Schweren Herzens lösen sich die Teenager in Gänserndorf von einem ausschlaggebenden Teil ihres Alltags. 3 Wochen ohne das eigene Smartphone, in dem eigentlich für viele ein Großteil des Lebens steckt. Für manche keine Herausforderung. Für andere jedoch bedeutet kein Handy Schlafmangel und Entzugserscheinungen. Ein Experiment, das das gesamte Konzept des Gruppenzwangs verdreht.
Im Rahmen eines kontrollierten Experiments des ORF verzichteten bereits im November einige Schüler:innen in Gänserndorf 21 Tage auf ihr Smartphone. Jetzt startet das Experiment in die 2. Runde. 62.000 Schüler:innen in ganz Österreich haben sich entschlossen, daran zu partizipieren. Mit vorgegebenen Schritten tasten sich die einzelnen Schulen an das Experiment. Einige sind schon ganz aufgeregt auf die Vorzüge, jedoch steht die Angst auch im Vordergrund der Teilnehmenden.
Wie bereitet man sich denn auf 3 Wochen ohne Smartphone vor?
Das Hauptproblem zu beheben hat bei den meisten die höchste Priorität: Kommunikation. Viele kaufen sich, wie es bereits die Schüler:innen im November taten, ein Tastenhandy, um doch noch einen gewissen Kontakt aufrechtzuerhalten. Für die nötigsten Dinge wie den Kontakt zu den Eltern. Die nächste große Frage: Was tue ich denn dann in meiner Freizeit? Einige suchen sich ebenfalls alternative Beschäftigungen und sammeln Ideen zum Zeitvertreib.
Ich zum Beispiel kaufte mir nach langem wieder ein Buch und schrieb mir eine Bucket-List mit all den dingen die ich seit Monaten aufschiebe, wie etwa meinen Schrank auszumisten. Meine Mitschüler:innen sagen mir, dass sie sich nach dem Tastenhandy direkt ein MP3-Player organisiert haben. Meist findet man diesen Schatz in den alten Sachen der Eltern. Jedoch verzichte ich in diesen 3 Wochen lieber ganz auf die Musik und versuche mich an ein Leben ohne ständige Unterhaltung in meinen Ohren (soweit es mir möglich ist). Allerdings konnte ich durch den altmodischen Wecker meine größte Sorge des Handyexperimentes beheben.
Warum machen wir Schülerinnen das denn freiwillig?
So ein Entzug klingt ja ganz hart, hat allerdings viele wertvolle Vorzüge, die den einzelnen Schüler:innen die notwendige Motivation geben. Eine Schülerin der Schule KLEX in der Steiermark berichtete, dass sie vorhabe, ihren Fokus auf wichtigere Dinge wie etwa die Schule oder ihre Familie zu lenken. Sie meinte, dass ihr Mobiltelefon immer ein Hindernis zwischen ihr und der Produktivität wäre. Sie habe so Zeit, endlich ihre Ziele ohne eine Ausrede zu erreichen. Selbst wenn es nur eine Matheaufgabe ist.
Ich selbst habe große Erwartungen an das Experiment. Ich habe bemerkt, dass ich an einem Punkt angekommen bin an dem ich nur das Nötigste auf den letzen Drücker mache. Dies machte stängigen Stress und Sorgen zu einem wesentlichen Teil meines Alltags, was auf lange Zeit einfach nicht gut geht. Ich erhoffe mir, dass die Abwesenheit des wesentlichsten Störfaktors, mir einen gesünderen, strukturierteren und effektiveren Alltag und eine feste Routine in mein Leben bringt.
Ebenfalls stellt das Experiment das Konzept des Gruppenzwangs auf den Kopf. Ein Hauptgrund für Aktivitäten und Zeit auf Social Media ist der Gruppenzwang und die Angst, etwas zu verpassen. Mit dem Experiment sind die Menschen, die nicht auf ihr Handy verzichten, die Außenseiter.
Die Sorgen und Ängste
Trotz all dieser Vorzüge des Experiments ist das Smartphone ein wesentlicher Teil des Alltags. Wir sind mittlerweile sehr abhängig, denn in so einem kleinen Endgerät steckt doch mehr, als wir vielleicht glauben. Seien es Kontakte, die Uhrzeit, die Kamera, Suchmaschinen oder die Bus-Bahn-Bim-App. Ohne das Smartphone gibt es doch Herausforderungen. Am meisten besorgt uns Schüler:Innen der fehlende Kontakt zu den Freunden oder die starke Sorge, etwas zu verpassen. Die größte Sorge bleibt aber die Langeweile.
Mit dem Experiment stellt sich natürlich die Frage: Wie viele Schüler:innen werden es denn wirklich schaffen, die vollen 21 Tage auszuhalten? Wie hart ist die Umstellung des gesamten Alltags denn wirklich? Mit welchen Herausforderungen kämpfen die Teilnehmenden denn schlussendlich wirklich? Aber am spannendsten: Welchen Einfluss hat das Experiment auf unser Leben?
Ich hoffe das Experiment hilft mir dabei, mehr Kontrolle und Struktur in mein Leben zu bringen, genauso hoffe ich, ich schaffe es mich von all dem, was mich plagt zu entgiften. Am Ende des Tages, haben unsere Eltern ja Recht: Es liegt an dem Smartphone!
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