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2.000 Euro brutto: Reicht das für unser erstes eigenes Leben?

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
14.08.2026
5 Min.

Erster Vollzeitjob, erste Wohnung, eigenes Geld. 2.000 Euro brutto klingen zunächst nach ziemlich viel. Mit Leon, Paul und Elias habe ich ausprobiert, wie weit wir damit tatsächlich kommen würden.

 

Sieht nach mehr aus, als es ist: Kämen wir mit 2.000 Euro brutto durch? (Foto: Shutterstock)

Zwischen zwei Übungen im Gym lege ich Leon, Paul und Elias einen Zettel auf die Bank. Ganz oben steht nur eine Zahl: 2.000 Euro brutto. Leon und Elias sind 17, Paul ist 19 und kein Schüler mehr. Die Aufgabe klingt einfach: Stellt euch vor, das ist euer erstes Gehalt. Ihr wollt von zu Hause ausziehen und euer Leben selbst bezahlen. Reicht das?

Leon überlegt kurz und schätzt, ungefähr 1.600 Euro würden tatsächlich auf seinem Konto landen. Damit liegt er ziemlich gut. Laut Brutto-Netto-Tabelle der Wirtschaftskammer bleiben 2026 bei 2.000 Euro Monatsbrutto in einem Standardfall rund 1.627 Euro netto.

Von 2.000 Euro bleiben rund 1.627 Euro

So sieht die Rechnung für unser Experiment aus:

Monatliches Gehalt
Bruttogehalt2.000,00 €
Sozialversicherung und sonstige gesetzliche Abzügeca. 373 €
Netto am Kontoca. 1.627 €

Die genaue Abrechnung kann je nach persönlicher Situation abweichen. Für unser Experiment rechnen wir mit rund 1.627 Euro netto.

Und jetzt beginnt die interessantere Rechnung. Denn diese 1.627 Euro sind nicht das Geld, das jeden Monat für Freizeit übrig bleibt. Davon müssen wir erst leben.

Würdet ihr diese Wohnung nehmen?

Die nächste Zahl auf unserem Zettel lautet 700 Euro. So viel kostet unsere Beispielwohnung monatlich. Paul sagt relativ schnell Ja. Auch für Leon wirkt sie zunächst leistbar. Elias will zuerst wissen, was noch dazukommt.

Noch bevor der erste Monat beginnt, werden 2.100 Euro fällig. Für unser Beispiel nehmen wir drei Monatsmieten Kaution an. Paul braucht einen Moment. „2.100 Euro nur am Anfang?“, fragt er.

Alle drei bekommen deshalb gedanklich 3.000 Euro Erspartes. Nach der Kaution wären davon noch 900 Euro verfügbar. Elias wäre das zu wenig. Eine unerwartete Rechnung oder ein kaputtes Handy könnte einen großen Teil dieser Reserve aufbrauchen.

Dann rechnen wir den ersten Monat.

Was noch bezahlt werden mussUnser Beispiel
Wohnen700 €
Lebensmittel und Drogerie300 €
Öffis51 €
Handy und Internet35 €
Kleidung und Freizeit100 €
Reserve für kleinere ungeplante Ausgaben100 €
Gesamtausgaben1.286 €
Übrig von rund 1.627 € netto341 €

Die Beträge sind unser Beispiel und kein allgemeingültiger Durchschnitt. Je nachdem, wo und wie jemand lebt, können einzelne Kosten deutlich höher oder niedriger ausfallen.

Leon holt für die Rechnung sein Handy heraus. Paul merkt, dass er bei seiner ersten Einschätzung mehrere Ausgaben gar nicht bedacht hatte, und muss darüber lachen. Von den 2.000 Euro oben auf unserem Zettel sind nach den Abzügen und unserem Beispielmonat noch 341 Euro frei.

Dabei fehlen Dinge, die für viele von uns ebenfalls zum Leben gehören: Fitnessstudio, Streamingabos, Essen gehen, Urlaub oder größere Anschaffungen.

„Nur 50 Euro im Monat“

Dann geht in unserem Experiment das Handy kaputt. Ein neues Smartphone wird mit 50 Euro monatlich beworben.

Leon findet die Rate zunächst überschaubar. Paul fragt: „Wie lange ich die 50 Euro zahlen muss. Sonst weiß ich ja nicht, was das Handy insgesamt kostet.“

Nehmen wir 36 Monate an. Leon öffnet wieder den Taschenrechner: 50 mal 36 sind 1.800 Euro. Für diesen Gesamtbetrag würde er das Handy nicht mehr nehmen.

Aber hier ist eine wichtige Unterscheidung nötig: Die 1.800 Euro bedeuten nicht automatisch, dass darin Zinsen stecken. Wenn das Gerät selbst 1.800 Euro kostet und es sich um eine echte 0-Prozent-Finanzierung ohne zusätzliche Kosten handelt, bleiben 36 Raten zu 50 Euro auch insgesamt 1.800 Euro.

Ratenzahlungen können aber sehr wohl Zinsen und andere Kosten enthalten. Die Arbeiterkammer fand bei untersuchten Ratenangeboten Effektivzinsen von null bis über 20 Prozent. 0-Prozent-Finanzierungen gibt es ebenfalls, häufig im Rahmen bestimmter Aktionen oder Bedingungen.

Bei einem Handy mit Mobilfunkvertrag wird es noch komplizierter. Ein niedriger Gerätepreis bedeutet nicht automatisch, dass das Handy besonders billig ist. In die Gesamtrechnung können auch monatliche Tarifkosten, Vertragsbindung und weitere Kosten einfließen. Die Arbeiterkammer rät deshalb, die Gesamtkosten über die gesamte Vertragsdauer zu vergleichen. Die Frage lautet also nicht nur: Kann ich mir 50 Euro im Monat leisten? Sie lautet: Was bezahle ich insgesamt?

Wenn aus 50 Euro wirklich mehr wird

Um zu zeigen, was Zinsen ausmachen können, müssen wir deshalb Handy und Finanzierung getrennt betrachten.

Angenommen, wir finanzieren einen Kaufpreis von 1.500 Euro über 36 Monate. Bei einer 0-Prozent-Finanzierung ohne weitere Kosten zahlen wir insgesamt 1.500 Euro zurück.

Bei einer Finanzierung mit Zinsen liegt der Gesamtbetrag höher. Wie hoch, hängt vom konkreten Effektivzins und möglichen zusätzlichen Kosten ab. Genau deshalb muss bei einem echten Angebot der zu zahlende Gesamtbetrag geprüft werden, statt aus einer Monatsrate auf die Kosten zu schließen.

Die Arbeiterkammer weist bei Ratenkäufen ausdrücklich darauf hin, dass neben Null-Prozent-Angeboten auch Finanzierungen mit hohen Effektivzinsen angeboten werden. Der effektive Jahreszins ist dabei besonders wichtig, weil er neben den Zinsen bestimmte weitere Kosten berücksichtigt und Angebote dadurch besser vergleichbar macht.

Paul konnte mit dem Begriff zunächst wenig anfangen. „Keine Ahnung. Irgendein Zinssatz für Kredite“, sagt er. Leon kommt näher: Er glaubt, der Wert zeige, wie teuer ein Kredit inklusive Kosten wirklich ist.

Gleiche Kopfhörer, andere Rechte

Zum Schluss bekommen die drei noch Kopfhörer, zumindest gedanklich. Wir bestellen sie online und entscheiden nach zehn Tagen, dass wir sie doch nicht wollen. Paul hätte erwartet, dass wir sie innerhalb von 14 Tagen zurückgeben können. Elias ebenfalls. Bei vielen Onlinekäufen besteht tatsächlich grundsätzlich ein 14-tägiges Rücktrittsrecht, wobei es Ausnahmen gibt.

Dann ändere ich nur eine Sache: Wir kaufen dieselben mangelfreien Kopfhörer direkt in einem Geschäft. Jetzt gibt es kein allgemeines gesetzliches 14-Tage-Rücktrittsrecht, nur weil sie uns nicht mehr gefallen. Ein Geschäft kann einen Umtausch freiwillig anbieten.

Gleiche Kopfhörer, gleiche zehn Tage. Trotzdem macht es einen Unterschied, wo wir sie gekauft haben.

341 Euro

Unser Zettel ist inzwischen ziemlich voll. Aus 2.000 Euro brutto wurden rund 1.627 Euro netto. Nach unserem Beispielmonat bleiben 341 Euro. Von den angenommenen 3.000 Euro Erspartem wären außerdem 2.100 Euro als Kaution hinterlegt.

Leon lag bei seiner Schätzung des Nettogehalts ziemlich gut. Paul dachte beim Handy an die Laufzeit. Elias war bei der Wohnung von Beginn an vorsichtiger. Interessant wird es dort, wo sich ihre Entscheidungen durch eine zusätzliche Zahl verändern. 700 Euro Miete wirken anders, wenn vorher 2.100 Euro Kaution fällig werden. Eine Rate von 50 Euro wirkt anders, wenn daneben die gesamte Laufzeit steht.

Nach dem Training räumen wir die Hanteln zurück. Leon steckt sein Handy wieder ein. Der Zettel bleibt noch auf der Bank liegen. Oben: 2.000 Euro. Unten: 341 Euro.




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