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24 Rubel billiger kurz vor Putins Besuch: Was hinter Russlands Benzinkrise steckt

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
19.08.2026
3 Min.

Kurz vor einem Besuch Wladimir Putins fiel der Benzinpreis an einzelnen Tankstellen in Krasnojarsk plötzlich um 24 Rubel pro Liter. Nach seiner Abreise stieg er wieder. Besonders auffällig ist der Zeitpunkt, weil Russland gleichzeitig mit Benzinmangel, Rationierungen und steigenden Treibstoffpreisen kämpft.

in Krasnojarsk fiel Benzin unmittelbar vor einem Besuch Wladimir Putins an einzelnen Tankstellen um 24 Rubel pro Liter. Nach seiner Abreise stieg der Preis wieder. (Foto: Richard Bell)

63 statt 87 Rubel pro Liter: In Krasnojarsk wurde Benzin Anfang August plötzlich deutlich billiger. An einzelnen Tankstellen fiel der Preis für einen Liter AI 92 innerhalb kurzer Zeit um 24 Rubel. Einen Tag später besuchte Wladimir Putin die sibirische Millionenstadt.

Nach Putins Abreise war der alte Preis wieder da. Der Betreiber erklärte die kurze Preissenkung mit zusätzlichen Lieferungen und einer vorübergehend besseren Versorgung. Ein Zusammenhang mit Putins Besuch ist bisher nicht belegt. Bemerkenswert bleibt die Entwicklung trotzdem, denn Russland steckt gleichzeitig mitten in einer landesweiten Benzinkrise.

Ein Ölland rationiert Benzin

Russland gehört zu den größten Erdölproduzenten der Welt. Trotzdem dürfen Autofahrer an zahlreichen Tankstellen derzeit nur begrenzte Mengen Benzin kaufen. Die Engpässe haben sich seit Mai verschärft und betreffen inzwischen weite Teile des Landes.

Mitte August galten in mindestens zehn Regionen erneut Beschränkungen. Auch in Moskau haben große Anbieter den Verkauf begrenzt. Rosneft erlaubt derzeit höchstens 30 Liter Benzin pro Fahrzeug, Gazprom Neft je nach Tankstelle 40 oder 60 Liter.

Für uns klingt das zunächst widersprüchlich: Wie kann einem Land mit riesigen Ölreserven Benzin ausgehen?

Rohöl allein fährt kein Auto

Bevor Benzin an der Tankstelle landet, muss Rohöl in Raffinerien verarbeitet werden. Genau dort liegt ein wichtiger Teil des Problems. Die Ukraine greift seit Monaten verstärkt russische Raffinerien und andere Teile der Energieinfrastruktur mit Drohnen an.

Mehrere Anlagen mussten ihre Produktion reduzieren oder zeitweise stoppen. Gleichzeitig steigt im Sommer der Bedarf an Treibstoff, unter anderem wegen Urlaubsverkehr und Landwirtschaft.

Die Folgen erreichen inzwischen die Tankstellen. In einigen Regionen bildeten sich lange Schlangen, unabhängige Anbieter verlangten zeitweise über 100 Rubel pro Liter.

Putin selbst räumte bereits Ende Juni Probleme bei der Versorgung ein.

Russland kauft inzwischen Benzin aus dem Ausland

Wie angespannt die Lage ist, zeigt ein ungewöhnlicher Schritt: Russland importiert inzwischen fertiges Benzin.

Im August erreichte eine Lieferung mit rund 68.000 Tonnen Benzin aus Indien einen russischen Hafen. Zusätzlich kommen Treibstoffe aus Belarus und Kasachstan. Die Regierung hat Exporte eingeschränkt und Qualitätsvorgaben gelockert, um den eigenen Markt besser zu versorgen.

Damit entsteht eine ungewöhnliche Situation. Russland verkauft große Mengen Rohöl ins Ausland und muss gleichzeitig fertigen Treibstoff importieren, weil die Verarbeitung im eigenen Land unter Druck steht.

Teurer Sprit bleibt nicht an der Tankstelle

Die Folgen gehen über Autofahrer hinaus. Russische Logistikunternehmen berichten von deutlich höheren Kosten. Treibstoffpreise stiegen in Teilen des Landes zuletzt um 16 bis 18 Prozent.

Das kann auch Lebensmittel, Kleidung und andere Waren verteuern. Fast alles, was wir in einem Geschäft kaufen, wurde irgendwann transportiert. Wird Diesel teurer, steigen deshalb oft auch die Kosten entlang der gesamten Lieferkette.

Für die russische Regierung kommt diese Entwicklung politisch ungelegen. Vom 18. bis 20. September wird die neue Staatsduma gewählt. Putin ist zwar selbst kein Kandidat, seine Partei Geeintes Russland dominiert das Parlament jedoch seit Jahren.

Wenn der Präsident kommt, wird es günstiger

Krasnojarsk war offenbar kein Einzelfall. Auch aus anderen Regionen wurde rund um Besuche Putins von plötzlich besserer Treibstoffversorgung oder sinkenden Preisen berichtet.

Gerade deshalb sorgten die Ereignisse im August in russischen sozialen Medien für Spott. Für Bewohner ist der Preis an der Tankstelle viel greifbarer als Statistiken über Wirtschaftswachstum oder Sanktionen.

24 Rubel machen bei einem Liter schon einen Unterschied. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern wären es 1.200 Rubel weniger.

Der kurze Preissturz in Krasnojarsk löst Russlands Benzinkrise nicht. Er macht sie aber sichtbar. In einem der größten Ölländer der Welt wurde Treibstoff ausgerechnet kurz vor dem Besuch des Präsidenten deutlich billiger. Kaum war seine Autokolonne wieder weg, stand an der Tankstelle wieder der alte Preis.


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