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2,7 Prozent Inflation: Warum sich unser Alltag trotzdem nicht günstiger anfühlt

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
21.08.2026
3 Min.

WIRTSCHAFT CHECK. In dieser Kolumne beschäftigt sich unser Redakteur Simon Prinz mit Themen aus Wirtschaft und Konsum, die Jugendliche direkt betreffen. Er erklärt aktuelle Entwicklungen verständlich und sagt, was er darüber denkt. Heute geht es darum, warum sinkende Inflation nicht automatisch bedeutet, dass sich unser Alltag günstiger anfühlt.

Kolumnist Simon Prinz ärgert sich über teure Lebensmittel. (Foto: Simon Prinz )

Ich stehe beim Billa und hole mir eine Schnitzelsemmel und eine Cola Zero. 4,30 Euro kostet die Semmel, zwei Euro die Cola inklusive Pfand. Macht 6,30 Euro für einen Snack.

Kurz davor habe ich gelesen, dass die Inflation in Österreich gesunken ist. Im Juli lag sie laut Statistik Austria bei 2,7 Prozent, im Juni waren es noch 3,2 Prozent. Ich schaue auf meine 6,30 Euro und frage mich: Wo merke ich die sinkende Inflation eigentlich?

Die Antwort steckt in einem wichtigen Unterschied: Sinkende Inflation bedeutet nicht, dass Schnitzelsemmel, Cola oder ein Mittagessen wieder billiger werden. Die Preise steigen im Durchschnitt nur langsamer als zuvor. Das hohe Preisniveau, das sich in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, bleibt.

Ein paar Cent weniger im Supermarkt

Bei einigen Grundnahrungsmitteln gibt es inzwischen tatsächlich Preisrückgänge. Seit 1. Juli gilt für ausgewählte Produkte wie Milch, Butter, Eier, Reis, Nudeln, Brot sowie bestimmtes Obst und Gemüse eine niedrigere Mehrwertsteuer von 4,9 statt zehn Prozent. Kontrollen der Arbeiterkammer zeigen, dass viele Supermärkte die Senkung an ihre Kundinnen und Kunden weitergegeben haben.

Bei einem einzelnen Einkauf bleibt der Unterschied allerdings überschaubar. Bei einer Semmel waren es in einem ORF-Vergleich beispielsweise zwei Cent, bei einem Liter Vollmilch sieben Cent und bei einem Kilogramm Spaghetti ebenfalls sieben Cent. Der Budgetdienst rechnete mit einer durchschnittlichen Entlastung eines Haushalts von etwas mehr als sieben Euro pro Monat.

Sieben Euro weniger im Monat nehme ich natürlich gerne. Nur machen sie die vergangenen Jahre der Teuerung nicht plötzlich ungeschehen.

Warum sich die Preise trotzdem noch hoch anfühlen

Wenn ich heute einen Preis sehe, vergleiche ich ihn nicht nur mit dem vergangenen Monat. Ich erinnere mich auch daran, was dieselbe Sache vor ein paar Jahren gekostet hat. Und da wird der Unterschied deutlich.

Genau deshalb können zwei Dinge gleichzeitig stimmen: Die Inflation sinkt und trotzdem empfinden viele von uns die Preise weiterhin als hoch. Die 2,7 Prozent sagen nämlich, wie stark sich das Preisniveau derzeit verändert. Sie sagen nicht, dass die Preissprünge der vergangenen Jahre wieder verschwunden sind.

Dazu kommt, dass wir unser Geld unterschiedlich ausgeben. Statistik Austria berechnet die Inflation anhand eines Warenkorbs aus vielen verschiedenen Gütern und Dienstleistungen. Wer einen großen Teil seines Geldes für Lebensmittel oder Freizeit ausgibt, kann die Preisentwicklung deshalb anders erleben als jemand mit ganz anderen Ausgaben.

2,7 Prozent sind trotzdem eine gute Nachricht

Ich freue mich deshalb über die 2,7 Prozent. Eine niedrigere Inflationsrate ist besser als die hohen Werte, die Österreich in den vergangenen Jahren erlebt hat. Wenn die Preise langsamer steigen, ist das eine Verbesserung.

Nur sollte niemand erwarten, dass sich deshalb plötzlich alles günstig anfühlt. Dafür müssten die Preise tatsächlich wieder sinken – oder die Einkommen stärker steigen.

Beim nächsten Supermarktbesuch werde ich jedenfalls wahrscheinlich nicht vor dem Regal stehen und denken: Ah, herrlich, nur noch 2,7 Prozent Inflation.

Ich werde auf den Preis schauen.

Und der erinnert sich leider noch ziemlich gut an die Inflation der vergangenen Jahre.

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