungssteuer, die von der Leistung des Motors abhängt. Bei 60 PS liegt macht sie laut Durchblicker im Schnitt rund 13,60 Euro im Monat aus, also weitere 164 Euro im Jahr.
Was der Sprit kostet
Reale Verbrauchswerte für diesen Motor liegen laut Fahrerdaten auf Spritmonitor zwischen 5,2 und 7,2 Litern auf 100 Kilometer, je nach Fahrweise und Strecke. Bei einem aktuellen Superbenzinpreis von rund 1,87 Euro pro Liter macht das zwischen 10 und 13 Euro auf 100 Kilometer.
Fahrt ihr jeden Tag 20 Kilometer in die Schule und wieder retour, kommen an einem Schultag rund 40 Kilometer zusammen. Auf einen Monat mit 20 Schultagen hochgerechnet sind das 800 Kilometer und damit ungefähr 90 bis 100 Euro allein für Sprit, ohne Versicherung, Service oder Reparaturen.
Was vom Testtag bleibt
Guter Innenraum, ausgebesserter Lack, gute Reifen, keine Probefahrt möglich. Wer diesen Polo kauft, bekommt ein Auto, bei dem sich der Zustand der wichtigen Technik erst nach dem Kauf zeigt. Stabil wirkt er, sagten wir eingangs. Ob er es wirklich ist, zeigt sich erst, wenn jemand den Zündschlüssel dreht und losfährt.
Wer sich den Wagen selbst ansehen will: Die Anzeige des VW Polo Edition gibt es hier.
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