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10 Euro mehr fürs Jugendticket: Öffi-Fahren ist uns Schülern zu teuer

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
14.09.2026
3 Min.

Der Selbstbehalt für die Schüler- und Lehrlingsfreifahrt steigt mit diesem Schuljahr von 19,60 auf 29,60 Euro, ein Plus von 51 Prozent binnen eines Jahres. Parallel dazu wird auch das Wiener Top-Jugendticket um rund 14 Prozent teurer. Zahlen sollen das vor allem jene, die selbst so gut wie nie ein eigenes Einkommen haben.

Ab diesem Schuljahr wird die Freifahrt für Schüler*innen und Lehrlinge teurer (Foto: shutterstock)

Anfang September steht Elias, 18, vor dem Schalter im WienMobil-Punkt, um das Jugendticket fürs neue Schuljahr zu verlängern. Der Ablauf ist bekannt: Formular zeigen, Nachweis der Familienbeihilfe vorlegen, unterschreiben, zahlen. Auf dem Beleg steht diesmal aber eine andere Zahl als in den Jahren davor. Statt 19,60 stehen dort 29,60 Euro. Also zehn Euro mehr, ohne Ankündigung im Schulpostfach.

So geht es heuer allen Schüler*innen und Lehrlingen in Österreich, die eine Freifahrt oder ein Jugendticket beantragen. Der gesetzlich festgelegte Selbstbehalt für die Schüler- und Lehrlingsfreifahrt wurde mit 1. September 2026 von 19,60 auf 29,60 Euro angehoben, festgeschrieben im Familienlastenausgleichsgesetz. Das ist keine gewöhnliche Inflationsanpassung. Eine Steigerung um 51 Prozent hat es bei diesem Betrag noch nie gegeben.

„Ich hab zuerst gedacht, dass zehn Euro mehr eigentlich nicht so viel sind. Aber wenn man das jedes Mal zahlt, kommt schon was zusammen. Ich überlege mittlerweile schon öfter, ob ich nicht einfach mit dem Rad fahre“, sagt David Gruber, 16, Schüler am BG/BRG Wien.

Wer zusätzlich zur reinen Schulwegkarte auch in der Freizeit mit Bus, Bim und Bahn unterwegs sein will, zahlt noch mehr drauf. Das Top-Jugendticket des Verkehrsverbund Ost-Region (VOR), das die ganze Ostregion und alle Fahrten rund um die Uhr abdeckt, kostet ab dem Schuljahr 2026/27 101 statt bisher 88,60 Euro. Auch das ist kein kleiner Sprung, sondern ein Plus von 12,40 Euro beziehungsweise 14 Prozent.

Eine Zahl, die man erst am eigenen Börsel spürt

Zehn Euro klingen nach wenig, bis man sie umrechnet. Ein einzelner Wiener-Linien-Fahrschein kostet seit Jahresbeginn 3,20 Euro in Papierform beziehungsweise 3 Euro digital. Die zusätzlichen zehn Euro beim Selbstbehalt entsprechen also mehr als drei Einzelfahrten. Die 12,40 Euro Aufpreis beim Top-Jugendticket sind sogar mehr als vier Fahrscheine wert.

Der Selbstbehalt ist dabei noch der günstigste Teil im Öffi-System, in dem sich Schüler*innen bewegen. Wer bereits 26 Jahre alt ist oder keine Familienbeihilfe mehr bezieht, fällt aus dem Schülersystem heraus und landet bei den regulären Tarifen. Die Wiener-Linien-Jahreskarte kostet seit 1. Jänner 2026 467 statt bisher 365 Euro, ein Plus von 27,85 Prozent. Neu eingeführt wurde damals auch eine eigene Jahreskarte Jugend für alle unter 26, unabhängig von Schule oder Lehre, für 300 Euro im Jahr.

Warum ausgerechnet jetzt

Begründet wird die Erhöhung des Selbstbehalts mit einer strukturellen Umstellung. Bisher blieb der Betrag über Jahre praktisch unverändert, künftig soll er sich regelmäßiger an der allgemeinen Teuerung orientieren. Bei den übrigen Wiener-Linien-Tarifen nannten Finanzstadträtin Barbara Novak und Verkehrsstadträtin Ulli Sima die angespannte Budgetlage der Stadt als Grund. Durch die erhöhten Öffi- und Parkgebühren sollen jährlich rund 285 Millionen Euro mehr eingenommen werden.

Wie viele Schülerinnen und Lehrlinge österreichweit tatsächlich eine Freifahrt oder ein Jugendticket beantragen, wird bundesweit nicht zentral veröffentlicht. Fest steht nur die Grundgesamtheit: Rund 1,1 Millionen Schülerinnen besuchen laut Statistik Austria eine Schule in Österreich, dazu kommen die Lehrlinge in den Betrieben.

Was das im Alltag bedeutet

Auch ich habe die Erhöhung heuer beim Verlängern gemerkt. Mein Ticket hat 90 Euro gekostet, 20 Euro mehr als im Jahr davor. Ich war auf eine Erhöhung vorbereitet, der Sprung um 20 Euro hat mich trotzdem überrascht. Wer das vom eigenen Taschengeld oder vom Geld aus dem Ferialjob zahlt, merkt die fehlenden 20 Euro am Ende bei anderen Dingen.

Für Familien mit mehreren schulpflichtigen Kindern läppert sich die Erhöhung zusammen. Bei drei Geschwistern mit je einer Freifahrt sind das 88,80 statt bisher 58,80 Euro Selbstbehalt im Jahr – ein Plus von 30 Euro auf einen Schlag. Wer daneben noch ein Top-Jugendticket für die Freizeit dazukauft, zahlt pro Kind zusätzlich die 12,40 Euro Aufpreis oben drauf.

Am Schalter zückt Elias trotzdem die Karte. Er schaut noch einmal kurz auf den Preis, hält sie dann ans Terminal und sagt: „Na gut, jetzt ist es eh schon wurscht.“ Das Gerät piept, der Beleg kommt heraus. Elias steckt ihn ein und geht Richtung Ausgang, das Ticket in der Hand.

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