Als die Schüsse fallen, sitzt Tupac Shakur auf dem Beifahrersitz eines schwarzen BMW. Es ist der 7. September 1996, kurz vor Mitternacht in Las Vegas. Am Steuer sitzt Marion „Suge“ Knight, Mitgründer von Death Row Records. Die beiden warten an einer roten Ampel, als ein weißer Cadillac neben ihnen hält.
Aus dem Wagen wird geschossen. Shakur wird mehrfach getroffen und stirbt sechs Tage später im Krankenhaus. Er ist 25 Jahre alt. Wer den Angriff plante und wer die Waffe abfeuerte, bleibt jahrzehntelang ungeklärt.
Am 31. August 2026 fällt nun das erste Urteil in dem Fall. Eine Jury in Las Vegas spricht den 63-jährigen Duane Davis wegen Mordes ersten Grades unter Verwendung einer tödlichen Waffe schuldig. Die Geschworenen hatten weniger als drei Stunden beraten. Das Strafmaß soll im Oktober verkündet werden. Davis droht lebenslange Haft.
Eine Prügelei als Auslöser
Am Abend vor der Schießerei besucht Shakur einen Boxkampf von Mike Tyson im MGM Grand Hotel. Anschließend geraten er und Männer aus seinem Umfeld mit Orlando Anderson aneinander. Anderson ist der Neffe von Davis und gehört wie sein Onkel zu den South Side Compton Crips. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen, wie Anderson im Casino zusammengeschlagen wird.
Die Staatsanwaltschaft sieht darin den Auslöser für den späteren Angriff. Davis habe sich rächen wollen, eine Waffe besorgt und gemeinsam mit anderen Männern nach Shakur und Knight gesucht. Als sie deren BMW fanden, soll Davis die Pistole an die Männer auf der Rückbank weitergereicht haben.
Die Anklage musste nicht beweisen, dass Davis selbst den Abzug betätigte. Nach dem Recht des US-Bundesstaates Nevada kann auch schuldig sein, wer einen Mord plant, ermöglicht oder daran beteiligt ist. Wer aus dem Cadillac schoss, wurde im Prozess nicht abschließend festgestellt.
Davis war der einzige Mensch, der jemals wegen Shakurs Tötung angeklagt wurde. Die drei anderen Männer, die laut Ermittlungen im Cadillac saßen, sind inzwischen gestorben.
Seine eigenen Worte werden zum Beweis
Jahrzehntelang kommt die Untersuchung kaum voran. Davis spricht später jedoch wiederholt öffentlich über die Tatnacht. In Interviews und seinen 2019 erschienenen Memoiren beschreibt er, im Cadillac gesessen zu haben. Er schildert auch, wie die Waffe in den hinteren Teil des Wagens gelangt sei.
Diese Aussagen tragen schließlich dazu bei, dass die Ermittlungen gegen ihn neuen Schwung bekommen. Im September 2023 wird Davis festgenommen.
Vor Gericht distanziert er sich von seinen früheren Schilderungen. Sein Verteidiger Michael Sanft bezeichnet sie als erfundene Geschichten, mit denen Davis Aufmerksamkeit erzeugen und Bücher verkaufen wollte. Außer den Worten des Angeklagten gebe es keine verlässlichen Beweise, die ihn mit dem Mord verbinden würden.
Die Staatsanwaltschaft sieht darin dagegen wiederholte Eingeständnisse. Die Geschworenen folgen am Ende ihrer Darstellung und sprechen Davis schuldig.
Mehr als ein ungelöster Kriminalfall
Tupac Shakur gehörte schon mit 25 Jahren zu den einflussreichsten Rappern der Welt. Seine Lieder handelten von Armut, Rassismus und Polizeigewalt, aber auch von Ruhm, Feiern und seinem eigenen widersprüchlichen Leben. Weltweit wurden über 75 Millionen seiner Tonträger verkauft. 2017 wurde er in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen.
Sein Tod wurde lange mit dem Konflikt zwischen der Hip-Hop-Szene der amerikanischen West- und Ostküste verbunden. Plattenfirmen, persönliche Feindschaften und rivalisierende Gangs vermischten sich zu einer Erzählung, die Musik und reale Gewalt kaum noch voneinander trennte.
Um den Mord entstanden unzählige Theorien. Verdächtigt wurden Gangmitglieder, Menschen aus dem Musikgeschäft und andere Rapper. Viele Behauptungen wurden nie belegt. Das neue Urteil beantwortet nun eine wichtige Frage: Eine Jury hält Davis für den Mann, der den Angriff organisierte.
Es klärt jedoch nicht jedes Detail. Der konkrete Schütze wurde im Verfahren nicht zweifelsfrei bestimmt, und die Tatwaffe wurde nie gefunden. Auch das Urteil ist noch nicht rechtskräftig abgeschlossen. Auf die Verkündung des Strafmaßes können weitere rechtliche Schritte und eine Berufung folgen.
Fast 30 Jahre lang erzählte Davis seine Version der Nacht in Interviews und einem Buch. Seine Verteidigung wollte die Jury davon überzeugen, er habe gelogen. Nach weniger als drei Stunden entschieden die Geschworenen anders: Sie glaubten, dass seine Worte beschrieben, wie Tupac Shakur sterben musste.
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