Essstörungen gehören zum Alltag vieler Menschen. Verschiedene Studien zeigen, dass 5,5 bis 18 Prozent der jungen Frauen und bis zu zwei Prozent der jungen Männer bis zum frühen Erwachsenenalter von einer Essstörung betroffen sind. Trotz dieser hohen Zahlen werden Essstörungen häufig verharmlost oder zu spät erkannt, insbesondere im digitalen Raum. Dort finden es viele junge Menschen cool, wenig oder einseitig zu essen.
Es kann jeden treffen
Essstörungen treten weltweit auf und können Menschen jeden Geschlechts und Alters betreffen. Vor allem im Internet und in sozialen Medien werden Begriffe wie „ana“, „mia“, „arfid“ oder „bed“ häufig verwendet, teils als Abkürzungen, teils als Codes in Foren oder Online-Gemeinschaften. Diese Begriffe dienen nicht selten der Verharmlosung oder der verschleierten Darstellung problematischer Inhalte. Dadurch fällt es Außenstehenden oft schwer, gefährliche Beiträge rechtzeitig zu erkennen oder zu melden. Forschungen zeigen zudem, dass Online-Communities sowohl unterstützend wirken können als auch schädliche Verhaltensweisen verstärken.
Merkmale von Anorexie
Anorexie, auch „ana“ genannt, ist eine Essstörung, bei der Betroffene extrem wenig Nahrung zu sich nehmen und ein stark verzerrtes Körperbild entwickeln. Typisch sind eine anhaltende Gewichtsabnahme, eine intensive Angst vor Gewichtszunahme sowie eine falsche Wahrnehmung des eigenen Körpers – selbst bei deutlich niedrigem Körpergewicht. Diese Erkrankung kann schwerwiegende körperliche und psychische Folgen haben und ist oft lebensbedrohlich.
Charakteristika von Bulimie
Bulimie, häufig als „mia“ bezeichnet, ist gekennzeichnet durch wiederholte Essanfälle, bei denen große Mengen Nahrung in kurzer Zeit mit starkem Kontrollverlust verzehrt werden. Um eine Gewichtszunahme zu verhindern, greifen Betroffene anschließend zu unangemessenen Maßnahmen wie selbst herbeigeführtem Erbrechen, dem Missbrauch von Abführmitteln oder übermäßigem Sport. Bulimie kann zu erheblichen körperlichen Schäden führen, darunter Zahnschäden, Elektrolytstörungen und starke psychische Belastungen. Ärztlich wird Bulimie häufiger diagnostiziert als Anorexie, insbesondere bei jungen Erwachsenen.
BED ist die häufigste Essstörung
Die Binge-Eating-Störung (BED) ist durch wiederholte, unkontrollierbare Essanfälle gekennzeichnet, bei denen, im Gegensatz zur Bulimie, keine anschließenden kompensatorischen Maßnahmen erfolgen. Betroffene erleben diese Episoden häufig mit starken Scham- und Schuldgefühlen. Langfristig kann BED zu Übergewicht und ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Aktuelle Daten zeigen, dass BED die häufigste Essstörung ist und einen größeren Teil der Bevölkerung betrifft als Bulimie oder Anorexie.
ARFID im Kommen
Bei etwa zwei bis fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren führt die bislang kaum bekannte Essstörung ARFID (Abkürzung des englischen Fachnamens “Avoidant or Restrictive Food Intake Disorder”) zu einer dauerhaften und extremen Fixierung auf wenige Lebensmittel. So gibt es etwa Jugendliche, die nur Kartoffeln und Sauerkraft essen oder die ihre Lebensmittel ähnlich restriktiv wählen.
Es ist schade, wie sich junge Menschen dadurch selbst vernichten.
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