Mit 17 zum ersten Mal allein hinters Steuer, ohne Eltern am Beifahrersitz: Für viele Jugendliche ist das der Moment, auf den sie jahrelang hinfiebern. Doch bevor dieser Moment kommt, steht eine Rechnung, die viele unterschätzen. Wer heute in Österreich den Führerschein macht, zahlt oft mehr, als ein durchschnittlicher Ferialjob im ganzen Sommer einbringt.
Ein Preis, der jedes Jahr steigt
Die Zahlen der Arbeiterkammer Oberösterreich zeichnen ein deutliches Bild. Für die klassische Ausbildung der Klasse B mit 32 Theorielektionen und 18 Fahrstunden werden 2026 zwischen 1.580 und 2.177 Euro fällig, im Durchschnitt 1.932 Euro. Beim beliebten L17-Modell, der vorgezogenen Lenkberechtigung, liegen die Preise zwischen 1.670 und 2.149 Euro, im Schnitt bei 1.939 Euro. Gegenüber dem Vorjahr sind die Preise laut AK um durchschnittlich 2,56 Prozent gestiegen. Besonders auffällig ist die enorme Spanne: Bis zu 597 Euro Unterschied trennen die teuerste von der günstigsten Fahrschule bei exakt gleicher Leistung. Und das ist oft noch nicht das Ende, denn jede zusätzliche Fahrstunde, die viele Fahrschülerinnen und Fahrschüler brauchen, kostet noch einmal zwischen 70 und 120 Euro extra.
Warum der L17 trotzdem lockt
Trotz der hohen Kosten entscheiden sich viele Jugendliche bewusst für den L17. Das Modell erlaubt es 17-Jährigen, nach der Grundausbildung ein Auto in Begleitung einer eingetragenen Person zu lenken und dabei insgesamt 3.000 Kilometer Übungsfahrten zu sammeln, bevor sie mit 18 allein fahren dürfen. Diese lange Übungsphase gilt als einer der Gründe, warum L17-Absolventinnen und -Absolventen später in weniger Unfälle verwickelt sind. Für viele Familien am Land ist der frühe Führerschein ohnehin keine reine Freizeitfrage, sondern Voraussetzung dafür, dass Jugendliche zur Arbeit, zur weiterführenden Schule oder zum Sport kommen, wenn Busse und Bahnen nur selten fahren. Genau deshalb trifft die Preissteigerung jene am härtesten, die am wenigsten Alternativen haben.
Wenn die Fahrschule pleitegeht
Ein Risiko, das viele überhaupt nicht auf dem Schirm haben, betrifft vorausgezahlte Beträge. Wer den gesamten Führerschein im Voraus bezahlt und dann pech hat, kann sein Geld verlieren. „Bei Fahrschulinsolvenzen oder behördlichen Schließungen in den letzten Jahren haben viele hundert Betroffene die vorausgezahlten Beträge verloren“, berichtet die Arbeiterkammer Oberösterreich. AK-Präsident Andreas Stangl fordert von der Bundesregierung deshalb klare gesetzliche Regeln. „Am einfachsten wäre eine verpflichtende Teilzahlung per Gesetz nach Leistungserbringung und ohne Zusatzkosten. Außerdem ist es an der Zeit, dass alle Fahrschulen ihre Preise verpflichtend auf ihren Websites bekannt geben müssen“, sagt Andreas Stangl, Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich. Denn bei der AK-Erhebung war in gleich sechs oberösterreichischen Bezirken keine einzige Fahrschule bereit, ihre Preise überhaupt bekanntzugeben.
Die Suche nach günstigeren Wegen
Dass die Kosten zum politischen Thema geworden sind, zeigt sich auch international. In Deutschland, wo der Führerschein im Schnitt bereits rund 3.000 Euro kostet, prüft ein eigenes Gremium Möglichkeiten zur Kosteneindämmung, unter anderem den Einsatz von Fahrsimulatoren, die einen Teil der Fahrstunden ersetzen könnten. Manche Fahrschulen setzen bereits auf solche Simulatoren, andere auf transparente Paketpreise, in denen die erste Prüfung und Verwaltungskosten bereits enthalten sind. Für Fahrschülerinnen und Fahrschüler bleibt der beste Hebel trotzdem der Vergleich: Wer sich vorab die Preise mehrerer Fahrschulen ansieht, auf kostenlose Wiederholungsmöglichkeiten und Übungsparkplätze achtet und gut vorbereitet in die Prüfung geht, spart am Ende schnell mehrere hundert Euro.
Der Sommer, der für den Führerschein draufgeht
Am Ende bleibt der Führerschein für viele Jugendliche genau das, was er immer war: ein Stück Freiheit, das hart erarbeitet werden muss. Nur ist dieses Stück Freiheit heute teurer denn je, oft teurer als der ganze Ferialjob, mit dem es finanziert wird. Und während der eine mit 17 zum ersten Mal allein losfährt, überlegt der andere längst, ob sich das alles überhaupt noch auszahlt - oder ob das Klimaticket am Ende nicht doch das günstigere Ticket in die Selbstständigkeit ist.
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