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1,65 Millionen Euro für 800 Meter Straße: Wie viel uns Klimaschäden kosten

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
23.08.2026
4 Min.

KLIMA CHECK. In dieser Kolumne beschäftigt sich unser Redakteur Simon Prinz mit der Klimakrise und den politischen Entscheidungen dahinter. Er erklärt aktuelle Entwicklungen verständlich und sagt, was er darüber denkt.

Der Kolumnist Simon Prinz (Foto: Simon Prinz fragt sich, was teurer ist: Klimaschutz oder die Rechnung für Schäden, die durch den Klimawandel entstehen?)

1,65 Millionen Euro für rund 800 Meter Straße. So viel kostete die Reparatur eines Abschnitts der L 2009 zwischen Greifenstein und Hadersfeld in Niederösterreich. Beim Starkregen im September 2024 waren dort elf Rutschungen entstanden. Die Straße musste gesichert und erneuert werden. Solche Rechnungen werden aus öffentlichen Mitteln bezahlt und damit letztlich von uns allen.

Und diese Straße war nur ein kleiner Teil der Schäden. 349 niederösterreichische Gemeinden meldeten nach dem Hochwasser knapp 100 Millionen Euro Schäden an ihrer Infrastruktur. Straßen und Brücken waren betroffen, aber auch Schulen, Kindergärten, Gemeindeämter und Bauhöfe.

Wenn Politiker über Klimaschutz reden, geht es oft darum, was neue Maßnahmen kosten. Im ORF-Sommergespräch am 10. August forderte Grünen-Chefin Leonore Gewessler eine „Kehrtwende“ in der Klimapolitik und kritisierte die Bundesregierung angesichts der Hitze. Österreich muss gleichzeitig sein Budget sanieren. Die Frage, wie viel Geld wir für Klimaschutz ausgeben können, ist deshalb berechtigt.

Mich interessiert dabei aber immer auch die andere Rechnung: Was kostet es, wenn wir zu wenig tun?

Zwei Milliarden Euro echte Klimaschäden

Das Umweltbundesamt schätzt die wetter- und klimawandelbedingten Schäden in Österreich derzeit auf rund zwei Milliarden Euro pro Jahr. Dazu zählen Folgen von Ereignissen wie Hochwasser, Dürre und Hitze. Bis 2050 könnten allein diese jährlichen Schäden auf sechs bis zwölf Milliarden Euro steigen. Das ist eine Schätzung und hängt unter anderem davon ab, wie stark sich das Klima verändert und wie gut Österreich sich anpasst.

Für mich macht schon die heutige Zahl einen Unterschied. Zwei Milliarden Euro sind keine abstrakten Klimakosten. Dahinter stehen Straßen wie jene bei Greifenstein, beschädigte Gebäude, Ernteausfälle oder andere Schäden, die irgendwann bezahlt werden müssen.

Im Klimaschutzbericht 2025 taucht allerdings noch eine viel größere Zahl auf: knapp 20 Milliarden Euro. Die klingt spektakulär, bedeutet aber etwas anderes und muss deshalb genauer erklärt werden.

Woher die 20 Milliarden kommen

Die knapp 20 Milliarden Euro sind keine reine Schadenssumme. Das Umweltbundesamt hat für 2024 mehrere unterschiedliche Kosten zusammengerechnet: rund zehn Milliarden Euro für den Import fossiler Energie, rund zwei Milliarden Euro Klimaschäden, etwa eine Milliarde Euro für Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und bis zu 5,7 Milliarden Euro klimaschädliche Subventionen. Zusammen ergibt das rund 20 Milliarden Euro.

Für mich ist diese Aufteilung viel interessanter als die große Zahl allein. Österreich zahlt Milliarden dafür, Öl, Gas und andere fossile Energie zu importieren. Gleichzeitig geben wir Geld aus, um uns an die Folgen der Erwärmung anzupassen, und bezahlen Schäden, wenn Extremwetter Infrastruktur oder Landwirtschaft trifft.

Die 20 Milliarden kann man deshalb nicht einfach mit den Kosten eines Klimaschutzprogramms vergleichen. Fossile Energieimporte sind etwas anderes als ein kaputter Straßenabschnitt, und Subventionen wiederum etwas anderes als Hochwasserschäden. Die Zahl zeigt aber, wie viele unterschiedliche Kosten heute schon mit unserem Energie- und Klimasystem verbunden sind.

Eine Million kann gut oder schlecht investiert sein

Trotzdem überzeugt mich das Argument „Klimaschutz spart später Geld“ allein noch nicht. Auch eine Klimamaßnahme kann schlecht geplant, zu teuer oder wenig wirksam sein.

Wenn der Staat eine neue Bahnstrecke, eine Gebäudesanierung oder ein Hochwasserschutzprojekt finanziert, sollte er genauso fragen wie bei jeder anderen Investition: Wie viel kostet die Maßnahme? Wie lange hält sie? Wie viel CO₂ spart sie? Welchen Schaden kann sie verhindern? Gibt es eine günstigere Möglichkeit, dasselbe Ziel zu erreichen?

Das Umweltbundesamt schätzt, dass Österreich für Klimaneutralität bis 2040 durchschnittlich zusätzliche Investitionen von 6,4 bis 11,2 Milliarden Euro pro Jahr benötigen würde. Das sind enorme Summen. Gerade deshalb müssen wir bei solchen Projekten über Kosten und Nutzen sprechen.

Der Vergleich darf aber nicht bei den Investitionskosten aufhören. Wenn wir entscheiden, einen Schutzdamm, eine Bahnstrecke oder ein Energiesystem nicht zu bauen, hat auch diese Entscheidung Folgen.

Die Rechnung verschwindet nicht

Das Hochwasser von 2024 zeigt das ziemlich konkret. Das Land Niederösterreich gibt an, dass 349 Gemeinden Schäden von knapp 100 Millionen Euro an ihrer Infrastruktur meldeten. Aus dem Katastrophenfonds werden Teile solcher Schäden ersetzt. Das bedeutet aber nicht, dass das Geld vom Himmel fällt. Es stammt aus öffentlichen Mitteln.

Für mich verändert das die Diskussion. Bei Klimaschutz sehen wir die Kosten meistens vorher: so viele Millionen für dieses Projekt, so viele Milliarden für jene Förderung. Beim Nichtstun erscheint die Rechnung oft erst nach dem Ereignis. Dann muss eine Straße wieder aufgebaut werden oder eine Gemeinde ein beschädigtes Gebäude reparieren.

Natürlich kann niemand seriös behaupten, ein bestimmtes Hochwasser wäre mit einer einzelnen Klimaschutzmaßnahme verhindert worden. Extremwetter hat viele Ursachen, und Anpassungsmaßnahmen können Schäden nur begrenzen. Gerade deshalb sollte Politik beide Seiten berechnen: Was kostet Vorsorge, und welches Risiko bleibt, wenn wir sie nicht finanzieren?

2050 bin ich 41

Bis 2050 könnten die jährlichen wetter- und klimawandelbedingten Schäden laut Umweltbundesamt auf sechs bis zwölf Milliarden Euro steigen. Wenn ich diese Zahl lese, klingt 2050 für mich nicht besonders weit weg. Ich bin dann 41.

Die Infrastruktur, über die heute entschieden wird, werde ich dann wahrscheinlich noch benutzen. Ich werde Steuern zahlen, vielleicht eine Wohnung oder ein Haus haben und für Energie, Versicherungen und Lebensmittel bezahlen. Wenn Klimaschäden teurer werden, trifft diese Rechnung also nicht irgendeine weit entfernte Generation.

Deshalb finde ich die Frage „Wie viel Klimaschutz können wir uns leisten?“ zu kurz, wenn wir nur auf das nächste Budget schauen. Wir sollten Projekte kritisch prüfen und auch sagen, wenn eine Klimamaßnahme ihr Geld nicht wert ist. Aber wir müssen daneben schreiben, was die Alternative kostet.

Bei der L 2009 kennen wir diese Zahl bereits. 1,65 Millionen Euro. Für 800 Meter Straße.

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