Wie viel ein Nebenjob tatsächlich bringt, ist auf den ersten Blick oft gar nicht so leicht zu erkennen. Vor kurzem habe ich deshalb ein Stelleninserat genauer unter die Lupe genommen. Auf der IKEA-Karriereseite öffne ich das Inserat „Mitarbeiter Abwasch 8h/samstags“. Direkt unter der Überschrift stehen acht Wochenstunden und Arbeit jeden Samstag laut Dienstplan. Beim Gehalt lese ich 2.440 Euro brutto monatlich – allerdings für 40 Vollzeitstunden. Auf acht Stunden umgerechnet sind das 488 Euro. Diese Zahl steht nicht im Inserat.
Österreich hätte die EU-Entgelttransparenzrichtlinie bis zum 7. Juni 2026 umsetzen müssen. Am 25. August war das noch nicht vollständig geschehen. Künftig sollen wir das Einstiegsgehalt oder eine Spanne spätestens vor dem Vorstellungsgespräch erfahren. In jeder Anzeige stehen muss diese Information deshalb nicht.
Für diesen Artikel untersuchte ich, ob Schülerinnen und Schüler schon im Inserat erkennen können, was sie für die ausgeschriebenen Stunden bekommen. Bei 17 Angeboten war das sofort möglich, bei drei erst nach einer Rechnung und bei fünf gar nicht.
Jan, 16, aus meinem Fußballverein möchte im nächsten Schuljahr seinen ersten Nebenjob beginnen. „Ich kenne oft weder den Stundensatz noch das Gehalt und weiß nicht, wie Urlaub oder Krankenstand geregelt sind“, sagt er. Besonders ärgert ihn eine Absage wegen seines Alters. „Ich werde bald 17. Was soll sich in diesen paar Monaten ändern?“
Zwei Samstage, zwei Arten von Klarheit
Am 25. August 2026 öffnete ich 25 Samstagsjobs, flexible Nebenjobs und Ferienstellen in Wien. Sie mussten neben der Schule oder in den Ferien möglich sein und durften kein Studium verlangen. In eine Tabelle trug ich Arbeitszeit, Bruttolohn und Mindestalter ein. Bewertet wurde nur, was direkt im Inserat stand, nicht eine mögliche spätere Überzahlung.
Zwei HOFER-Filialen nannten für neun Samstagsstunden 553 Euro brutto monatlich, mit Kassiertätigkeit 576 Euro. Bei IKEA Strebersdorf standen für acht Stunden 507 Euro. Ein Blick genügt: So viel bringt der freie Samstag.
Auch Lidl mit 14,67 Euro und Takko mit 13,50 Euro nannten Stundenlöhne. Für Schulveranstaltungen gab es 16,50 Euro, für Eventservice 15,85 Euro, für Schwimmkurse 15 bis 30 Euro. VIBEworks bot 17,80 bis 25 Euro, ein Babysitterjob 18,07 bis 25 Euro. Beim Filmfestival standen 13 bis 20 Euro, bei Frankly 16 bis 20 Euro, bei Wirbelwind 13,09 Euro. Der SC Maccabi Wien zeigte für sechs bis acht Stunden Fußballtraining 200 bis 300 Euro monatlich.
Drei Ferienjobs nannten Monatsbeträge: 952 Euro bei der Stadt Wien, 2.500 bis 3.500 Euro bei Temmel und 2.800 bis 4.600 Euro beim Kinderhilfswerk. Die letzten beiden verlangten Vollzeitarbeit in den Ferien. Damit waren 17 Löhne direkt verständlich.
Wenn große Zahlen zusammenschrumpfen
Drei weitere Beträge ließen sich berechnen, aber erst nach genauerem Lesen. HOFER Floridsdorf suchte für neun bis zwölf Stunden, zeigte jedoch nur 553 Euro für neun. IKEA Wien Nord nannte für acht Stunden lediglich den Vollzeitbetrag von 2.440 Euro. Daraus ergeben sich 488 Euro monatlich.
Am stärksten täuschte die Größe der Zahl bei TOM TAILOR: Neben 8,5 Samstagsstunden standen 35.910 Euro Jahresbrutto. Das ist ausdrücklich der Betrag für Vollzeit. Der Handelskollektivvertrag 2026 geht von 38,5 Wochenstunden aus. Für 8,5 Stunden bleiben rund 7.928 Euro jährlich, aufgeteilt auf 14 Zahlungen von etwa 566 Euro brutto.
Bei den übrigen fünf Anzeigen fehlte die zweite Hälfte der Rechnung. GUESS und drei NEW YORKER Filialen nannten 2.251 Euro für Vollzeit, aber weder die Samstagsstunden noch den passenden Monatslohn. INTERSPAR zeigte bei einem geringfügigen Samstagsjob ebenfalls nur 2.251 Euro auf Vollzeitbasis. Ohne Stunden lässt sich daraus kein verlässlicher Teilzeitlohn berechnen.
19 leere Felder beim Alter
Nur sechs Angebote nannten ein Mindestalter. Die beiden IKEA-Stellen, Wirbelwind und Temmel verlangten 18 Jahre, das Kinderhilfswerk 17, die Stadt Wien mindestens die zehnte Schulstufe. Die EU-Richtlinie ändert daran nichts. Laut Arbeiterkammer gelten für Unter-18-Jährige besondere Schutzregeln. Mit dem 17. Geburtstag fallen diese nicht plötzlich weg.
Urlaub und Krankenstand müssen ebenfalls nicht im Inserat erklärt werden. Die gesetzlichen und kollektivvertraglichen Ansprüche gelten trotzdem.
Wer kennt hier den Preis?
Nico, 17, aus meiner Parallelklasse, bekam die fehlende Zahl auch im Vorstellungsgespräch nicht einfach genannt. „Ich wurde gefragt, was ich glaube, dass ich verdiene“, sagt er. „Woher hätte ich wissen sollen, was im Kollektivvertrag steht?“ Das Unternehmen kannte sein Budget, Nico sollte zuerst raten.
Derzeit verlangt das österreichische Gesetz grundsätzlich das kollektivvertragliche oder gesetzliche Mindestentgelt und gegebenenfalls einen Hinweis auf Überzahlung. Eine realistische Spanne ist nicht vorgeschrieben. Künftig müssen Bewerberinnen und Bewerber das Einstiegsgehalt oder eine Spanne rechtzeitig vor dem Gespräch erhalten. Ob diese Zahl schon im Inserat stehen muss, entscheidet Österreich bei der noch offenen Umsetzung.
Die neue Regel beendet also nicht automatisch unklare Anzeigen. Sie soll aber verhindern, dass wir ohne Vergleichswert in die erste Gehaltsverhandlung gehen.
Wenn Arbeitgeber schon unseren ersten Lohn verstecken, warum sollen ausgerechnet wir wissen, was wir wert sind?
Kommentare
Als jemand, der mit 15-16 Jahren schon einen Samstag- oder Ferienjob neben der Schule machen möchte, war das sehr hilfreich für mich!