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Was Belgien schon weiß: Ein Vape-Verbot reicht nicht

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
15.08.2026
7 Min.

Einwegzigaretten mit und ohne Nikotin sind künftig verboten, das hat der Nationalrat noch vor der Sommerpause beschlossen. Belgien, das ähnliche Regeln schon 2025 einführte, zeigt allerdings: Ein Verbot allein löst das Problem nicht automatisch.

Benutzte Einweg-E-Zigaretten in einem Mistkübel. Ab Jahresende dürfen sie in Österreich nicht mehr verkauft werden, Erfahrungen aus Belgien zeigen aber, dass ein Verbot allein den Markt nicht verschwinden lässt. (Foto: Matheus Bertelli)

Lukas Gruber, 17, Schüler am Sacré Coeur Wien, kauft sich ungefähr eine Einweg-Vape pro Woche, meistens in einer Trafik. Ein Gerät kostet zwischen sieben und zwölf Euro und hält, je nach Zuggröße, einen bis drei Tage. „Kommt halt drauf an, wie viel ich grad rauche", sagt er. Angefangen hat er wegen der Aromen: „Ich glaub, am Anfang war's schon hauptsächlich wegen den Geschmäckern. Und es ist halt praktisch, weil du nicht dauernd eine normale Zigarette rauchst."

Vom geplanten Verbot hält er wenig: „Dass die Einweg-Vapes verboten werden sollen, find ich irgendwie schon verständlich, aber ich glaub nicht, dass dann plötzlich alle aufhören. Wenn man die unbedingt haben will, wird man wahrscheinlich trotzdem irgendwie drankommen." Dass Social Media dabei eine Rolle gespielt hat, streitet er nicht ab: „TikTok und Insta haben bei mir sicher auch ein bisschen was damit zu tun gehabt. Man sieht das halt dauernd und irgendwann ist es einfach normal. Ich hab jetzt nicht wegen irgendeinem Video angefangen, aber es beeinflusst einen wahrscheinlich schon."

Was der Nationalrat beschlossen hat

Am 7. Juli hat der Nationalrat eine Novelle zum Tabak- und Nichtraucherschutzgesetz beschlossen. Kernpunkt: Einweg-E-Zigaretten werden verboten, und zwar unabhängig davon, ob sie Nikotin enthalten oder nicht. Das Verbot soll mit Ende des Jahres 2026 greifen. Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) nennt zwei Gründe für das Gesetz: Jugendschutz und Entsorgung.

Zur Jugendschutz-Seite sagte sie im ORF-Radio, Einweg-E-Zigaretten würden „speziell auch auf Jugendliche" abzielen, wegen der Aromastoffe, die sie enthalten. Zur Entsorgung erklärte sie: „Wir haben ein großes Problem bei der Entsorgung, und wir haben uns dazu entschlossen, dass wir tatsächlich ein generelles Verkaufsverbot in Österreich einführen möchten."

Hinter Schulen, in Raucherecken, im Gully: Benutzte Vapes liegen oft einfach herum, halb voll oder leer geraucht. Wer eine Einweg-E-Zigarette in den Restmüll wirft, tut das schon jetzt falsch. Die Geräte enthalten fix verbaute Lithiumbatterien, die laut dem Verband der Entsorgungsbetriebe bei kleinster Reibung oder mechanischer Belastung Feuer fangen können. Rund drei Millionen davon landen laut Verband jährlich trotzdem im Restmüll, mit steigender Tendenz. Zusätzlich zum Verbot wird das Wegwerfen von Zigarettenstummeln oder Vape-Resten auf Spielplätzen ab 20. August 2026 mit einer Verwaltungsstrafe von 500 Euro geahndet, im Wiederholungsfall bis zu 2.000 Euro.

Die Zahl, um die es eigentlich geht

28 Prozent der 15-Jährigen in Österreich nutzen laut ESPAD-Schülerbefragung 2024 regelmäßig E-Zigaretten, ein großer Teil davon Einwegmodelle. Das ist keine Randerscheinung, das betrifft mehr als jede vierte Person in dem Alter. Was die Zahl zusätzlich problematisch macht: Das Nikotin in Einweg-Vapes liegt meist in Salzform vor, sogenanntes Nikotinsalz. Dadurch gelangt es schneller und in höherer Konzentration ins Blut als bei klassischen Zigaretten, was das Suchtpotenzial erhöht. Fachleute stufen Einweg-Vapes deshalb nicht als harmloses Lifestyle-Produkt ein, sondern als Einstiegsprodukt in eine Nikotinabhängigkeit, die früher meist erst mit der ersten Zigarette begann.

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) bringt es deutlich auf den Punkt: „Die Tabakindustrie greift mit immer neuen Nikotinprodukten an, die Jugend ist dem nahezu schutzlos ausgesetzt. Damit ziehen wir uns kontinuierlich neue Generationen von Nikotin-Abhängigen heran", sagt DGP-Präsident Wolfram Windisch laut einer Aussendung der Gesellschaft. Die Langzeitfolgen des Dampfens für Lunge und Herz-Kreislauf-System sind wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt, weil E-Zigaretten dafür schlicht noch zu neu sind. Erste Untersuchungen deuten aber auf Risiken wie Husten, Atemprobleme und ein erhöhtes Asthmarisiko hin.

Wie das Marketing gezielt Jugendliche erreicht

Dass ausgerechnet junge Menschen zur Zielgruppe werden, ist kein Zufall, sondern Strategie. Süße Aromen wie Bubblegum, Schokolade oder Frucht senken die Einstiegshürde, weil sie den bitteren, abschreckenden Geschmack klassischer Zigaretten vermeiden. Dazu kommt der Preis: Ein Einweg-Vape kostet meist weniger als eine Packung Zigaretten, ist aber genauso leicht zugänglich wie ein Snack am Kiosk.

Ein zweiter Hebel ist Social Media. In den USA zeigte eine 2024 veröffentlichte Studie, wie kleine Händler auf TikTok unter Hashtags wie „Puffbundles" E-Zigaretten zusammen mit Lipgloss oder Süßigkeiten verkaufen, um den eigentlichen Verkaufszweck zu verschleiern, berichtete das Fachportal Biermann Medizin über die Studie. Influencer bewerben Produkte im Lifestyle-Kontext, oft ohne erkennbare Werbekennzeichnung. Die Soziologin Waltraud Posch von VIVID, der Fachstelle für Suchtprävention in Graz, erklärt außerdem, wie stark schon die Wortwahl der Industrie das Bild verzerrt: „Sprache schafft Wirklichkeit. Sie beeinflusst das Denken, die Deutung der Wirklichkeit und wofür wir Handlungen wichtig finden, oder eben nicht", sagt Posch laut derselben DGP-Aussendung. Begriffe wie „risikoreduziert", „rauchfrei" oder „dampfen" klingen bewusst harmloser als „Rauchen", „Zigarette" oder „Sucht", obwohl die Wirkstoffe im Kern dieselben bleiben.

Wenn aus Ausprobieren Gewohnheit wird

Marie Hoffmann, 18, ebenfalls Schülerin am Sacré Coeur Wien, hat vor rund einem halben Jahr aufgehört. Geplant war das nicht: „Ich hab eigentlich gar nicht vorgehabt, richtig abhängig zu werden, aber irgendwann hab ich halt schon automatisch danach gegriffen. Vor allem wenn mir langweilig war oder wenn ich mit Freunden unterwegs war." Leicht war der Ausstieg nicht: „Aufzuhören war ehrlich gesagt zach. Die ersten paar Tage waren schon komisch, weil ich dauernd das Gefühl hatte, ich brauch jetzt einen. Ich glaub, ich hab vorher einfach unterschätzt, wie schnell man sich daran gewöhnt."

Am Verbot zweifelt sie trotzdem: „Das Verbot find ich grundsätzlich gut, aber ich frag mich schon, warum das erst jetzt kommt. Bei uns hat gefühlt jeder irgendwann so ein Ding gehabt. Ich glaub aber nicht, dass ein Verbot allein das Problem löst."

Pouches und E-Liquids

Die Novelle betrifft nicht nur Einweg-Vapes. Auch Nikotinbeutel, sogenannte Pouches, fallen künftig unter das Tabakmonopol. Das bedeutet: Verkauf nur noch in Trafiken und lizenzierten Fachgeschäften, ein Werbeverbot und ein Verbot des Versandhandels. Wer unter 18 ist, darf sie ohnehin nicht mehr bekommen. Bestehende E-Liquid-Fachgeschäfte, die nachfüllbare Verdampfer-Flüssigkeiten verkaufen, werden über ein Lizenzmodell ins Monopol eingegliedert und bekommen dafür eine 20-jährige Lizenz. Der Grüne Abgeordnete Ralph Schallmeiner merkte im Nationalrat an, dass klare Grenzwerte beim PH-Wert für Pouches bisher trotzdem fehlen, ein Punkt, an dem das Gesetz aus seiner Sicht noch nachschärfen müsste.

Zu schnell für die einen, zu zaghaft für die anderen

Nicht alle sind zufrieden, aus gegenteiligen Gründen. Die Branche, die Trafiken beliefert, hätte sich mehr Zeit gewünscht. Felix Schüller von der Firma Schüller & Sohn warnte im Ö1-Mittagsjournal, sein Unternehmen könnte im schlimmsten Fall „auf hohen Warenlagern sitzen" bleiben, wenn die Übergangsfrist zu kurz ausfällt. Die Branche hatte eine Übergangsregelung von mehr als einem Jahr vorgeschlagen, das Gesundheitsministerium kündigte laut Ö1 nur wenige Monate an.

Von der anderen Seite kommt Kritik, dass das Gesetz nicht weit genug geht. Schallmeiner räumte im Nationalrat ein, es sei „ein hartes Stück Arbeit" gewesen, der Novelle zuzustimmen. In Summe verbessere sich zwar einiges, in manchen Bereichen sei man aber „stecken geblieben". Konkret fragte er, warum Rauchen auf Spielplätzen nicht generell verboten wird, und kritisierte auch die vielen „Automaten mit Bewegtbildern", also blinkende Zigarettenautomaten, die er als weiteren ungelösten Punkt beim Jugendschutz nannte.

Was in anderen Ländern schon passiert ist

Österreich ist mit dem Verbot nicht allein, und andere Länder liefern bereits erste Erfahrungswerte. Belgien hat Einweg-Vapes schon zum 1. Januar 2025 verboten, als erstes EU-Land überhaupt. Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke begründete den Schritt damals mit der Vision einer „Generation ohne Tabak", wie zm-online berichtete. Anderthalb Jahre später zieht die Weltgesundheitsorganisation WHO Europa eine gemischte Bilanz: Kontrollen durch Testkäufe laufen zwar weiter, doch bei einer Untersuchung an Schulen stellte sich heraus, dass die meisten sichergestellten Vape-Geräte illegal waren, entweder verbotene Einwegprodukte oder Geräte mit überhöhtem Nikotingehalt. In einigen der beschlagnahmten Geräte fanden sich sogar illegale Drogen. Belgien reagiert darauf jetzt mit weiteren Schritten, etwa einem Verbot von Geräten mit besonders „attraktiven Funktionalitäten" und schärferen Aromaregeln nach dem Vorbild von Dänemark, Finnland und den Niederlanden.

Großbritannien zog im Juni 2025 nach. Vor dem Verbot wurden dort laut Schätzungen wöchentlich rund fünf Millionen Einweg-Vapes weggeworfen. Deutschland hat bislang kein eigenes Verbot und wartet auf eine EU-weite Regelung, die erst 2027 über die neue Batterieverordnung greifen soll, wonach Gerätebatterien leicht austauschbar sein müssen. Bis dahin, kommentierte die Berliner Zeitung, habe Deutschland schon jetzt einen „riesengroßen Schwarzmarkt" bei E-Zigaretten. Frankreich hat sich ebenfalls für ein Verbot entschieden, innerhalb der EU bleibt sonst nur Norwegen mit einem Totalverbot für sämtliche E-Zigaretten, auch wiederbefüllbare.

Was jetzt noch offen ist

Belgiens Erfahrung zeigt ziemlich deutlich, wohin die Reise auch in Österreich gehen könnte: Ein Verbot beendet den Zugang zu Einweg-Vapes nicht automatisch, es verschiebt ihn eher in einen unregulierten, illegalen Markt, auf dem Nikotingehalt und Inhaltsstoffe niemand mehr kontrolliert. Wie lang die Übergangsfrist für den heimischen Handel tatsächlich wird, stand bei Redaktionsschluss dieses Textes noch nicht endgültig fest. Ebenso offen ist, wie die Kontrolle in Österreich konkret organisiert wird, etwa ob es wie in Belgien gezielte Testkäufe oder Schulkontrollen geben wird.



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