19.07 Uhr, 15 März 2026

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Volontärin · BRG Kufstein
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27.09.2026
2 Min.

Das Komische am Schreiben ist: Je genauer ich erzählen möchte, was passiert ist, desto weniger weiß ich, ob ich mich erinnere oder ob ich es gerade erst erfinde.

Meine Latein-Schularbeit. wo verläuft die Grenze zwischen Erinnern und Erfinden? (Foto: Mathilda Pavlov )

Ich sitze auf meinem Sofa und schreibe.

19:07 Uhr, 15 März 2026

Im Wartezimmer des Krankenhauses läuft irgendwo ein Fernseher. Gerade versuche ich noch, mir irgendwie für die morgen anstehende Latein-Schularbeit die letzen Vokabeln zu merken. Doch sie gehen rein und sofort wieder aus meinen Kopf raus. Ich sitze da und warte.

Vor nicht einmal einer Stunde war ich noch in der Volleyballhalle. Jetzt sitze ich zwischen meinen Eltern im Rollstuhl und versuche, meinen Fuß möglichst wenig zu bewegen. Eigentlich will ich nur zurück. Zurück in die Halle, zu meinen Freunden. Dort ist gerade Training, dort passiert wenigstens etwas. Hier passiert nichts.

20:21 Uhr

Ich schaue auf die Uhr. Dann wieder auf mein Handy. Dann wieder auf die Uhr, obwohl sich die Zeit dadurch offensichtlich nicht schneller bewegt.

Nächste Woche ist das Konzert, auf das ich mich schon die ganze Zeit freue. Ich denke daran, während ich hier sitze. Ich denke daran, dass ich nächste Woche eigentlich wieder ganz normal herumgehen möchte. Tanzen. Herumlaufen. Einfach nicht darüber nachdenken, wie ich meinen Fuß auf den Boden stelle.

20:57 Uhr

Mein Name kommt über den Lautsprecher. Endlich. Ich werde zum Röntgen gebracht. Ein Bild. Ein paar Minuten. Dann wieder warten.

21:07 Uhr

Wieder eine Durchsage. Diesmal geht es ins Sprechzimmer. Der Arzt schaut auf das Röntgenbild und sagt, dass mein Fuß gebrochen ist. Gebrochen. Ein Wort, das ziemlich endgültig klingt. Danach wieder ins Wartezimmer. Ich warte.

Irgendwann bekomme ich den Gips. Der Arzt sagt, ich soll in einer Woche wiederkommen. Ich denke: Eine Woche?

Und dann denke ich: Moment. War das wirklich genau so?

Ich schreibe gerade 20:21 Uhr auf. Ich weiß noch, dass ich auf die Uhr geschaut habe. Aber weiß ich noch, was Berg auf Latein heißt? Weiß ich noch, wer neben mir gesessen ist? Habe ich wirklich alle diese Gedanken genau in dieser Reihenfolge gehabt? Wahrscheinlich nicht.

Vielleicht habe ich damals überhaupt nicht an das Konzert gedacht. Vielleicht ist mir das erst später eingefallen. Vielleicht habe ich im Wartezimmer einfach nur auf mein Handy gestarrt und mich gelangweilt. Und jetzt, während ich darüber schreibe, mache ich aus dem Warten eine Geschichte

Ich setze Uhrzeiten an die richtigen Stellen. Ich entscheide, wann ich „endlich“ schreibe. Ich mache aus 20:57 Uhr einen Wendepunkt und aus 21:07 Uhr den nächsten. Ich gebe meinen Gedanken eine Reihenfolge, die sie wahrscheinlich gar nicht hatten.

Und vielleicht ist genau das das Komische am Schreiben: Je genauer ich erzählen möchte, was passiert ist, desto weniger weiß ich, ob ich mich erinnere oder ob ich es gerade erst erfinde.

21:07 Uhr

Oder vielleicht auch nicht. Ich weiß nur noch, dass ich gewartet habe.




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