Ich sitze auf der Schulbank, das Handy sollte irgendwo in meiner Nähe sein oder zumindest in meinem Spint, damit ich später einen Blick darauf werfen kann. Doch das Handy ist weit weg, zuhause und für mich "out of order".
Eigentlich bin ich es gewohnt, fast ständig darauf zu schauen, Nachrichten, Snapchat, Instagram. Doch jetzt, am ersten Tag des Handyexperiments, darf ich es nicht benutzen. Dieses plötzliche Gefühl, als würde etwas fehlen, ist seltsam und gleichzeitig spannend. Ich schaue auf meine Mitschüler und merke, dass wir alle irgendwie die gleiche Unsicherheit teilen.
Bestimmt haben einige von euch schon vom sogenannten „Handyexperiment“ gehört. Dabei verzichten Schüler und Schülerinnen 21 Tage lang auf ihr Smartphone, inklusive sozialer Medien. Besonders hart war das für Snapchat-Nutzer:innen, denn hier müssen zwei Personen täglich Bilder austauschen, um sogenannte „Flammen“ zu behalten, was einen hohen Suchtfaktor bedeutet.
Wie viel sind wir eigentlich am Handy?
Manche Schüler und Schülerinnen an unserer Schule berichten von einer täglichen Bildschirmzeit von bis zu 16 Stunden. Das ist irre! Gut, dass das Handy endlich weg ist.Laut dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz verbringen österreichische Jugendliche im Durchschnitt etwa 3,5 bis fast 4 Stunden täglich am Handy, Fernsehen und Computer nicht eingerechnet.
Unsere Schule hat ebenfalls am Experiment teilgenommen, und die Ergebnisse waren überraschend. Manche SchülerInnen litten unter Entzugserscheinungen wie Aggressionen oder Kopfschmerzen. Gleichzeitig ging es vielen nach der Erfahrung deutlich besser: Sie haben neue Aktivitäten gefunden. Ich zum Beispiel habe fast jeden Tag mit meinen Freunden Tischtennis gespielt.
Meine Freunde und ich haben unser Handy schon vorher nur 30 bis 50 Minuten am Tag genutzt, weit unter dem Durchschnitt. Daher war die Challenge für uns nicht besonders schwer, wir haben uns sogar die zusätzliche Aufgabe gestellt, komplett auf Bildschirme und Internet zu verzichten. Am Anfang war es trotzdem ungewohnt: Man greift automatisch nach dem Handy, nur um festzustellen, dass es ja Teil des Experiments ist. Es hat eine Weile gedauert, bis man das wirklich verinnerlicht.
Es gab aber auch Mitschüler:innen, die stärkere Entzugserscheinungen hatten. Eine Schülerin konnte ohne ihr Handy kaum schlafen und war während der Schulzeit ständig müde, da sie sonst 16 bis 17 Stunden am Tag am Bildschirm verbrachte. Für sie war das Experiment besonders hart, aber langfristig hat es ihr gutgetan: Sie reduziert jetzt ihre Bildschirmzeit deutlich und hat sich entschieden, in der Schule auf das Handy zu verzichten.
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