Der Zug steht am Bahnsteig. Ich ziehe meinen Koffer hinter mir her, neben mir meine beste Freundin und mein Freund. Wir haben jeder einen Koffer dabei und warten auf unseren Nachtzug nach Südfrankreich. Ein Flugzeug zu nehmen, kommt für uns gar nicht infrage. Denn im Jahr 2046 gibt es für Urlaubsreisen keine Flüge mehr, weil wir unsere Umwelt und das Klima zu stark zerstört haben. Auch mit dem Auto fährt niemand mehr quer durch Europa. Der Zug ist das Verkehrsmittel, mit dem wir reisen müssen. Und das ist auch gut so. Zugfahren ist herrlich!
Ich sehe uns schon vor meinem geistigen Aug: Gepäck verstauen, Plätze suchen, einsteigen. Endlich sitzen wir. Wir machen es uns im Abteil gemütlich, holen unser Essen heraus und reden über unsere Pläne. Wer will morgen zuerst ans Meer? Wo fahren wir mit den Fahrrädern hin? Irgendwann werden wir müde. Draußen ziehen die Lichter vorbei, dann wird es dunkel. Wir gehen schlafen.
Nach der Ankunft fahren wir zu unserem kleinen Ferienhaus. Wir stellen die Koffer ab und dann geht es endlich ans Meer. Wir springen ins Wasser, liegen in der Sonne und holen uns zwischendurch ein Eis. Niemand muss auf die Uhr schauen oder überlegen, wann wir wieder weiterfahren müssen.
Genau so stelle ich mir meinen Urlaub im Jahr 2046 vor: mit Menschen, die mir wichtig sind, neuen Orten und viel Zeit. Nicht möglichst viel erleben zu müssen, sondern einfach den Tag genießen zu können.
Warum Südfrankreich?
Südfrankreich stelle ich mir schon heute als perfekten Urlaubsort vor: warmes Wetter, Meer, gutes Essen und kleine Orte, in denen man einfach herumgehen kann. Ich möchte dort nicht jeden Tag einen genauen Plan haben. Viel lieber würde ich ausschlafen, spontan entscheiden, was wir machen, und einfach die Zeit genießen.
Heute fahre ich meistens mit dem Auto auf Urlaub. Besonders lange Autofahrten finde ich manchmal anstrengend. Man sitzt stundenlang im Auto und wartet eigentlich nur darauf, endlich anzukommen. In meiner Vorstellung vom Jahr 2046 ist das anders: Das Auto bleibt zu Hause und auch das Flugzeug ist keine Möglichkeit mehr. Für lange Strecken nehmen wir den Zug.
Dass Nachtzüge in Zukunft wieder wichtiger werden könnten, passt zu meiner Vorstellung vom Reisen. Auch aus Klimasicht könnte diese Art des Reisens wichtiger werden.
Wie sah Traumurlaub früher aus?
Mich interessiert aber auch, ob sich solche Vorstellungen mit der Zeit verändern. Deshalb habe ich meine Tante Sabine, 42, gefragt, wie sie sich früher ihren Traumurlaub vorgestellt hat. „Mein Traumurlaub war früher ganz einfach: Sonne, Meer und einfach einmal abschalten. Ich wollte neue Länder entdecken und möglichst viel erleben“, sagt sie. Im Grunde ist es heute für viele Menschen also noch genauso.
Vielleicht werde ich in 20 Jahren selbst ganz anders über Urlaub nachdenken. Was heute für mich wichtig ist, muss es dann nicht mehr sein. Ich hoffe, dass eines gleich bleibt: mit Menschen unterwegs zu sein, die mir wichtig sind, neue Orte zu sehen und trotzdem nicht ständig Stress zu haben.
Und wenn ich dafür am Abend in einen Nachtzug steigen muss, um am nächsten Morgen am Meer aufzuwachen, wäre das für mich genau der richtige Urlaub.
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