Wirtschaft Österreich Fakten

2,6 Milliarden Euro Forderungen: Signa-Gläubiger zittern um ihr Geld

Profile Image
545
10
TOP 10 Autor
Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
1 Kommentar
12.08.2026
3 Min.

Die Signa Development ist seit Ende 2023 insolvent, doch damit ist die Geschichte noch lange nicht vorbei. Milliarden an Forderungen, Immobilienverkäufe und mögliche Rückzahlungen beschäftigen die Insolvenzverwalterin. Jetzt geht es vor allem um eine Frage: Was ist vom ehemaligen Immobilienimperium noch zu holen und wer bekommt am Ende Geld zurück?

Stillgelegte Baustellen sind nur ein Teil des Signa Zusammenbruchs. Jetzt werden Immobilien verkauft, Millionen zurückgefordert und mögliche Klagen vorbereitet. Die Abwicklung könnte noch bis 2027 dauern. (Foto: Mussklprozz / Wikimedia Commons)

Die Signa Development war ein wichtiger Teil des Immobilienimperiums rund um René Benko. Ende 2023 brach die Gesellschaft zusammen. Heute haben Gläubiger Forderungen von rund 2,6 Milliarden Euro angemeldet. Davon hat Insolvenzverwalterin Andrea Fruhstorfer bisher etwa 1,7 Milliarden Euro anerkannt. Einfach zusperren und die Firma löschen funktioniert bei solchen Summen nicht. Die Insolvenzverwalterin muss Vermögen sichern, verkaufen, Forderungen prüfen und anschließend das verfügbare Geld unter den Gläubigern verteilen. Das österreichische Justizministerium beschreibt diese Aufgaben als Kern eines Konkursverfahrens.

Aus Immobilien muss wieder Geld werden

Ein großer Teil der Arbeit besteht deshalb aus Verkaufen. Signa Development hielt Beteiligungen an Immobilienprojekten in Österreich, Deutschland, Italien und Luxemburg. Acht österreichische und drei deutsche Projekte wurden bereits verwertet. Ein Beispiel ist das Hotel Andaz Vienna am Belvedere. Der Verkauf brachte insgesamt 92 Millionen Euro ein, 25 Millionen davon entfallen laut Insolvenzbericht auf die Signa Development. Bei anderen Projekten funktioniert das deutlich schlechter. Für die sogenannte Neue Werft in Korneuburg war ein großes Wohn-, Büro-, Hotel- und Gastronomieprojekt geplant. Ein möglicher Investor konnte sich jedoch nicht mit der Stadt einigen, worauf auch die Besitzgesellschaft insolvent wurde.

Warum alte Zahlungen zurückgefordert werden

Parallel zu den Verkäufen prüft Fruhstorfer Geschäfte aus der Zeit vor der Insolvenz. Dabei geht es um sogenannte Anfechtungen. Vereinfacht gesagt wird geprüft, ob kurz vor dem Zusammenbruch noch Zahlungen oder andere Geschäfte stattgefunden haben, die rechtlich zurückgeholt werden können. Außergerichtlich kamen dadurch bereits rund 13 Millionen Euro zurück. Weitere etwa 24 Millionen Euro fordert die Insolvenzverwalterin in neun Verfahren vor dem Handelsgericht Wien. Fünf weitere Verfahren konnten bereits durch Vergleiche beendet werden.

Lieber vergleichen als jahrelang klagen

Auch ehemalige Verantwortliche, Berater und Versicherungen könnten noch zur Kasse gebeten werden. Mehrere Signa-Insolvenzverwalter versuchen derzeit, solche Haftungsfragen außergerichtlich zu lösen. Der Grund ist ziemlich simpel: Ein Vergleich kann schneller und günstiger sein als ein Prozess, der sich über Jahre zieht. Unbegrenzt wollen die Verwalter aber nicht warten. Fruhstorfer kündigte an, Klagen einzubringen, falls bis Oktober keine Lösung gefunden wird. Ihr Bericht enthält außerdem einen Satz, der zeigt, dass die Aufarbeitung noch lange nicht vorbei sein dürfte: „Es ist davon auszugehen, dass es zu weiteren Strafanzeigen kommt.“

Wann war Signa eigentlich wirklich pleite?

Eine entscheidende Frage klingt zunächst überraschend: Wann genau wurde die Signa Development insolvent? Damit ist nicht nur der Tag gemeint, an dem das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet wurde. Gerichte beschäftigen sich auch mit der sogenannten materiellen Insolvenz. Dieser Zeitpunkt ist erreicht, wenn ein Unternehmen tatsächlich bereits zahlungsunfähig oder überschuldet ist, obwohl offiziell noch kein Insolvenzverfahren läuft. Das ist wichtig, weil davon abhängen kann, welche früheren Zahlungen zurückgefordert werden dürfen. In einem Streit um knapp 3,3 Millionen Euro mit der deutschen RAG-Stiftung soll deshalb nun ein Sachverständiger diesen Zeitpunkt untersuchen.

Die Abwicklung der Pleite dauert Jahre

Fruhstorfer will die Signa Development sogar über Ende 2026 hinaus noch bis zu ein weiteres Jahr fortführen. Das sei eine „unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Verwertung“, schreibt sie in ihrem Bericht an das Insolvenzgericht. Mitte oder Ende 2027 soll das Vermögen schließlich vollständig abgewickelt sein.

Die Geschichte zeigt damit auch, warum die Schlagzeile „Unternehmen ist pleite“ nur der Anfang ist. Danach beginnt eine mühsame Suche nach Immobilien, Geld, Verantwortlichkeiten und alten Geschäften. Bei Signa geht es längst nicht mehr darum, das Imperium zu retten. Es geht darum herauszufinden, was davon noch zu Geld gemacht werden kann und wer am Ende überhaupt noch etwas zurückbekommt.


Kommentare